qui causa studiorum peregrinantur, scholaribus et maxime divinarum atque sacrarum legum professoribus, hoc nostrae pietatis beneficium indulgemus. W a s i s t d a s ? fragte meine Mutter auf Luters Art, und mein Vater antwortete: Diess Privilegium kommt nur gelehrten Wandersburschen zu. Gott geleite sie, sagte meine Mutter, und bringe sie gesund zu den lieben Ihrigen.
Man hat daher auch den gelehrten Zweifel aufgeworfen, fuhr mein Vater fort, ob diejenigen, welche auf einer Universität geboren werden, sich dieses Privilegiums zu erfreuen hätten? und ob auch Lehrer hierunter zu begreifen, die nicht divinarum atque sacrarum legum professores wären? Allein man ist der gelehrten Meinung ad e i n s gewesen, dass alsdann die Reise aus Mutterleibe unter den Worten: qui causa studiorum peregrinantur, zu verstehen sei, wenn man auf einer hohen Schule geboren würde, wie denn ein Professor aller Fakultäten, wenn gleich er haussässig ist, jedennoch schon darum unter dem Privilegio Raum hat, weil er mit seinen Gedanken in die Kreuz und in die Quer verreist, und immer, er sei auch Doktor aller Fakultäten, ein scholaris bleibt. Das Wort maxime entscheidet ad z w e i die gegebene akademische Frage so deutlich als möglich.
Alles dieses, mein Kind, sind akademische Gedanken, und kann ich dir einen Commentarius Auctore Helfrico Ulrico HUNNIO, doctore et in inclyta Academia Giessena Juris Professore publico et ordinario, in die Hand spielen, woraus du dir eine Reisekarte zu zeichnen im stand sein wirst.
Hier ist eine grosse Lücke. Meine Leser werden die andere von selbst bemerkt haben. So viel noch hinzu. Meine Mutter traute dem Panegyrikus meines Vaters auf den Universitäten in usum Delphini nicht ganz. Sie merkte es ihm ab, dass er seine Zweifel nicht völlig los werden konnte.
Plato hat, wie erzählt wird, die Schriften des Comödienschreibers Aristophanes geliebt, und da er gestorben war, fand man noch im Bette die Schriften dieses gekrönten Comödienschreibers, der sich mit Sokrates wie ein paar Professores und ein paar bekannte Haustiere vertrug. Diess ist genug zur Verteidigung meines Vaters bei seinen Seitenblicken.
Akademie (mein Vater lässt sich vernehmen) hiess der Ort, wo Plato seine Philosophie lehrte, die so schön war als der arkadische Garten dieses Unsterblichen. Wär's auch nur seinet- und des alten Herkommens halber, müsste man Universitäten besuchen.
Sollte nicht, sagte meine Mutter, die mit dem alten Herkommen und dem Plato noch bei weitem nicht zufrieden war, sollte nicht, da Adam und Eva doch wirklich r e l e g i r t wurden, schon das Paradies die erste Akademie –?
Und die Schlange und der Seraph mit dem blossen Schwerte: fragte ich, liebe Mutter?
Wenigstens versetzte sie, war doch Eli Samuels Professor und Gamaliel des Paulus und die Prophetenkinder Studenten. – Und Stephanus, fiel mein Vater ein, voll Glaubens und Kräfte, tat Wunder und grosse Zeichen unter dem Volk. Da stunden etliche auf von der Schule, die da heisst der L i b e r t i n e r und der C y r e n e r und der A l e x a n d r i e r und derer, die aus Cilicia und Asia waren, und befragten sich mit Stephano, und sie vermochten nicht bei dieser Inauguraldisputation zu widerstehen der Weisheit und dem geist des, der es redete.
Meine Mutter war ausser sich über diesen Text, nur die Alexandrier hätten sie gerne relegirt. Die gute Mutter! Sei ein S t e p h a n i e r , sagte sie, lieber Sohn, ein S t e p h a n i e r .
Mein Vater kettete seine Stammtafel der hohen Schule, von den Griechen und Römern an bis auf die gegenwärtige Zeit, zusammen, und ward diese akademische Stunde von Seiten meiner Mutter mit der Bemerkung beschlossen, dass ihres Wissens kein Doctor teologiae kurisches Brod gegessen, es müsste denn einer von den Herren E i n h o r n s diese Würde incognito gehabt und aus heiliger Demut sie verschwiegen gehalten haben. Mein Vater erklärte beiläufig nach seiner Weise die adelichen Rechte, welche den Doctoribus zustünden –
So wie den Literatis (meine Mutter verstand ihren Casum), sagte meine Mutter, in Curland. Sie behauptete, es sei gleichviel, adelich behandelt werden und adelich sein. Allein ich sagte: königlich essen, liebe Mutter, und König sein, ist zweierlei. Und mein Vater war, zum Bedruck meiner Mutter, unerschöpflich über die Ehre des Adels. Er erklärte, was vierschildig sei, und liess so viel auf der Ritterbank und an der Ehrentafel sitzen und in den deutschen, Marianischen, Johannis- und Malterserorden, und in hochund andere adeliche Stifte aufnehmen, und die Grandes vor dem Könige von Spanien den Hut aufsetzen, bis meine Mutter zu Curlands Ehren behauptete, dass der Herzog beim Lehen sich auch einige Augenblicke bedecken könnte, wenn er wollte.
L a ss d e n B r a u n e n s a t t e l n , sagte mein Vater, um nach – zu reiten. Es sind zehn Jahre, dass ich den Herrn v. G. – nicht gesprochen habe. Meine Schuld ist es nicht, und die seinige, das hoff' ich, auch nicht. Die Zeit wird an's Licht bringen, was noch im Finstern verborgen ist. Herr von G – – will, dass du mit seinem Sohne, der