isst stark, lauter natürliche speisen, trinkt wenig Wein, allein immer aus der Quelle! – Ich lege vor – er giesst ein! – Alles was bei Tische nur gebraut und angerichtet werden kann, wird öffentlich gebraut und angerichtet. Er macht Punsch und Bischof, ich Salat – oft ein Ragout aus freier Faust. – Man gewinnt viel, sagt mein Mann, wenn man was werden sieht! Ich glaube selbst. Was muss es dem lieben Gott nicht angenehm gewesen sein, so alles entstehen zu sehen! – Ich will schon gern nicht nach den Sternen sehen können, aber Gras und Bäume wachsen möchte' ich gern sehen! – Wer kann es beschleichen!
Noch einen Beweis der zärtlichsten Liebe meines Alexanders! Mein Leopold hat viel Züge von mir. Er küsst mich in ihm! O! das sind Küsse, sagt er selbst, wenn man sein Weib in seinem Sohne küssen kann! Sage noch einmal, das sind Küsse! Ich fühle jeden, den du deinem Sohne gibst!
Wie sehr hab' ich mich gescheut, einen Vorfall anzuzeigen, welcher der wichtigste meines Lebens ist; kein Wunder, dass ich ihn bis auf die letzt gespart!
Ich bin die Mutter nur von einem einzigen Sohne, Alexander Leopold genannt. Er heisst im gemeinen Leben Leopold, weil mein Mann da Alexander heisst. Diess waren meine ersten und letzten Wochen.
Nach einem der vergnügtesten Jahre empfand ich alle Bitterkeiten des Ehestandes und den Fluch, der auf unsere Allmutter Eva gelegt ward: Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären. – Verzeiht den Seufzer, den ich tief hole! und diese Tränen, die auf dieses Blatt fallen. – Mein Mann konnte die Scene nicht aushalten. Er ging davon, da er sie nur anfangen sah. In meiner Sterbensnot ging er nicht davon! – Nun bin ich allein! – Vielleicht dreister! Es kam bei der Geburt meines Einzigen auf die Frage an, ob das Kind oder ich geopfert werden sollte. Mein Mann sollte entscheiden, der Arzt und die Hebamme setzten es darauf aus. Mein Gott, was für Vorfällen kann der Mensch ausgesetzt werden! Führ' uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von allem Uebel! Gott, unser Vater – Ich kann nicht weiter.
Nach einem sehr harten Kampfe blieben zwar Mutter und Kind, ich und Leopold leben, allein weh mir! – Ich kann nicht mehr Mutter werden!
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Ich habe geendigt in dieser Welt! – Ich bin in e i n K l o s t e r gegangen. Als Kloster in ein sehr glückliches! Mein Mann liebt mich wie seine Freundin. Mein Leopold, der Lohn meines Kampfes, ist der beste Junge, der in der ganzen Welt ist. – Was will ich mehr?
Einen guten Kampf hab' ich
auf der Welt gekämpfet –
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dass ich meinen Lebenslauf
seliglich vollendet,
und mein arme Seel' hinauf
Gott dem Herrn gesendet.
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Dass ich meiner seligen Mutter nicht völlig im Gesang gleich komme, ergibt sich, dünkt mich, aus meiner Erzählung. Wenn ich aber in meiner Lage ein Lied anstimme, wo mein Mann, seinem Vater gleich, im zweiten Diskant einfällt, wie wohl ist mir!
Ich bin der Welt im eigentlichsten Sinn abgestorben! und finde in der Hoffnung der künftigen Welt so viel Trost, dass es wohl der Mühe lohnt, hier nicht ganz glücklich zu sein! – Ich wollte um wie vieles nicht mein teil in diesem Leben haben, um wie vieles nicht! – Wie du willst, Herr, wie du willst, schick' es mit mir! – Wahrlich, wir sind zur Hoffnung geboren. Mit dem Genuss will es nicht recht fort. – Ich weiss nicht, ich kann keinen Menschen so recht ausstehen, der es sich geflissentlich angelegen sein lässt zu geniessen, dem man es anmerkt, dass es ihm so recht schmeckt!
Man sagt, dass es die Wehemutter bei meiner Niederkunft versehen haben soll. Ich verzeih es ihr herzlich – herzlich. – Gott tröste sie! Sie ist nach der Zeit öfters tiefsinnig – Mein Mann und ich, das weiss Gott, haben nichts dazu beigetragen, dass sie tiefsinnig worLeiden mit dem Troste des bessern Lebens, das Gott geben wird denen, die ihn lieben!
T i n e , genannt M i n e .
Damit ich dich ablöse. Mine ist eine Dichterin. Hier ist eine probe von ihr, die sie nicht lange nach unserer Heirat lieferte. Man wird noch immer das fräulein Lorchen drin finden, das spitzige Mädchen! obgleich sie es nicht haben will, und öffentlich behauptet, sie hätte noch keinem andern, als sich selbst, mit der Nadel Schaden getan. Aus Lorchen ist Tine, und aus Tinen ist Mine worden! – Diess ist die letzte Verwandlung, bis der Tod sie und mich verwandeln wird, und das Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit. – Wär' es doch auf Einen Tag, auf Eine Stunde!
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Komm, mein Geliebter, hier ans Kamin, damit ich den Unterschied desto mehr empfinde, in deinem warmen Arm zu sein und mich am Kaminfeuer zu wärmen. Welch ein Abstand zwischen Feuer und Feuer! gemein und Opferbrand! Deine Hand, deine beiden hände, in allem schlägt ein Schlag der Liebe, und wenn du deine Hand in meine legst, ist's so, als würden unsere Nerven in einander gestrickt, unsere Adern klingt, Er