der uns ansah, er hätte nichts von der Rede verloren. Da Herr v. W. selbst nicht aus und ein gewusst und darüber, wie mir vorkam, verlegen schien, so liess er's geschehen, dass alles über und über ging, und eben diess über und über, wie schön war es! – Wie der Lenz ist die Verlobung! Das Beilager ist ein schöner Sommertag dieses die Sonne im Glanz, jene Aurora!
T i n e warf sich ihrer Mutter in die arme und bat um ihren Segen. Herr v. W. lenkte diesen zu natürlichen Armwurf so künstlich ein, dass die Frisur dabei nicht litte. – Bei solchen Vorfällen, bemerkte er, muss man schon zuweilen fünfe gerade gehen lassen!
Bei Tafel bemerkte Herr v. W., dass man durchaus etwas auf dem Teller liegen lassen müsse. Bin ich beim Vornehmern, wie ich, sagt er, lasse ich das beste zurück, um zu zeigen, dass auch das schlechteste für mich das beste ist! – Selbst in meinem haus mache ich meiner Frau diess Compliment, welches auch diessmal beobachtet ward!
Mein lieber Gottard blieb noch acht Tage bei uns und reiste mit der Versicherung ab, so lange er lebe unser Freund zu sein! – Herr v. W., der ihn bis dahin als einen Commandanten angesehen, nahm ihn beim Abschiede allein. Unfehlbar gaben sie sich die Parole; wenigstens konnte man diess aus den Worten schliessen, womit Junker Gottard aufbrach: Es ist besser, sein Ross an des Feindes Zaun binden, als dass der Feind es an unsern Baum anstrickt! Gute Nachbarschaft, erwiderte Herr v. W., ist die beste Mauer; und ich: Mut der leichteste Harnisch! Peter und Gottard sprachen wieder geheim. Bald hätte ich vergessen zu bemerken, dass sich Peter bei dem ü b e r u n d ü b e r an meinem Verlobungstage artig genug benahm!
Ich blieb noch drei Tage in –. Tine und ich waren
so seelenfroh, dass alles, was uns sah, teil dran nahm! – Die Liebe ist wahrlich die Sonne des Lebens. Durch sie leben und sind wir! Du bist nicht wert, dass dich die Sonne der Liebe bescheint, ist eine Injurie, welche die grösste ist, die je ausgesprochen worden! – Sinai's Fluch ist dagegen Segen!
Meine Uebernahme in – ward von einem Tage zum
andern ausgesetzt. Herr v. W. bat aus Höflichkeit, meine Tine und ihre Mutter h e r z l i c h ! – h e r z l i c h ! meiner Tine Leibwort!
Es war die höchste Zeit, dass ich nach – ging. Man
che kleine Einrichtung wartete auf mein Auge. T i n e sah selbst die notwendigkeit meines Hingangs, und doch liess sie mich ungern hingehen. Ich hatte die geringste Kleinigkeit mit ihr überlegt. Die Liebe macht alles wichtig, was die Liebenden betrifft – ausserhalb ihrer Grenze ist eine Krone des Aufhebens nicht wert! – Da sollte ein Sopha, dort ein Nähtischchen, hier ein Schränkchen sein – da eine blaue und wieder da eine rote Tapete zu stehen kommen!
Nur an die Schlafkammer ward nicht gedacht. Die bleibt immer dem Geschmack des Bräutigams und der Schwiegermutter anheimgestellt. Nachdem nun alles und jedes bis auf die letzten vier blinkenden Nägel, die meine Mutter, da sie am Kupferstich eines Eierreformators angebracht wurden, für Sterne hielt, verabredet war, kam die Frage zur Erörterung: ob ich M o r g e n s oder N a c h m i t t a g s reisen sollte? – Was darüber für und wider verhandelt ward, ist unaussprechlich. Wahrlich, die Andacht und die Liebe sieht alles für Sterne an, wenn gleich sechs für einen Vierding zu haben sind. Ich liess nur fallen, dass, wenn ich früh in mein Land zöge, ich schwerlich mehr als zwei ganzer Tage zur Reise nötig haben würde. Herr v. W. glaubte, so frühe nicht mit allem fertig werden zu können, was doch der Wohlstand bei dieser gelegenheit mit sich brächte. Der Fall war eigen. – Endlich kamen die Präliminarien in Richtigkeit, früh des Morgens. So sehr ich darauf drang, dass niemand sich sehen lassen möchte, so war doch Herr v. W. der Meinung, dass dieses auf keine Weise Styli werden könnte. Um indessen eine Finte anzubringen, liess er mich halb und halb in Ungewissheit. Er wollte dadurch der Sache einen Anstrich von Unerwartung und einen desto grösseren Wert beilegen. – Ich war um vier Uhr Morgens in Reisekleidern, und eben, da ich mich durch den Saal schleichen wollte, kam mir Herr v. W. entgegen, der, wie ein wachsamer Chef, eine Viertelstunde vor der bestimmten Zeit auf dem platz witterte. – Meine Schuld ist es nicht, fing er an. – Und was konnte ich wohl bei diesen Umständen anders, als Compliment über Compliment machen? – Tinchen kam am letzten, nicht weil sie am spätsten aufgestanden war, sondern weil ihr Vater es ihr vorgezeichnet. Auch bei der zärtlichsten, herzlichsten Liebe muss der Wohlstand nicht aus den Augen gesetzt werden, sagte Herr v. W., da er ihr ihre Rolle übergab. O dieser Morgen! – Was ist alles im menschlichen Leben, wenn man es nur zu nehmen versteht! Niemand, selbst Herr v. W. nicht, war