, dieser göttliche Funke genommen ist, wären wir weiter!
In der Naturlehre, lieber Vater! Wenn du aber hier in dieser geschlagenen Gesellschaft gewesen; was für ein Feld zu moralischen Anmerkungen wäre dir da offen gewesen! Wie doch dem Menschen der Zwang so eigen werden kann! Ein kleiner Schlag, und alles gerade wie auf Drat gezogen!
Gretchen gewann bei meiner Standeserhöhung am meisten; denn der Todtengeruch war sehr zum Geruch des Lebens zum Leben übergegangen.
Der Graf bat es sich zur Freundschaft aus, sobald ich mich mit meiner Familie in Verkehr gesetzt haben würde, ihm über diesen und jenen Punkt, wo seine Familienkenntnisse nicht zureichten, Auskunft zu erteilen. Dieser und jener Punkt waren Federbusch, Wappen und dergleichen Dinge mehr! – Hie und da eine Anekdote von dem und dem in der Familie! Das war alles? Wie ich sage, keinen Tritt weiter. Ist's möglich, ein Mann, der einen Mann ohne Wappen zum Lebens-, alle Sterbende zu Sterbens-Brüdern und Schwestern annahm? – Was anderes, wenn's Leute täten, die dem hiesigen Leben den Eid der Treue geleistet.
Ich konnte das Andenken an jene Grabschrift nicht abwehren:
Hier liegt der lebendig tote!
Bei diesen Umständen hätten S i e die Blätter, die von der Reise zum Grafen handeln, nicht überschlagen dürfen, m e i n e g n ä d i g e F r a u ! Zwar nahm ich mir die Freiheit, bei gelegenheit der Sterbensumstände unserer guten H a n n a , diese Reise eine Todesfahrt zu nennen; allein, geruhen Ew. Gnaden die fräulein Schwester zu fragen, der es gestern, als V e s t a l i n , auf dem Balle recht gut stand, ob nicht diese Blätter unbedenklich mitgenommen werden können?
H i e r o d e r d o r t waren die letzten Worte, die ich mit dem Grafen beim Abschiede wechselte, da ich ihn beim Geruch des Todes besuchte! – Wer hätte geglaubt, dass das H i e r eintreffen sollte, und zwar ein recht eigentliches Hier, voll Geruch des Lebens. Wie sich die Luft erfrischt hatte, bloss weil ich Edelmann war! – Da wir im heiligen römischen Reiche meines Adels halber waren, kamen wir, ich weiss nicht wie, auf Karl V., der sich bei lebendigem leib begraben liess, um zu sehen, wie es ihm lassen würde. Ich glaube, sagt' ich, diese probe hat sein Ende befördert. Ich nicht! erwiderte der Graf, der alle Vierteljahre eine Nacht in seinem Sarge schlief; Karl V. starb aus Reue und Leid seiner niedergelegten Kronen halber! Und ohne ein Komma zu machen, war der Graf bei der Frage: ob mein Adel älter wäre, als Kaiser Karl V. glorreichen Andenkens, der, eh' er 1558 starb, sich probe begraben liess? Das ich nicht wüsste, erwiderte ich.
Wenn doch, dachte ich, was Sterbendes vorhanden gewesen, um den Grafen wieder einzulenken – wenn noch Eins eingeläutet würde!
Jetzt Abschied auf ewig, so wie ich ihn auf ewig vom heiligen grab in dieser glorreichen Gegend nehmen werde. Dort, lieber Graf, dort!
Lasst mich, lieben Leser, Abschied nehmen! Ich bitte, lasst! Gesundheittrinken ist, wie ihr wisst, ein Sinnbild des Lebens, Abschiednehmen ein Sinnbild des Todes. War es Wunder, dass der Graf beim Abschiede wieder in seinen ihm eigenen Ton fiel? Darum soll ich böse werden, weil es Nacht und Tag in der Welt ist? Vielleicht schmeckt alles süss, was schlecht bekommt. Zucker schleimt, sagt mein Hauptarzt. Vielleicht schmeckt alles widerlich, was uns eigentlich wohlbehagt! Zwischen S c h e i n und S e y n , wie der Drosselpastor ganz recht hat, welche eine Kluft! Weil wider dieses Uebel die China nicht hilft, darum bist du böse? Gibt es nicht Hausmittel, warum China? Können denn nicht ausser der Hauptstrasse viele Nebenwege sein? Sind überhaupt Uebel in der Welt? Ist es nicht alles, je nachdem man alles stellt? Genau genommen, sind bei allen Dingen die nämlichen Ingredienzen. Mütterlich hat die natur für uns gesorgt. Wahrlich, mütterlich! – Die Hoffnung ist was Geistiges, was Unsichtbares. Sie ist Geist vom Geist. Sie ist selbst ein Geist, der uns lehret, weise zu leben und froh zu sterben. Siehe! wenn der Körper stirbt, fängt ihr Leben in Gott an. – Man nehme dem Genuss die Vorstellung, die Weise, alles, was man gern hat, sich weit vorzüglicher zu denken, als es da ist, allem ein poetisches Kleid umzuhängen! – Was ist denn der Genuss? Er ist nicht Aufhebens wert! – –
Diess war unsere Unterredung beim Scheiden. Hätte mir der Graf nicht mit den Worten die Hand gedrückt: Die b e w u ss t e n N a c h r i c h t e n ! wahrlich, ich hätte glauben müssen, es wären zwei Grafen. – Was meint ihr? dem allem unerachtet, ein weiss Federbüschchen kann man ihm verzeihen! – Der Herr Inspektor sowohl, als die Frau Inspektorin, schienen über unsere letzte Unterredung sehr erbaut. Sie sahen die Kronen Urnen werden, und die Urnen wieder Kronen. Gretchen und den lieben Ihrigen war nichts neu. – M i n c h e n s V e