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. W. fest entschlossen war, wenn Herr v. K. nur irgend ernstlich wollte, auch zu wollen. Seine Meinung war, es zu machen wie meine Grossmutter, da mein Vater nach meiner Mutter ging. Herr v. W. wollte seine Tochter auf keine Weise einem Major geben, dessen Vater Pastor in Curland gewesen; er mochte nun in seiner Jugend Alexander gespielt haben, oder nicht! – Man muss, sagte Herr v. W., freilich nicht Fleisch und Blut Männern von Verdienst vorziehen; allein Ehre und Geburt sind die Wurzel alles Guten! O des verfehlten Wurzelmannes! Wie kam dieser Blätterliebhaber selbst aufs Wort Wurzel, das nur dem Herrn v. G. zustand, den ich bei dieser gelegenheit vermisste? Ich hatte freilich mein Auskommen; allein Junker v. K. war reich.

Das korintische Mädchen, Tine, wäre nun wohl bereit gewesen mit ihrem Liebling zu ziehen, wie und wo er's verlangt; allein wer wollte das Licht mit dem Finger auslöschen, wenn Putzscheeren vorhanden? Wer wollt' es ausblasen und Gestank zurücklassen? sagte Herr v. W. bei einer andern gelegenheit, und hatte nicht Unrecht, obgleich, wenn es eine reine schöne Wachskerze ist, der angebliche Gestank Geruch heissen könnte. Wer weiss überhaupt, wie diess zum Geruch und jenes zum Gestank gekommen? Zwar musste Petrus sein Schwert einstecken, fuhr Herr v. W. bei dieser andern gelegenheit fort, allein dem Adel gebührt es, sich zu gürten, wenn sich der Unadel etwas herausnehmen will. Ein Edelmann ist ein verstärkter Mann, er präsentirt sich und seine Vorfahren. Wer hätte wohl solchen Till und Kümmel vom festlich höflichen Herrn v. W. erwartet?

Da kam Junker Peter im Harnisch gejagt! Ja wohl gejagt, mit Entschlüssen, die nicht Fleisch, nicht fisch waren. Er schnitzelte am Rahmen, noch eh' das Bild angefangen war. Stolz, dass er seinen Vater Hochwohlgeboren gesattelt fand, verzog er seinen Mund, als wollt' er Hohn sprechen, und empfing mich so unartig, dass ich, weil er Tinens Bruder war, nichts anders tun konnte, als ihn grossmütig übersehen! – Zum Mückenfänger war ich nie aufgelegt. War ich dazu zu kräftig, oder zu gut, das weiss ich nicht. Ich gab auf alle seine Reden, die er entweder vor sich, oder gegen andere richtete, kein Wort. Da aber diess Wüschen eben hiedurch dreister ward, und sich gerad' an meine Stirn klebte, sah ich mich gedrungen, es wegzuscheuchen. Unfehlbar hatte unser Held einige Romane gelesen, wo der Zweikampf in einer Kinderlehre abgehandelt wird! – Ihr lieben Herren! Wenn ihr den Menschen da bessern wollt, so habt ihr eben nicht das rechte ende' ergriffen. Vorwärts, ihr Herren! zu allen zeiten stehe oder falle, was da will! Unser Mükkenheld erwartete eine Katechismusantwort, und sah mich über Hals und Kopf blank. Was wollen Sie, junger Mensch? Ihre Schwester? Die werde' ich nicht nehmen, wenn Tine nicht selbst will, und wenn Tinens Eltern nicht wollen, Vater und Mutter. Was haben Sie für Rechte auf Ihre Schwester, so lange Ihre Eltern leben, und so lange Tine selbst denken und handeln kann? Unser Held steckte sein Schwert so notdürftig in die Scheide, dass er den Namen v. K. stammelte und sich eben nicht in der besten Ordnung zurückzog. – Wie er sah, dass auch ich nachliess, fing er seine Vorbehalte an. – Wollen Sie mehr, als ich versprochen? erwiderte ich. Haben Sie denn versprochen, meine Schwester dem Herrn v. K., dem sie eigenet, ungestört zu lassen?

Nein.

Aber sie gehörte ihm.

Hat er sie nicht aufgegeben?

Hat er sie nicht wiedergenommen?

Da sie nicht mehr frei war.

Hur v. K. tat, oder war wirklich unerträglich verliebt. Er bereute seine Uebereilungen, wie es hiess, und schrieb und sandte Boten ohne Ende. Herr v. W., der schon an sich entschlossen war, dem Herrn v. K. zu verzeihen und, ausser dem Versöhnungsfest, noch auf so mancherlei rechnete, was diese Anwerbung begünstigte ging ihm mit zuvorkommender Huld entgegen. Zu allem diesem wissen wir die Beweggründe.

Der Vater Pastor!

Lieber Mann, der Sohn Major!

Aber, liebe Frau, beim Adel gilt der Vater immer mehr als der Sohn.

Will denn Tine den Vater?

Wenn sie aber auch Sohn, Vater, Grossvater und so weiter in der person des Sohnes heiraten kann?

Dann ist's Blutschande!

Herr v. W. ward über die Blutschande böse und fing patetisch an: ein anderes ist ein Siegel mit dem Lindwurm am Taschenmesser, ein anderes ein wohlhergebrachtes Wappen, ein anderes die feinsten Spitzen, ein anderes Judenkanten, ein anderes Prinzmetall, ein anderes ächtes gediegenes Gold; ein anderes ein Kratzfuss, ein anderes eine Verbeugung. Wer wird sich denn die Finger verbrennen, wenn man sein Kind mehr ist?

Allgemach legte sich dieser Ahneneifer, an welchen? Junker Peter vielen Anteil hatte! – Der Mükkenheld hatte mich blank gesehen und so mochte er seinen Schwager, wohl aus mehr als einer Ursache, nicht sehen!

Die Frau v. W. nahm gelegenheit, ihrem Gemahl ans Herz zu legen, was sie gehört, dass ich nämlich von gutem alten Adel wäre und Tinchen also auch Vater, Grossvater, Aeltervater