ein liebes, gutes Mädchen gedacht. Den Abend, als ich zurück kam, ging ich weiter. Was war es, was mich weiter brachte? Ein Ungefähr? O ihr Kleingläubigen! Ich ehre jedes Ungefähr als göttlichen Fingerzeig. Es ist etwas, das eine unsichtbare, im Stillen wirkende Hand tut, und was sie tut, ist wohlgetan! Was ist's denn hier? Ich kam in mein Zimmer, und da war's wie eine stimme, die zu mir sprach: M i n e ! Schnell lief ich zu ihren Papieren und fand die Stelle! – Gross geschrieben:
"Nun meine feierlichste Bitte, mein Beschwur! Ich bitte dich vor Gott und nach Gott! Ich beschwöre dich bei allem, was heilig ist, im Himmel und auf Erden, und nach diesem hohen Schwur bei meinem letzten, letzten Seufzer, bei meinem letzten Todesstoss, bei meinem letzten warmen Hauch – dich zu seiner Zeit ehelich zu verbinden. Gott segne dein Weib und die Kinder, die er dir schenken wird!"
Wie mir dabei war, weiss Gott! Ich konnte kein Wort mehr lesen. Schnell legte ich mich nieder, um keine Zeit zu versäumen. Als ob ich nicht schon zum voraus wusste, ich würde nach dieser Stelle keine Stunde schlafen. Ich schlief wirklich keine Stunde, und doch hatte ich ausgeschlafen! Mein Entschluss war, alles dem Ungefähr zu überlassen, mich nicht um Tinen zu bewerben, allein ihrer Hand auch nicht auszuweichen. Dass mir Tine schon zuvor nicht gleichgültig gewesen, läugne ich nicht; mich aber so gegen sie zu benehmen, war das Werk dieses Abends, welches der in mir wirkte, der Wollen und Vollbringen gibt nach seinem Wohlgefallen.
Ein Traum? wird der gelehrte Kunstrichter fragen, und wenn er bitter ist, bemerken, dass diess ein Hauptstück eines regelmässigen Trauerspiels sei! Mein Vater sagte an einem dunkeln Tage: Wenn ja Arzneien genommen werden sollen, ist's gleichviel, was für welche. Auf die Art, wie? auf den Glauben kommt's an. "Solch einen Glauben," konnte man wohl hinzufügen, "habe ich in Israel nicht gefunden."
Mehr als einmal hat mich eine dergleichen stimme eines Unsichtbaren aufgefordert. Noch nie hat es mich gereut, diesen Seelenappetit befriedigt zu haben.
Wie ich Tinen und das Haus ihrer Eltern gefunden, wissen meine Leser schon, und eben diese Aufnahme machte mich empfänglich, das Wort M i n e zu fassen! – Ich ging mit Tine in den Garten, und eben an der Stelle, wo sie am wasser herumirrte, fragte ich sie, was sie zum Wechsel zwischen dem Herrn v. K. und mir sagen würde? D a ss e s k e i n W e c h s e l i s t . W i e s o ? F r a g e n S i e d a s ? Mit einer Art, dass ich alles wusste. Ich nahm ihre Hand und sie legte ihr Gesicht auf meine Schulter. Wir weinten beide.
Gott ist die Liebe! Ist es denn Schande, zu lieben?
Alles, was nur diesen süssen Namen führt und mit ihm in Verbindung ist, stammt von ihm, ist seines Geschlechts! Gott ist die Liebe!
"Jenes korintische Mädchen zog Striche um den
Schatten ihres schlafenden Liebhabers, in denen sie sein Bild sah! Ihre Einbildung füllte mit einem wohlgerüttelten und überfliessenden Mass diesen Schattenumriss aus." – So ging es mir mit Ihnen, nur dass meine Einbildungskraft auch alle die Striche zog. – Liebe Tine!
Was man auch immer von Silhouetten sagen mag,
Personen, die man kennt und liebt, sollte man nicht malen! Da hat die Einbildung zu viel Musse! Bei einer Silhouette arbeitet sie mit, sie füllt die Striche aus, bringt Colorit an. – Um unsere Lieben der geehrten Nachwelt zurückzulassen? ist ein Gemälde nötig!
Wir waren so eins am wasser, dass alles Er und
Sie, Sie und Er war. Warum wir uns nicht duzten, weiss ich bis diesen Augenblick nicht.
Ihre Mutter?
Weiss alles.
Gott Lob!
An Herrn v. W. dachte' ich nicht.
Ich sprach die gute Mutter, die keinen Schatten von Bedenklichkeit fand; allein sie wünschte, dass ich mich an ihren Mann oder wie sie sagte, an Herrn v. W. wenden möchte.
Ich tat's, und merkte, dass er sich herzlich freute, eine gelegenheit zu haben, von seiner Complimentensammlung Gebrauch zu machen. Nachdem ich aber alles sichtete, fand ich unendlich mehr Spreu als Körner, und was noch Korn war, lief auf die wohlhergebrachte Landesmanier heraus, dass man ein Vierteljahr seiner Geliebten die Aufwartung machen, und nach so mancherlei Beiurteln endlich die Definitivsentenz abwarten müsse. Hiezu kam, dass Herr v. K.; doch, warum soll ich all die Umwege bemerken? In diesem Schattenriss kann jeder die Striche machen, ohne den Herrn v. K. gekannt zu haben. Da darf man nur den Menschen kennen, und diess Zutrauen hab' ich zur Zeitwelt, und weit, weit zuversichtlicher zur Nachwelt.
Wer will nicht das haben, wornach er einen andern ringen sieht? Wer hätte nicht ein Landgut, ein Haus gern, wenn es eben verkauft ist? Geht auf die erste beste Auction, um euch hievon zu überzeugen!
Das schlimmste bei dem gegenwärtigen Falle war, dass Herr v