Sie sagen, was künftig sein wird.
Es würde die vires haereditatis übersteigen heissen, wenn sich irgend ein Mensch einbilden wollte etwas zu schreiben, wovon er behaupten könnte, es wäre so ganz da, wie er! Ein andres Schöpfer, ein andres Geschöpfe! Niemand kann sagen: er sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe da, es war alles sehr gut.
Ein Fragment ist mir aus diesem Gesichtspunkt ein angenehmes Wort. Es ist ein Menschenwerk. Der Mensch selbst kommt sich in dieser Welt nur als ein Fragment vor, so ganz er gleich da ist. Heil ihm, dass er eben von diesem Ganzen schliessen kann, dass er selbst sich in allen Rücksichten begreifen, von allen Zipfeln einst fassen werde, in der Fortsetzung seines Lebens, – in der andern Welt!
Das, was meinem Herzen von meinem Leben am meisten aufgefallen, hab' ich mitgeteilt – und was die Zukunft betrifft – was kann mir künftig (beim Licht die Sache genommen) viel mehr begegnen, als der Tod? – und da hoff' ich zu dem, der in mir angefangen hat das gute Werk, er werde es durch seinen heiligen Geist in mir bestätigen und vollführen, bis an diesen meinen jüngsten Tag, auf dieser Welt und in der neuen. – Ein doppelter jüngster Tag! – Sollten sich Umstände ereignen – wer weiss die geschichte seines morgenden Tages, die eines Protokolls wert wären? – so trag' ich es hiermit meinem beim Publico als Autor eingeschriebenen Sohne Alexander Leopold auf, getreulich alles zu geben, wie er es empfangen hat. – Gott segne dich, lieber Leopold! und deine Mutter für und für! Amen!
Schone mich nicht, mein Sohn, ziehe vielmehr den Vorhang auf, wenn ich mich vor dem Publico geflissentlich in einem andern Lichte darstellte! Schreibe getrost; schone nicht: S o w a r m e i n V a t e r nicht, so war er!
Was soll ich von meinem buch sagen? Wahrlich, es ist nicht ein olympischer Lauf nach einem Zeitungslob! – Ein unverwelktes Erbe war mein Ziel, zu trachten in guten Werken nach dem ewigen Leben, meine Hoffnung!
Ich schrieb den Menschen, oder bemühte mich, ihn zu schreiben. Jeder hat noch ein Aestchen aus dem Paradiese mitgebracht, und jeder hat etwas vom Apfel gegessen! – Die Menschen sind alle auf einen Fuss. Man darf sie nur aus dem gehörigen Gesichtspunkte nehmen, so sind sie als Einer, als Adam. Madam Eva war ja auch in ihm, in seiner Rippe. Solch ein Gesichtspunkt ist vorhanden; ob ich ihn getroffen, sei dem wachhabenden Officier, dem mit einem Achselbande zu Pferde, zu Fuss, von der Leibgarde, von der Garde der Gelehrtenrepublik, anheim gegeben! – Mit den Torschreibern habe ich mich, wie erwecklich zu lesen, in dem buch selbst ein Langes und Breites abgegeben.
Freilich ist zwischen Wächtern und Richtern ein Unterschied. Wie wenige verdienen aber den ehrwürdigen Namen Richter? Ein Richteramt ist ein schweres Amt. Natanael wählte den besten teil, da er's niederlegte, und wie wenig gibts Natanaels und solche kunstrichterliche Justizräte, wie er! Kleine schielende Revisionsknaben die Menge! – Die Herren α, β, γ möchte ich auch ungern darüber sprechen lassen.
Wer in den Charakteren nicht Präcision findet, kann jeden in person kennen lernen, bis auf die, welche in diesem buch selig entschlafen sind, und wer meiner Grossmutter nachspottet, und mit gerümpfter Nase die Frage aufwirft: wie vielmal A m e n in diesem buch vorkommt? wisse, dass ich ein Liebhaber dieses Wortes bin. Ich liebe nicht Flittern, nicht Schminke, trage keinen Regenschirm, keinen Hermann'schen Glanzkittel. Eine Jahreszeit ist mir so, wie die andere. Alles, was aus Naturhänden kommt, ist Gottes Gabe! G e s c h m a c k ? Ja freilich hat nicht jeder Lust zu lauter Milch und Kuchen, und zum Stück vom zarten guten Kalbe, diesem Verlornensohnsbraten, obgleich Abraham himmlische Herrschaften damit bewirtete.
Wer nicht zuweilen Himmel und Erde in Eins gefühlt hat, Seele und Leib in einer person; – wer nicht Mut gehabt, im dicken wald die heiligem Schauer, aus seinem grab herausgestiegen, zu empfinden, und die stimme der menschenfeindlichen Eiche verstanden: aus mir wird einst dem Sarg geschnitten! muss freilich ganze Bogen dieses buches unausstehlich finden. Wer aber dieses Gefühl kennt, das sich nicht untersteht, einen Ausdruck zu wagen, damit ihn nicht ein Bote Gottes ungewählt fände, mit dem gehe ich zusammen. hebt sich dein Herz, wird dem Busen entzündet, komm in Charlottens Laube, und wo du sonst willst, hier ist meine Hand!
Ein Mensch, der zu empfinden weiss, dass er nicht mehr brauche, als zu leben, dass alle Reichtümer Schätze sind, die Motten und Rost fressen, und wornach die Diebe graben, um sie zu stehlen, erhält eine gewisse edle Art, ein wahres Geniegefühl, das allen hoch- und hochwohlgebornen Zwang verschmäht, sich entsattelt, und den Reiter verachtet, der sich ihm aufbürden will. Das ist ein Genie!
Muttermäler der Sinnlichkeit und Schönpflästerchen sind so unterschieden, als ein unschuldiges, frommes Mädchen und eine Nonne.
Wir verehren nicht gemeine Dinge und versündigen uns oft schwer an ihnen. Was selten ist, gefällt. – Man hasst den, der im Kleinen betrügt. Tut er'