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den Eierheiligen verewigten.

In der Opferschaale lagen zwei Pomeranzenkörner, die er mit einer grossen Feierlichkeit zur Hand nahm und in zwei dazu schon gemachte Töpfe setzte. – Seid fruchtbar, sagte er, und mehret euch! Jedem, meiner Tine sowohl, als mir, ward ein Glas wasser gegeben, womit wir diese eingeackerten Pomeranzenkörner begossen. – Gott, sagte er, gebe das Gedeihen! – Er hatte überhaupt die Gewohnheit, die Körner von Pomeranzen und Citronen, die er zu Papst, Kardinal, Bischof und Punsch an festlichen Tagen verbraucht hatte, zum Andenken des festlichen Tages zu pflanzen. So hatte seine ganze curische Orangerie festliche Geburtstage. Er glaubte der Frucht dadurch ein Andenken zu stiften und ihr eine Art von Erkenntlichkeit zu beweisen. Mein Vater dachte in Absicht der Pomeranzen- und Citronenkörner anders. dafür war er ein Kernmann, Herr v. W. aber ein Blättermann.

Bei Tafel war Herr v. W. der gefälligste Wirt, den man sich nur denken kann.

Er fing eine Unterredung an, oder brach sie schnell ab, je nachdem es Zeit und gelegenheit wollten.

Den guten Pastor, der heute alles wohlgemacht hatte, brachte er in die Enge, indem Herr v. W. den undeutschen Anfang des Vater unsers auf die Rechnung der Höflichkeit schrieb. Das Substantivum sollte überhaupt vor dem Adjectiv zu stehen kommen.

Eine Unterredung fiel mir sehr auf, die Herr v. W. so recht aus dem Innersten seines Herzens geschöpft zu haben anschien. Grobe Leute, sagte er, sind glücklicher, als die Höflichen. Vor Groben fürchtet sich jedermann. Man freut sich, wenn sie ein Lächeln wo leuchten lassen. – Ich habe Leute gekannt, die sich durch Grobheit als Gelehrte, als Herzhafte, als – – alles was man will, ins Geschrei gebracht. Indessen ist erspartes Geld, fügte Herr v. W. wohlbedächtig hinzu, besser, als erworbenes, und kommt ein harter Stein zum andern, so steht der hinterste im Genitiv. Die selige Mutter meines Herrn Schwiegersohns würde gesagt haben: zwei harte Steine mahlen selten reine.

Unser Jupiter, unser Gottes-Gevatter hätte sich, wie mich dünkt, bloss bei dieser Unterredung erholt, alles andere wären Schaubrode für ihn gewesen, bei denen er nun freilich weit dreister, wie David, zu Werke gegangen. Selbst aber diese Dreistigkeit, würde sie nicht allen, die zu Tische sassen, unerträglich gewesen sein? Der geschickteste Mann, sagte Junker Peter, um grob und fein zu sein, bei den besten Kohlen und recht gesunden Funken: fehlt ihm Wind, das heisst, eine gewisse Artgefälligkeit, Gelindigkeiter wird in der Geburt ersticken. – Gewünscht hätte ich, dass den Junker Peter ein Maler gesehen hätte, wie seine Herzhaftigkeit in der Geburt erstickte, da der Commandeur an ihn kam, um ihm die Hand zu reichen, die er uns allen beim Abschiede reichte. Jupiter liess es dabei nicht, sondern drohte ihm mit den Vorderfingern der rechten Hand. Im Spass, versteht sich. Wie fuhr aber Junker Peter im Ernst zusammen!

Meine Leser werden ohne meinen Fingerzeig bemerken, dass ich dem Herrn v. W. bei der Tafel das Heft in Händen liess. Sein Refrain war, dass Festlichkeit die Freude leite und führe auf ebner Bahn, so wie sie auch die Betrübniss in Schranken setze! Wahrlich, ein teures wertes Wort!

Ich hatte mit Tinen Herzensangelegenheiten, die über alles gingen. Wir sprachen von unserer Trauung, von der wir alle beide nicht sonderlich erbaut waren. Ich freue mich, sagte ich, liebe Tine, dass sie pompreicher und weniger herzlich ablief, als GretchensSchwerlich würde ich sie sonst ausgehalten haben.

Tine hatte, wie sie sagte, eine Bitte über alle Bitten an michund diese war, dass ich sie nicht mehr A l b e r t i n e , sondern Mine nennen sollte! – O T i n e ! das ist mehr als die ganze Trauung. Es war mit mir geschehen! – Diese Firmelung brachte mein ganzes Herz aus seiner Fassung. Mine! sagte ich, und drückte sie an öffentlicher Tafel so fest an mein Herz, dass Herr v. W. aufschrie, und mitten in der Höflichkeit sich hart verging. Er fasste sich, und hätte eben so laut um Vergebung gebeten, als er aufgeschrieen, wenn ich die Sache weiter treiben wollen. – Sie selbst, als ob sie nun nichts weiter nach der priesterlichen Einsegnung zu fürchten hätte, sprach ohne Ende von Minen. Nun war die Zunge völlig gelöst. Einmal hatte Tine sie gesehen. – Ich habe sie gemalt, setzte sie hinzu. Auswendig weiss ich sie. Du sollst ihr Bild sehen! – über der Rüstkammer von ihren Sachen, die du ihr zum Andenken aufbewahrest, soll es hängen!

Heiss ich Mine?

Du heissest Mine!

Junker Gottard, dem die geschichte von meiner seligen Mine nicht verborgen geblieben, und der diesen mir ewig süssen Namen jetzt nennen hörte, warf sich, so wie er da ein Hochzeitgast war, zur Rache wider v. E. auf, die er aber wohlbedächtig durch seinen Jupiter üben lassen wollte.

Friede! sagte ich ihm, Bruder! Ich höre, fuhr er leise fort, und hielt die Serviette vor, als ob er die Frage mit der Serviette verhängen wollte; ihr duzet euch?

Mine lächelte und Junker Gottard konnte nicht umhin, ihr überm Tisch