nachher sein Weib verlässt, wie es hier zu land zu meiner Zeit Sitte war – und noch ist.
Desto glücklicher diese Wahl!
Nicht Raupe, nicht Schmetterling ist für ein Herz wie Tinchen. – Gnädige Frau, ich kenne es.
Kaum in aller seiner Feinheit. Man weiss, wie junge Leute sind; allein er hätte wenigstens bedenken sollen, was Tinchen zu ertragen vermag und was ihr zu schwer ist! – Jugendliebe – –
Nichts als Jugend-, Helden- und Eulenspiegelstreiche! Tinchen und Amalchen tun nichts zur Sache! Jagd ist die Losung!
Da kam der Herr v. W., der da anfing, wo er's gelassen hatte, mit einer Bitte um Vergebung! – Er nahm Anteil an unserer Unterredung, und obgleich er wider seinen Eidam allerdings so manche Bedenklichkeit hatte, so war er doch der Meinung, dass Güte des Herzens und Biedersinn über eine gewisse Zärtlichkeit gingen, woran in Curland bloss darum so viel Misswachs wäre, weil die Höflichkeit nicht betrieben würde, die zu allen Dingen nütze sei! – Glücks genug, wenn man heute zu Tage einen Mann ohne Schulden findet, der zu seiner Zeit ein Mahl zu Ehren anrichten kann; einen Mann ohne Eigensinn, der Arten begreifen will; einen Mann, der Verstand hat und Arten zu fassen versteht! – Wieder eine Bitte um Vergebung, und warum? Weil ich Sie so lange von meinem künftigen Schwiegersohn unterhalten habe! Er ist mein Freund!
Desto besser, sagte Frau v. W. Sie bleiben doch morgen? fügte sie hinzu.
Ich bleibe.
Herr v. W. kleidete sein Gesuch, dass ich morgen noch bleiben möchte, in ein so feines Compliment, dass es zugleich für seine Gemahlin und mich Weisung entielt, weil wir die Sache so kurz und gut berichtigt. – Man hat's, sagte er, wiewohl bei einer andern gelegenheit, für ein Geld! – Warum sollte man nicht ein wenig Gewürz dran legen?
Es hebt.
Macht aber Hitze!
Nach dem das Gewürz ist!
Wir gingen zu Tische, und Tinchen war sehr heiter. Vater und Mutter schienen ausnehmend mit ihr zufrieden. Was mir vorzüglich auffiel, war die gütige Art, mit der sie sich gegen mich benahm! – Sie erinnerte sich an die geringste Kleinigkeit, die zu der Zeit, da ich nach Königsberg ging, vorgefallen war. Herr v. W. hatte Mühe, uns von einander zu bringen, und wenn wir anstanden, mündlich zu sprechen, waren unsere Augen in einer immerwährenden Unterhaltung; ich rettete Tinchen, und sie dankte mir! – Tinchen richtete den Salat an, und ich nahm mir die erlaubnis, sie an das examen rigorosum zu erinnern, das sie in – – überstand. Mir kam es vor, dass des strengsten Augeninnersten und Händegewichts unerachtet, womit Tinchen sonst begabt war, diesesmal die Salatingredienzien nicht nach richtigem Mass und Gewicht gemischt wurden. Zu viel Salz! – zu wenig Essig!
Die Deutschen, Herr Major! hielten auf ehrliche Geburt: alle ihre höheren Titel laufen auf g e b o r e n heraus.
E h r e n f e s t , H o c h e d e l und W o h l e d e l , G e s t r e n g , sind noch mehr originaldeutsche Titel, als das liebe G e b o r e n !
Erlauben der Herr Major, sagte Herr v. W. Der Franzos sagt Monsieur; wie gehts aber mit dem Geboren? Ich glaube, in Frankreich kennt selten der Sohn den Vater!
Sie haben etwas, die Franzosen, in der Sprache und in allem, was man ihnen nicht nehmen kann; nur das G e b o r e n nicht! – Wie dreist ist ein Franzose bei aller seiner Sprachfeinheit! – Ein dummdreister Mund und ein liebliches Wort! – Man sehe nur, wie die Franzosen ihren mes Dames begegnen! Sie verstehen, in Feinheit grob zu sein. Sie gehen, als wenn sie einen guten Freund auf der Schulter balancirten, oder wie der letzte Taschenspieler, der eine Pfeife auf der Nase tanzen liess. Zur Höflichkeit, zur Festlichkeit, gehört auch ein Körper, der etwas auf sich nehmen kann. Ein gewisser Wuchs ist schon an sich festlich, und wenn sich ein Zwerg bückt, ist das höflich? – Da fällt mir immer der Bericht ein, den ein General dem verstorbenen Könige von Preussen über Paris erstattete: Alles Ausschuss, allergnädigster Herr! Kein Hofcavalier, der Sieben misst! – Was ich den Franzosen nicht gönne, ist das Wort Servante. Das deutsche Dienerin ist nicht hin, nicht her; und Magd! Pfui übers Kopftuch! Wir hielten über diese Materie ein Gespräch, an dem ich wie der Inhalt es zeigen wird, wenig Anteil nahm. Ich sah lieber Tinchen im wasser, als dass ich das fest der Deutschen wiederholte.
Der Franzose ist auswendig gelernt; der Deutsche nimmt sich, wie er sich findet; der erste blick ist immer der beste, das sieht man beim Villard.
Was geben die Franzosen, wenn sie einen zu gast nötigen? Die letztbeklatschte Comödie zu lesen, oder die heutige Zeitung; eine Limonade oben ein! – Sie sind geselliger als die Deutschen; allein ihre gefälligkeit schränkt sich aufs Reden ein. ist es Wunder, dass in ihren Worten mehr Geschmack, als bei uns ist? wenn es aber auf Taten