Verschwender, und geizig – er liebte und hasste auf eine so uncivile, ungesittete Art, dass freilich bei der Verbindung mit Tinchen keine sehr glückliche Ehe abzusehen war. – Was solche Leute ekelhaft sind! – Ich trinke darum ungern Punsch, weil er, wie Herr v. E. und Herr v. K., sich widerspricht. Indessen ward Tinchen endlich eingeschläfert, im Schlafe aufgesprengt, und da hatte sie den Kopf nach vorn genickt, wie alle gute Leute, wenn sie schlafen, nach vorn den Kopf zu neigen pflegen. Diess Nicken hiess beim Herrn v. W. um so mehr Ja, als, nach seinen Regeln der Höflichkeit, er keinem Mädchen in ein deutliches Ja! auszubrechen gestattete; höchstens konnte sie es verlieren. Eben darum hätte er das Trauungsformular, trotz dem zweigliederigen Segen, gern reformirt, wenn es in seiner Macht gewesen wäre. Die gute Mutter empfand desto mehr, dass Kopfnicken und deutlich Ja sagen verschieden wären. Sie sah ihre Tochter so oft ganz Gott ergeben vor dem Altare dienen, wo freilich nur das fest des unbekannten Liebhabers gefeiert wurde; indessen ist die Liebe der Einbildung die gefährlichste!
Kind! fing sie an, und Tinchen erwiderte: Mutter!
liebes Kind!
Liebe Mutter!
einzige Tochter!
einzige Mutter!
Das war alles, Was verhandelt ward. Du hast gewollt! Ja, liebe Mutter! Ungern? Ja, liebe Mutter! Gott wird helfen! Tinchen blickte gegen Himmel! – Ihre Mutter führte sie auf so manche Höflichkeitsscene, durch welche sie sich durchdrängen müssen, auf die Abneigung, die sie für alles, was sich biegt, gehabt und noch hätte, und dann unterbrach diese Lieben der M ü c k e n h e l d , oder sein Herr Vater, und Tine empfand die Unannehmlichkeit in ihrem ganzen Umfange, von diesem des Herrn v. K. halber geliebkost und von jenem aufgefordert zu werden! – Alle Zudringlichkeit ist, bei Gemütern, die selbst zu wissen glauben, was zu tun ist, unausstehlich, es kleide sich diese Zudringlichkeit schwarz oder weiss.
Herr v. K., der wohl wusste, dass Geld bei ihm die Losung sei, bot seiner Braut auf eine recht curische Art ein Geschenk in baarem Gelde an, um nach ihrem weltberühmten Geschmack, wie er sagte, selbst davon Gebrauch zu machen. Wer kann das so, wie Sie, setzte der galante Herr v. K. dazu! – Weltbekannt, erwiderte Tinchen, – kehrte den roten Netzbeutel zurück und fügte auf eine Art hinzu: W i r s i n d b e i d e n i c h t a u s C u r l a n d g e w e s e n ! dass Herr v. K. selbst es verstand. Das muss doch eine sehr deutliche Art gewesen sein! – Herr v. W., der höfliche Herr v. W. wusste selbst diese Geschenkmanier zu Gunsten des Herrn v. K. auszulegen, obgleich Geschenke in Geld so was Widerstehliches an sich haben, dass kein guter, edler Mensch sie mit offenen Augen nehmen kann. Geschenke machen die Weisen blind! – Herr v. W. hatte dem Junker v. K. den Hochzeitstag seines Herrn Grossvaters verziehen; wie sollte er ihm ein Geschenk in Geld übel deuten? Geld war des Junkers v. K. Losung.
Geschenke in Geld heissen Geschenke in originali, sing Herr v. W. an. Präsente, in Sachen bestehend, heissen Geschenke in autentischer Copie. Alle Originale sind hart, oft widerlich, gestrichen und mit Fähnchen versehen. Eine vidimirte Copie wird gemeinhin schön geschrieben, fällt weicher ins Auge. Original ist indessen Original und bleibt Original.
Tinchen war endlich wirklich entschlossen, Ja in den Augen von ganz Curland und Semgallen zu nikken, bis sie den Tag vor meiner Ankunft solche Beklemmungen erhielt, dass ihre Mutter ihretalben besorgt war. Ihr Vater hielt es für ein Kapitel aus der Weiberpolitik, und klatschte, dass sie ihre Rolle so schön spielte. – Auf Schauspiele hätte sich doch Herr v. W. besser verstehen sollen!
Auf diese Rechnung gehörten die herzlichen Worte: "Dein Wille geschehe!" und das Pianissimo beim Schluss:
"Dann liegen wir in unserm grab, und schlafen unbekümmert den süssen Schlaf des Todes, und ein Bote des Herrn geht mit einem: G e s e g n e t s e y s t d u d e m H e r r n , vorüber!"
Meine Ankunft war ihr so etwas Wunderbares, dass sie völlig aus dem Zusammenhang kam. Sie extemporirte. Wer denkt beim Extemporiren viel an das, was vorhergeht und was nachflogt? Wer glaubt nicht Wunder, wenn er liebt? Und bald hätte ich gefragt: Wo geschehen in diesen wundergeizigen zeiten anders Wunder, als in der Liebe? Im alten Bunde versandte Gott Engel; jetzt macht er gute Menschen zu Commissarien! Kommen Sie mir doch wie ein Engel, sagte ich zu meinem I – – s, da er mich zum letztenmal heimsuchte, und wahrlich! Du warst mir ein Engel, guter I – – s!
Da die Bräutigamspferde ansprengten, fiel Tinchen in Ohnmacht. – Warum? Als ob man bei einer Ohnmacht warum fragen könnte? Des Morgens, wie wir alle wissen, war sie gesund und heil aus wasser gegangen.
Die Bräutigamspferde brachten nur den Junker Peter, unbepackt mit Entschuldigungen