und Sie! Mine und Alexander! du und ich! Z w e i D u ' s sind wir, z w e i I c h ' s . Ausser dir ist nichts und ausser mir ist nichts!
Welch ein Schauder! Noch einer! Was sehe' ich! Sieh Geliebter! an die Fensterscheibe, vor deinen sichtlichen Augen, malt sich ein Vergissmeinnicht! Sieh! Sieh! im zug M und A! Fühlst du es so, wie ich! Mine war's, der Engel Mine! der es malt! Mine, die mich an dich in der Welt abtrat, die dich im Himmel wieder fordern wird. Das war nicht die Hand der natur, die diese Züge herausspielte. Dieses M und A im weissen Damast! Genäht ist's nicht. – Da ist kein Stich zu kennen! – Wie schön, himmlisch schön! wo auch kein Stich zu kennen ist! – O Geliebter, verzeih diesen Seufzer! Wenn ich dich im Himmel zu verlieren denke, wie ist mir! der Himmel und Verlust! – Wen willst du wählen? wen? O der zwei S i e e n ! Sie oder mich? Mich oder Sie? – M i n e , die immer ein Engel war, oder M i n e , die Fleisch und Bein hatte, und die werden wird, was Mine immer war! Engel Mine! Ist's möglich, schreibt's bei hellem Mondschein ans Fenster, wenn mich ein Herzbeben ergreift, das mir das Nahesein eines Geistes verkündigt. Du oder ich? – Verzeih, Himmlische! diese Erdenfrage! Grossmütige, verzeih! – Du bist mein Geliebter! – du bleibst mein Geliebter! – Mine, die Göttliche, wie sie mich dir lässt! – Komm in meinen Arm, komm ans
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T i n e , genannt M i n e , ist äusserst fromm! – Sie
Gebet für den Sonnabend
hersetzen.
Dieser Tag, in Parenteft, ist meines Weibes Liebling, so wie es der Tag meiner Mutter war; allein aus verschiedenen Ursachen. Mit mir, sagt mein liebes Weib, ist es Sonnabend! – Gute Seele! – Unsere Wege sind nicht Gottes Wege. Unsere Gedanken sind nicht Gottes Gedanken. So hoch der Himmel über der Erde, so sind auch Gottes Wege höher denn unsere Wege, und Gottes Gedanken höher denn unsere Gedanken.
Am Sonnabend.
Gottlob! wieder eine Woche! Wie sie war und nun nicht mehr ist! Ich glaube, es wissen viele Leute nicht, wenn sie sterben, dass sie gelebt haben. O selige Kürze der Zeit, einziger lebendiger Trost bei allen Leiden dieser Welt! die eben deretwegen zeitlich und leicht sind, und doch schaffen sie eine ewige und über alle massen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare, nicht auf den Leib, sondern auf die Seele, nicht auf die Welt, sondern auf Gott, den Anfänger und Vollender, den Höchsten, so wie der Menschen Geist vielleicht der niedrigste ist. – – Es geht mit der Zeit so, wie mit allem, was gut ist. Wir schätzen es nicht eher, als bis wir es nicht mehr haben! – Nichts ist weniger habhaft zu werden, als die Zeit. Ich stelle mir vor, sie kann alles begreifen, wie es zugeht! Ich fürchte mich nicht, wenn diese Woche auftritt und mich einst vor jenem Richterstuhl zur Rechenschaft fordert, wo wir alle werden offenbar werden, an diesem Sonnabend der Welt! Wer kann aber, Richter der Welt, wer kann vor dir bestehen, du Herzenskündiger, du Gedankenkenner? Barmherzigkeit komme über mich und über alle, die sich bemühen, Barmherzigkeit zu üben und Gutes zu tun und in guten Werken zu trachten nach dem ewigen Leben!
Die Zeit vergeht, allein gute Taten pflanzen sich fort, und ihre Geschlechter dauern bis zum Ende der Tage. – Jede gute Tat hat mehr als einen Sohn, hat viel Erben; und diese Kinder haben wieder Kinder. – Wer wollte nicht gut sein, um ein Vater, eine Mutter von so guten lieben Kindern zu werden, die sich selbst erziehen?
Der Schluss der Woche kann der Anfang zur Besserung sein. Ich gelobe und wills halten, mein Fleisch und Blut niederzuschlagen, wenn der Eigendünkel mir einbilden will, ich wäre besser, als ein anderer; wenn die Härte mir ins Ohr zischt: V e r d i e n t e s a u c h d e r A r m e ? will ich antworten: Bei Gott gilt der gute Wille; was würde sonst aus uns allen werden? So will ich leben, damit ich einst froh sterben kann. Wann werde ich? Das weiss Gott, der Herr des Lebens! Wohl mir, dass er nicht ein Gott der toten, sondern der Lebendigen ist! Wohl mir, dass er mir den Trieb zum Leben so tief eingepflanzt hat! Je älter wir werden, je mehr Lust zum Leben wandelt uns an. Diesen Trieb zum Leben sollte ich haben und doch sterblich sein? Nein, wahrlich! wahrlich! Ich glaube es, nimmermehr werde ich sterben, es wird nur so scheinen, als stürbe ich! – Der liebe Gott würde sich geirrt haben, wenn er den Lebensplan in den Menschen gelegt hätte, falls der Mensch ihn auszuführen ausser stand wäre. Gott begeht keinen Irrtum