Degen. Freilich hätte er hier sind sie sagen sollen, da zwei Schlüssel gefordert worden, einer zum Stall und einer zum Gastzimmer, und alsdann hätte er auf die Pistolen weisen können, die verheiratet sind und die man nicht anders als paarweise hat – Mag! – Sein Haus ist von dieser Zeit an von der ägyptischen Plage der curischen Heuschrecken verschont blieben. Das nenn' ich aber tolldreist. Zwar hab' ich es, beschloss Herr v. W., mit meiner Höflichkeit so weit nicht gebracht, indessen kann ich auch nicht bittre Klagen führen!
Ich versicherte ihn, dass dieses mein geringster Kummer wäre und er schien wirklich die Meinung von mir zu fassen, dass mir nicht leicht das Haar zu Berge stünde!
Sie versprechen, sagte er, mein Herr Major! bei allem, was Gott geben, die Seele denken, das Herz wollen, der Mund sprechen, die Hand greifen kann, meine Tochter zu lieben, bis der Tod sie scheidet? Ich verspreche! – Wohlan! so will ich den Verlobungstag festsetzen, an dem ich mich mit meiner Frau verlobte!
Nach dieser Feierlichkeit fiel ihm, das sah ich, mein Vater ein; allein konnte' er nach diesem festlichen Auftritt von diesem Einfall Gebrauch machen?
Wenn ich nicht durchaus mir vorgesetzt, nicht in den alten Geschmack von Gefechten zu fallen, sondern der reinen klaren Liebe getreu zu bleiben, so könnte ich wirklich mit einigen Vorfällen aufwarten, die niemanden als dem Herrn v. W. schwer fielen! – Gottard! wer sollte das denken, legte alle diese Nekkereien bei und alles war wie abgeschnitten oder abgehauen! – Gottard? er ganz allein! Ein Tauber hält sich Vögel und freut sich, dass sie springen, wenn gleich er sie nicht singen hört, und Gottard war im stand, in Curland solche Strahlen zu sprühen, dass alles wie vom Blitze gerührt stand.
Gottard, den mein Brief nicht getroffen, hatte durch viel Mühe erfahren, dass ich in – wäre und flog in meine arme. Entzückt über alles, was vorging, versicherte er mich auf Ehre, dass er Tinen mir aufrichtig gönne! und nur dann, fügte er hinzu, wäre keine Schlacke unterm Golde, wenn ich mit meiner Frau in Curland bliebe! – Was sich Gottard freute! – Aus lichterloher Freude war er gegen den Herrn v. W. höflich, der ihm wegen der Befehdungen seine Not klagte, worauf er ihm seinen kräftigsten Beistand versprach. "Bruder?" Ich! erwiderte er, da gehen viele auf der Heerstrasse, andere über Stock und Stiel, viele durch Blumenbeete, andere über Felsen, durch Dornen und Disteln. – Nicht auf den Weg, Bruder, sondern aufs Ziel kommt's an.
Bruder!
Was ich dir sage!
Junker Gottard löste diese Rätsel und es ergab sich, dass er seine Helfershelfer hatte, die er besoldete, um andere Helfershelfer abzuhalten. Wer hier Geld hat, Bruder! fügte er hinzu, ist schusssicher! Er hält sich seine Leibwache, und Trotz dem geboten, der sich erfrecht, ihm zu nahe zu kommen und nicht drei Schritte vom leib zu bleiben. Jetzt macht mich nichts wild! – Herr v. W., der zum teil von diesen Haustruppen unterrichtet war, nahm dieses Anerbieten mit vielen Complimenten an, das ich aber kurz und gut abschlug.
Bruder! fuhr Gottard fort, die Kerls, so dich anfallen wollen, sind keine Türken, sind keines Tropfens Christenblut wert. Solchen Lumps auszuweichen ist Ehre.
Herr v. W. trat dieser Behauptung bei, ich nicht völlig. Es sei indessen, dass Herr v. W. mit Junker Gottard eine geheime Allianz geschlossen, oder dass seine Anwesenheit im haus schon die gegenseitige streitführende Macht durch Furcht in die Flucht geschlagen, genug, wir waren so ruhig wie möglich.
Der Mückenheld selbst, da Junker Gottard mit ihm allein gesprochen und ihm vielleicht eine Bürgschaft wegen der nächst zu bezahlenden Schuld und etwa eine schmucke Trine zugesagt, hatte andere saiten aufgezogen, und so waren wir dahin gediehen, dass wirklich in der folgenden Woche das Verlobungsfest ohne zu fürchtende Belagerung gefeiert werden konnte!
Junker Gottard wich nicht von dannen und war mir ein so angenehmer, lieber Gast, dass T i n e selbst so viel Vergnügen in seinem Umgange fand, als sie zuvor Misswillen geäussert hatte.
Ich weiss nicht, wie mir der einige Ausdruck B u s e n f r e u n d entfuhr, den mir Herr v. W. entsetzlich übel nahm.
Das Wort Busenfreund, fing Herr v. W. an, ist das zweideutigste, was man brauchen kann, so bald man zur heiligen Ehe schreitet. Ist man Junggesell, wo ist ein besseres zu Freund, als Busen!
Junker Gottard umarmte mich brennend und zeigte mir, wie man auch bei der grössten Rauhigkeit bieder und gut sein könne. – Kein grosser Mann, sagte er zum Herrn v. W., hat sich in sein Hauptwerk allein verliebt. (Es war eine Anmerkung seines lieben seligen Vaters, die er aber besonders lenkte; unfehlbar dachte er an seine schmucke Trine.) Er sucht ein Nebenwerk und findet es. Er sieht die Beklommenheit, die Eingeschränkteit seines Hauptwerks ein und will der schwachen Menschheit durch Abänderung aushelfen! Kein Mann, der sich von andern unterscheidet, ist daher gross in seiner Hauptkunst. Im Nebenwerk bringt er's oft weiter – welches auf die