auch reisefertig und universitätsreif ist, diese Reise unternehmen sollst. Der a l t e H e r r ist der Mäkler in dieser Sache gewesen.
In acht Tagen bist du vielleicht nicht mehr in dieser Hütte –
Pastorat, sagte meine Mutter. Deine Wäsche ist bereitet, setzte sie hinzu. sechs Dutzend Oberhemden, sechs Dutzend Unterhemden, zwei Dutzend für den Sonntag, ein halbes Dutzend für hohe Feste. Meine Mutter registrirte noch mancherlei, was für mich bereitet wäre, allein mein Vater blieb bei den Hemden stehen, auf die meine Mutter gleichfalls einen besonderen Accent legte. Sie dachte sich die weissen Kleider unter dieser Hieroglyphe, womit wir im Himmel angetan sein würden. Was meinen Vater zum Stillstand vermochte, war etwas Irdisches. So viel Hemden, sagte er, haben zwölf Prinzen vom haus nicht. Je vornehmer der Mann, je schlechter die Hemden, fuhr er fort, im monarchischen staat, wo man nur auf das, was vor Augen ist, siehet. In der Schweiz, in Holland, in England feine Wäsche, und je vornehmer der Mann, je feiner. Wo ein Tyrann, ein Despot herrscht, will ich das Hemde nicht sehen. Die Menschen achten ihren Leib nicht, der ihnen nicht zugehört. Je näher auf den Leib in monarchischen Staaten, je schlechter der Anzug. Für einen Despoten ist ein grobes Isabellenhemde gut genug.
Also Sonntags- und Montagshemden, liebe Mutter, und wie Gott will! Sterbehemden und Prophetenkinderhemden; nur eins (das wett' ich) nicht – ein Brautemde.
Da bin ich eben, wo ich sein muss, um meinen Lesern den Schlüssel zur akademischen Ehrenpforte und zum Stall des Braunen getreulich einzuhändigen. Ein Schlüssel öffnet alles – die Eltern eilen gemeinhin mit ihren Söhnen aus dem haus, sobald die natur die Fabel vom Storch widerlegt. Ich will es nicht ausmitteln, in wie weit es gut sei, Kinder der natur in diesem Stücke an Heim zu geben, um die Frage unbeantwortet zur rechten Hand liegen zu lassen, ob es Kinder ins Treibeis bringen hiesse, wenn man ihnen im zartesten Alter diess Storchgeheimniss erklärt, und sie so altklug macht, dass sie selbst die natur, wenn sie sich zum Belehren meldet, belehren und mit ihr disputiren können? Vom Blatterninoculiren haben wir guten Erfolg. Hier müsste auch Erfahrung entscheiden.
So viel dient nur hier zur Sache, dass Eltern, sobald sie den Sohn vaterfähig halten, ihm eine glückliche Reise anwünschen, recht als ob sie eine Befugniss zur besonderen Oekonomie in optima juris forma bewilligten. Sie besorgen, die Söhne wollen sich an ihrem haus einen Flügel anbauen lassen, und sehen es gern, wenn der Sohn reich heiratet, dieses letzte eben darum, warum viele Leute kein Testament machen. Hier ist der Beleg zu diesem Eingange.
Meine Mutter war nach meiner Krankheit zuweilen die dritte person, wenn ich mit Minchen allein zu sein Lust hatte. Die Liebenden, wenn sie lieben, glauben insgemein, es wüsste niemand, dass geliebt würde, und oft sieht's alle Welt. Sie bilden sich ein, ihre Liebe sei die einzige in ihrer Art, da aber jeder die nämliche Metode hat, und Adam selbst mit den Augen die erste Anwerbung getan hat, so schläft der Verräter nicht. – Meine Mutter merkte, mein Vater merkte. – Beide sagten mir aber kein Wort. Meine Mutter, weil sie es für unmöglich hielt, dass die Liebe des Sohnes eines Literatus, des Anverwandten Paul Einhorns und Alexander Einhorns, des zweiten curischen Superintendenten, Wurzel fassen könne, wenn er die Tochter eines Töpfers, der zugleich Schuster und Schneider ist, liebt. Mein Vater, weil er wegzusehen sich verpflichtet hielt. Er verlangte von mir ein gänzliches kindliches Vertrauen; Minchen nahm er aus. Wie richtig ist Regel und Ausnahme? Kann man nicht das Recht lernen, ehe man Recht spricht? Lehrt, Eltern, eure Kinder wählen, ehe die natur sie lieben lehrt. Es ist eine unüberdachte Behauptung, dass Söhne kein geheimnis (die Liebe nicht ausgenommen) vor ihren Eltern haben sollten; Irrtum – wer Liebe nicht ausnimmt, gibt seinen Söhnen im Lügen Unterricht. Der Sohn, der fühlt er könne Vater werden, ist von der natur emancipirt, er hat in diesem Stücke keinen Vater mehr. Töchter behalten Vater und Mutter, bis sie einem zu teil werden, dem sie als ein heiliges Depot überliefert werden müssen.
Ich hatte die Gewohnheit, zuweilen mit Minchen in ein benachbartes Wäldchen spazieren zu gehen, und nichts war mir angenehmer, als wenn ihre natürlich schöne stimme die Nachtigallen zum Concert aufforderte und wenn sie von den Vögeln des himmels accompagnirt wurde. Hätte sie bei einem Italiener Stunden genommen, keine Nachtigall hätte sich mit ihr eingelassen. Jetzt sang die ganze natur mit, weil sich gleich und gleich gesellte, und ihr Gesang natur war. Ich hatte Minchen umgefasst, sie war mein. Mein Auge sagte laut: Ewig mein! und das ihrige antwortete: Ewig dein! – In dieser Stellung und während diesem Augengespräch und dem Concert, das die natur dirigirte, traf uns mein Vater wie ein Blitz. Ich hatte' ihm sonst nie in diesem Wäldchen begegnet. Mich zu belauschen hatte' er es nicht angelegt, dass weiss ich. Da standen wir und sahen uns an. Lange hielt ich meinen Arm wie um ihren Hals geschlungen. Sie zog sich aus der Schlinge; allein ich hielt meinen Arm noch immer in der Höhe