, die freilich, wenn gleich sie noch so schwer gewesen, an einem solchen Tage unbefriedigend geblieben wären. War es denn nicht der Verlobungstag des Herrn Grossvaters Hochwohlgeboren? Konnte denn aber Peter nicht wenigstens vorgeben, Herr v. K. wäre sterbenskrank geworden, und dem Dr. Saft einen Brief an die Braut übertragen? Junker Peter schien nicht undeutlich zu verstehen zu geben, dass der Ton beim Präsent in originali viel zu dieser Führung beigetragen. Den folgenden Morgen kam ein Brief vom Herrn v. K., worin er alle Unterhandlungen unterbrach, Herr v. W. gab mir in der ersten Hitze diesen Brief zu lesen. Gewiss würde er's nicht getan haben, war' es nicht in der ersten Hitze gewesen. Herr v. K. hatte seinem Freunde keinen unhöflichen blick von seinem Vater zuziehen wollen, der aber mit 300 Tlr. Alb. herausrücken sollte!
Man bat mich, zu bleiben; ich blieb. Der Ton schien überhaupt in diesem haus zu haus zu gehören. Ueberhaupt gehört er zum Weiberdepartement. Fast würde ich behaupten, dass alle Declamation Weiberwerk sei.
L i e s c h e n war bis jetzt T i n c h e n s Vertraute geblieben, und da ich mich ihrer so lebhaft und oft erinnerte, ward sie herbei geholt. Sie war an einen Amtmann verheiratet. Sie hatte keine Kinder. – Frau Luischen kam und freute sich so, mich zu sehen, dass nichts drüber ging. Sie fand, dass ich alt geworden, und dass mein Arm schwerlich ein fräulein Lorchen mehr aus dem wasser holen würde. Ein fräulein Tinchen noch weniger, setzte sie hinzu. Frau v. W. und ihre Tochter fanden der keines. – Die Frau Amtmännin besuchte mich öfters auf meinem Zimmer, wenn ich allein war, und unser einziger T e x t war T i n c h e n . In der Nutzanwendung kam Herr v. K. vor, und da ward er behandelt, wie man die Sünder in der Nutzanwendung zu behandeln pflegt.
Noch vier schöne Tage lebte ich in –, und da sich meine Commission nicht länger verschieben liess, ging ich mit dem Versprechen ab, nach geendigtem Geschäfte wieder zu kommen.
Beim Abschiede wieder der Ton! Wie ich den Ton liebe und alles K o p f n i c k e n hasse, wenn der Kopf gleich nach vom fällt! – Nur beim tod nicht. Herr v. G. starb nach vorn! Nur beim Schlaf nicht; denn er ist des Todes leiblicher Bruder.
Junker Peter hatte sich gegen mich ziemlich fremd benommen, und ich bezahlte ihn mit gleicher Münze; indessen muss ihm der Abschied, den Tine und ich nahmen, aufgefallen sein, ohne dass eben der Ton, der freilich ein zu guterziges Kapitel für ihn war, dazu etwas beigetragen haben kann. Wenn? fragte Tine. O, wie anders, als Natanael, als er sein Gretchen sehen wollte! – Auch die liebe Mutter dieses edlen Geschöpfes fragte: Wenn? Herr v. W. konnte sich nicht aus dem Strudel herausarbeiten. Oft kam er in die Complimente, die er seinem Schwiegersohne zugedacht hatte und die er für nichts und wieder nichts gelernt – und nun verlernen musste! – Wie er dann abbrach, wenn er auf einmal merkte, es sei ein Wort des Schwiegervaters zum Sohne! – Wer sieht nicht gern schwimmen, wenn ein Kunstverständiger im wasser ist?
Die Frau Amtmännin konnte nicht umhin, mich weit dringender, als das ganze Haus, zu bitten, wieder zu kommen. Aber, liebe Frau Amtmännin, mein Arm ist nicht mehr in den Umständen, Lorchen aus dem wasser zu ziehen! Kommen Sie doch, Herr Major!
Ob Herr v. K. durch seine abschlägige Antwort die Absicht gehabt, Tinchen weichherziger zu machen, das Präsent in originali anzunehmen, um das Lämmchen anzugewöhnen, aus seiner Hand zu essen, oder ob er ihren Vater zu einer andern Eheverschreibung auffordern wollen, oder ob er sich, was weiss ich, in der Gegend, wo man ihn mit Tinchens Sprödigkeit aufzuziehen anfing, wieder in Credit zu bringen gedacht, oder ob er es seinem Herrn Schwager bloss zu Gunsten getan, um seinen Herrn Vater bei dieser erwünschten Angelegenheit des Hauses so geschmeidig im geben zu machen, als der Herr Sohn es im Reden war, das sind kitzliche fragen, die ich meiner Aeltermutter überlassen würde, wenn sie noch am Leben wäre.
Junker Peter, ohne einen Auftrag selbst vom Vater zu haben, reiste von selbst wieder, wo er gekommen, und erzählte dem Herrn v. K., was er gesehen und gehört und was er zu glauben Ursache hätte; erhielt auch sogleich von ihm Macht und Gewalt, sobald ich wieder einträfe, mich zur Rede zu stellen, wie ich zu der Dreistigkeit käme, in einem haus mich aufzudrängen, wo er Regent wäre?
Mein p o l i t i s c h e r A u f t r a g ging so von statten, als noch kein Geschäft mir je von statten gegangen? Den Türkenkrieg nicht ausgenommen! Ich kam? fand Tinen so, wie ich, sie gelassen; ihre Mutter dessgleichen. Ihr Vater hatte etwas Rückhaltendes angenommen, obgleich er nicht verfehlte, in Absicht der Treppe mich so zu empfangen, als zuvor!
Warum Nebenumstände, da ein einziger alles entscheidet? Bis jetzt hatte ich an Tine nicht anders als an