und so weiter in mir vereinigt heiraten würde. Warum, fuhr sie fort, ihm Luft und Atem abschneiden, ehe man noch die grenzen seines Seins kennt? Der Schein betrügt –
Er stammt von Melchisedech.
Der war ein König und Priester!
Warum diese Ahnentafelunterredung, die das Alltägliche entält? Sie hatte indessen die Folge, die ich meinen Lesern schuldig bin.
Frau v. W. nahm mich bei der Hand und zwar so, dass diese Art mir Bürge wurde: es sei wie es sei; Sie sind Tinens und Tine ist die Ihre! – Sie wusste nicht, wie sie es recht anfangen sollte und fing endlich, nachdem sie mich lange bei der Hand gehalten., allein, w i e m i c h d ü n k t , viel zu entfernt an: der Schleier der Bescheidenheit gibt jedem gesicht, jeder Tugend einen grösseren Wert!
Ja, Gnädige! der Beleg ist T i n e !
Da war sie wieder weiter zurück wie zuvor. Sie nahm mich aufs neue bei der Hand, und ohne dass sie blitzte, mein Schlag!
Gnädige! Sie wollen was sagen – fragen! erwiderte sie.
Die Liebe, das einzige, was die natur uns noch zurückgelassen, sollte freilich über alle Kunst hinaus sein – bei einem Haar wäre sie wieder vom Wege gekommen. – Wer ist aber heute zu Tage natürlich? Mein Mann? Sie kennen ihn! – Können Sie sich so viel von Ihrer Denkart auf einen Augenblick abmüssigen und ihm in der Nähe zeigen, was so viele von weitem gesehen? Jedes Auge trägt nicht gleich weit. Sind Sie ein Edelmann?
Eine Ehre ist der andern wert. Um wie vieles hätt' ich das Vergnügen nicht gegeben, erst Tinen zu heiraten und ihr sodann zu beweisen, dass sie von dieser Seite keine Ungezogenheit vom adlichen Pöbel zu fürchten hätte.
Das Wort: e i n G e w i s s e r könnt' ich selbst von meinem Eidam nicht leiden, um wie vieles! fuhr Frau v. W. fort.
Das traf! Frau v. W. hatte Recht. Ein Gewisser, so vortrefflich das Wort gewiss sonst ist, welch ein erniedrigendes Wort! Ein Gewisser heisst Einer, der wegen seiner Existenz besorgt zu sein Ursache hat und eine Tafel aushängen muss: h i e r w i r d S e i f e g e s o t t e n ! Es ist ein in einem kleinen Enkel bloss Bekannter, ein Kleinstädter, der will und nicht kann! Fast scheint es, dass es mit dem Menschen nicht aufs Gewisse angelegt ist – Liebe gnädige Frau! Ich will alles tun, um mich aus dem Gewissen ins Ungewisse zu setzen! Der vorliegende Fall ist von der Art, dass ich's kann. Ich wollte der Frau v. W. zeigen; allein wie doch die Weiber sind, das Siegel war ihr genug! – Sie ging zu ihrem Mann, der aber bei der ganzen Erzählung, das Siegel mit eingerechnet, so ungewiss als möglich blieb. Tine war mir so wert, dass ich selbst gelegenheit nahm, dem Herrn v. W. zu zeigen, wovon seine Gemahlin nur das Siegel gesehen, und da er weniger erfahren in Familienregistern als der hochgeborne Todtengräber war, so konnte' ich ihm zwar von meinem uralten Adel nicht so überzeugende Beweise geben, indessen sah er eben darum die Sache grösser als sie war! – Er fand in der Dunkelheit so etwas Festliches; dass er den Pastor drüber vergass. Er sah über die Hütte hinweg und heftete sein Auge an die Kirchenmauern. Die rechte Saite in seiner Seele war getroffen. Die Glücksumstände des Herrn v. K. konnten mir nicht den Weg vertreten, da ich ihn vom Geschenk der Kaiserin und dem dazu gekommenen glücklichen Kauf unterrichtete!
Alle Geschenke erniedrigen, nur Geschenke der Grossen nicht, da gilt ein Band mehr als man glauben sollte. Wie doch alle Leidenschaften Nachbarskinder sind! – Stolz und Furcht sind ausser der Nachbarschaft verwandt. Herr v. W. fürchtete den Junker v. K. und seinen leibeigenen Sohn, der es mit Junker v. K. hielt. Sie wissen, fing er an, und suchte Kraft zum Atemholen! – wie es in Curland geht! Die Wahrheit zu sagen, ich bin froh, dass eins von meinen Kindern aus diesem Waldhornstaat, aus diesem Du-land erlöst wird! – Wer ist hier vor ein paar Pistolen sicher? Jeder, der Herz hat, erwiderte ich. Nicht immer! Herr Major! Es gibt unter den Krippenrittern Leute, die ihr Leben keinen Pfeifenkopf wert halten. Was haben sie denn in dieser Welt zu gewinnen und zu verlieren? und wenn Herr v. K. es dazu anlegt, so ist mein Haus belagert und ich mit Mann und Maus verloren. Junker v. K. hat Geld, das will in Curland viel sagen. Freilich, wer's Glück hat, führt die Braut heim. Der verstorbene Herr v. G. hatte sie weit von sich entfernt. Sie kamen! Er begegnete ihnen nicht wie hochwohlgebornen Brüdern, sondern wie bettelnden Schneidergesellen! – Den Pferden und Waffenträgern dieser DonQuischoten noch übler. Einer unter diesen Krippenrittern nahm das Ding unrecht und forderte den Schlüssel zum Gastzimmer, und weil sich der Gerechte auch seines Viehes erbarmt, zum Stall. Hier ist der Schlüssel, sagte Herr v. G. und zeigte auf den