, aus welcher ihn Herr v. W. völlig setzte. Der Herr Inspektor fand sich auch mit hundert Talern preuss. ein, die Hermann zum Bratenrock verwendete. Indessen hat Darius so wenig Lust, seinen Vater, als der Vater den Herrn Inspektor zu sehen. Diese Pension von hundert Talern preuss. will Darius jährlich fortsetzen.
Man sagt, Schulmeister werden darum so sehr alt, weil sie immer mit jungen Leuten umgehen. Diesen Kunstgriff haben viele Alte, um sich zu verjüngen, wie die Adler. – Freude steckt an. Man darf hier nicht bloss auf die Ausdünstung Rücksicht nehmen, auf die es vielleicht bei dem Kebsweibe des Königs David angesehen war. – Hermann hatte nun wohl schon längstens das Schulhandwerk aufgegeben; indessen hatte er ein Temperament, das hier mehr galt, als der Umgang mit der Jugend.
Wenn er zur Treppe heruntergeworfen wird, sagte Herr v. G. der Selige, kommt er zuverlässig, seinen Hut zu holen. – –
Hast du, lieber Leser, je einen observirt, der dem andern zu Gefallen lacht oder weint? Beides ist hässlich! Unendlich lieber aber will ich, jemanden zu Gefallen, weinen als lachen sehen. Wie Ekel, wenn man jemanden zu Gefallen freundlich tut! – Hermann war ein dergleichen Klag- und Freudenweib. E r g i b t , wie Herr v. G. der Selige sagte, w i e e i n T e i c h , nasse und trockene Nutzung.
Der Stolz ist zweierlei, innerlich und äusserlich. Leibes- und Seelenstolz. So kann man stolz sein auf seine Nase, Augen, Ohren, aufs Zifferblatt; allein auch aufs Werk selbst, auf die Seele. Dieser innerliche Stolz, wenn er übel angebracht ist, heisst Aufgeblasenheit. Diess war Hermanns Fehler, den er beim Herrn v. W. abzulegen schwerlich gelegenheit finden wird. Von seinem Schnupftuche hängt ein grosser teil aus der tasche. Er schmückt sich gern mit einem lateinischen Wörtchen, welches wie ein Schönfleckchen absticht.
Herr v. G. selbst indessen, wenn er noch lebte, würde dem Hermann, dieses Schönfleckchens und des herausragenden Schnupftuchs unerachtet, das zeugnis der Besserung in sehr vielen Stücken nicht versagen. – Wir wollen uns nur der stillverweinten Träne zurückerinnern, da ich mit Minen zu Bette ging!
Seine Einfälle freilich hat er noch nicht gelassen; wer lässt aber auch Busensünden so leicht? Sie sind Parderflecken.
Herr v. G. der Selige nannte seinen Witz des Satans Engel, der ihn mit Fäusten schlüge, und wahrlich mit Recht! Seine Einfälle? Sind sie denn Einfälle? Kaum! Es sind Gypsabgüsse von Witz.
War es Wunder, dass Hermann wieder zu Kräften kam, da ihm Herr v. W. mit Rat und Tat so höflich beistand? Der Tremulant ward zwar noch zuweilen gezogen; indessen liess von Zeit zu Zeit der Trompetenzug sich hören.
Lange hungern, ist nicht Brod sparen, sagte Junker Gottard, der gute Junge. Er hatte eine gewisse Antipatie wider den Hermann von seinem Vater geerbt. – Jüngst sah er mich an, und liebängelte mir auf Rechnung meines Schwiegervaters und seines Waffenträgers zu. Das Wetter, sagte er, kennt man am Winde. Als Hermann von seinen ausgestandenen Unglücksfällen anfing, machte ihn Gottard mit der Bemerkung still: was ein guter Haken werden will, krümmt sich in zeiten. Hermann erzählte eine Beleidigung, die ihm ohne sein Verschulden zugefügt worden. – Da hielten Sie wohl ein Schnupftuch vor, und sagten: Mir blutet die Nase? fragte Junker Gottard.
Hermann hatte die Art, wenn ihn jemand seines Gleichen was fragte, nicht zu antworten, sondern recht, als fürchtete er etwas, anstatt der Antwort wieder zu fragen: Wie so? Er begegnete der Frage durch ein andere Frage, und so wie kluge Leute, wenn sie nach gotischer Weise examinirt werden, die schwere Pflicht zu antworten sehr weislich auf den Frager schieben; so machte es auch Hermann, und eben hiedurch gewann er Zeit, erhielt sich bei Ehren, und suchte sich, wie alle Leute seiner Art, zu präserviren.
Dem Junker Gottard, der doch wahrlich nicht seines Gleichen war, begegnete Hermann auf gleiche Weise; indessen gewöhnte er ihm sein: wie so? auf eine so auffallende Art ab, dass Hermann sich bei jeder Frage verscheute, wenn gleich sie nicht: wie so? war.
Das ist so platt, dass es keine Nase hat, sagte Hermann zum Herrn v. W. über einen Ausdruck des Junkers Gottard; allein er fand keinen Beistand, vielmehr ward er auch vom Herrn v. W. auf eine Art angelassen, dass, um seinen gewöhnlichen Ausdruck beizubehalten, ihm die Ohren klangen. Da verdienen Sie eine Nase, erwiderte Herr v. W. und freute sich, dass bei seinem Scheltwort wenigstens ein Wohllaut, wie er dafür hielt, anzubringen gewesen. – Wohllaut Herr v. W.?
Die Gewohnheit, die Hermann, seit so lange ich ihn kenne, hatte, seine Weste mit Nadeln zu bestecken, dass sie wie mit goldenem Rundschnur besetzt aussah, hat ihm Herr v. W. glücklich abgewöhnt. – Versteht sich, mit Höflichkeit.
Vor kurzem nahm mein Schwiegervater bei G e l e g e n h e i t d e r N a s e die Sache des Junkers Gottard; jetzt rettete er Hermanns Ehre, als Gottard ihm den S c h n e i