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e r kann ich nicht schreiben, es ist nicht kalt, nicht warm) war nicht allein ein Sonnabend. Alles in der Welt ist es! Alles! Unsere Liebe selbst, das vollständigste was ich kenne, ein Sonnabend! – Wollt ihr mehr von unserm Eheleben?

Was ich mir nur merken lasse, tut mein Alexander. Fast aber sollte ich denken, seiner Herrschaftsabtretung unerachtet würde' er nicht tun. was ich will. Wie kann ein Weib wollen?

Unsere Trauungseinsegnung wäre freilich anders ausgefallen, wenn sie der Pastor aus L. übernommen. Wie sie mir aber noch lebhaft sind die Worte (alle fragen haben was Feierliches für mich): Wollen Sie mit diesem mann ziehen, Glück und Unglück mit ihm teilen, und sich nicht eher von ihm trennen, als bis ein, Gott geb! seliger Tod Sie scheidet? – Mein Vater hatte mir Ja vorpräludirt; allein mein Herz hielt so wenig Melodie, dass ich laut Ja sagte, und so laut, so herzlich sag' ich es noch jetzt, bis der Tod uns scheidet. Ja, ja! Amen, Amen! Hörst du, Alexander? Ja!

Mein Mann kann mir keinen grösseren Beweis von seiner Liebe geben, als dass er mir eine Aehnlichkeit mit Minen zuschreibt. Zwar hab' ich sie nur ein einzigesmal in ihrem kummervollen Leben zu sehen das Glück gehabt, so wie auch vor diesem die frömmsten Leute nicht alle Tage Engel sahen; allein auch diess einemal macht sie mir auf ewig wie gegenwärtig. Da steht sie! Auch dort werde' ich sie gleich kennen.

Sie hängt in unserm haus nicht bloss über den Kleinigkeiten, die sich mein Mann zum Andenken erkoren: überall hängt sie in Oel, in Pastell und Silhouetten ohn' Ende. – Sie lebt und schwebt mir vor Augen. Dank lieber Schutzgeist! dass du mir sie präsentirt hast, da ich mich auf die paar Züge nicht besinnen konnte! – Jetzt darf ich dich nicht mehr beschweren.

Mein Alexander ist sehr geradezu. – Meine Mutter liebt ihn wie eine Mutter ihren Sohn. Mein Bruder fängt sich so sehr nach ihm zu bilden an, als es einem äusserst verdorbenen Menschen nur immer möglich ist. – Mein Vater selbst ist mit diesem G e r a d e z u so zufrieden, als ich es nie gedacht habe. Aeusserst zufrieden mit meinem mann, behauptete er jüngst, dass ein gewisses e d l e s G e r a d e z u die allerfeinste Höflichkeit wäre. Aufs Einkleiden kommt's an, setzte er hinzu, und eben das Einkleiden scheint meines Alexanders Sache eben nicht zu sein. Mein Vater fängt mehr an über die Höflichkeit und Festlichkeit zu speculiren, als sie zu üben. Ganz wird er diesen Schmuck nicht ablegen, und warum sollt' er? Mein Mann steigt nicht zu dach. Sein Geradezu ist ein edles Geradezu.

Die Liebe ist kühn und schüchtern im Grossen und im Kleinen. – Mein Vater will nicht leiden, dass ich meinem Alexander unters Kinn greife. – Warum nicht, lieber Vater? Ein Eheweib darf nichts Entehrendes finden, als ein Schelmstück, und da sei Gott vor! – – Wahrlich eine gewisse unzeitige Scham hat unser Geschlecht unter dem Vorwande es zu heben, so heruntergebracht, dass die wenigsten wissen, was sie tun.

Dem guten Vater fällt oft was auf die Nerven, was andere keinen Augenblick anhält.

E h r e n t h a l b e r , sagt mein Mann, ist der unausstehlichste Ausdruck, den ich kenne, und beim Kratzfuss des alten Herrn pflegt er zu sagen: W a r u m verstellst du deine Geberde?

Der alte Herr ist, so oft er kommt, ein mir sehr lieber Gast! Was mir das leid tut, dass er am Hochzeittage am kleinen Tische ass! So oft er kommt, muss er mir: I c h h a b ' m e i n S a c h ' G o t t h e i m g e s t e l l t etc. spielen, und da sing' ich es dann so herzlich, dass ich ihn noch jedesmal weinen gesehen! Auch ich weine. Es ist ein Regenlied.

Mein Mann beschuldigt mich, dass ich zu spitzig bin. Noch hab' ich keinem als mir selbst mit einer Nadel Schaden getan! Wie Alexander da lacht! Sollt' ich wieder wo zu nadelspitz gewesen sein? – Fürs lachen eine Klage!

Mir ist äusserst schwül zu Mute, wenn ich die Zimmer kehren und aufputzen lasse! Freilich sagt mein Mann kein Wort darüber; allein wenn sein blick diese meine Taten bestreicht, ist nur's so, als sage er etwas. Seine Schreibstube wird fast gar nicht geläutert. Weiss der Himmel, es ist wenig Staub drin, aller der Bücher unerachtet, von denen sich manche recht nach Staub zu sehnen scheinen, – wie er selbst sagt.

Ehegestern sah er sehr steif an einen Ort und war so tief in Gedanken als man in keinen Schlaf sinken kann. Da hab' ich dich gesehen, sagte Alexander, wie du einst alt und wohlbetagt sein wirst! – Recht so! Sobald die Mienen, wenn man so sagen soll, ohne steife Wüste zusammenfallen, sieht man alle die Ansätze zu Runzeln, die man einst haben wird, wenn keine Ermunterung, keine Aufraffung diese Linien, diese Falten mehr zu verlöschen im stand ist.

Mein Mann