1778_Hippel_037_443.txt

Weil ich es bin, erwiderte ich, und, wie mich dünkt, war meine Antwort eben so richtig als seine Frage. Sie haben ein grösseres Sterbehaus gesehen, Herr Major, sagte er, als das meinige! Der Justizrat und der Prediger waren froh, um vielleicht manches noch vom Türkenkriege zu hören, worüber ich, wie sie wähnten, den Grafen nicht abschlägig bescheiden würde; allein sie kamen wieder von Bukarest zurück, ohne mehr zu wissen. Ohnmöglich kann den lieben Herren solch eine schnelle Reise gut tun! Der Graf hielt sich bloss über die Frage auf: Ob man wohl im feld, ohne seiner Pflicht etwas abzukürzen, observiren könnte? – Ich hatte ihn schon ü b e r z e u g t , dass es viel gelegenheit zu Observationen im feld gebe, und ihm eine ganz neue Aussicht eröffnet.

Der I n s p e k t o r und s e i n e F r a u . – Sie waren zum Prediger nach L. gekommen und von L. zum Grafen, ob sie es sich gleich erst die künftige Woche zu tun vorgesetzet. Ich war Major und von Adel, und freilich hätte die Subordination gelitten, wenn Benjamin, wie er sich ausdrückte, ermangelt hätte – – Wie machst du es mit deiner Stelle? Er hatte den Einnehmer damit belehnt, lieber Major! erwiderte die Frau Inspektorin für den Herrn Inspektor. Das heisst wohl sein Amt an den Nägel hängen. Noch dasselbe Gesicht zur Schau, das die Frau Inspektorin beim Gutsbesitzer und Edelmann aufschlug! – Er selbst auch noch die nämliche Subordination. Bei ihm wirkte der Edelmann, bei seiner Frau der Gutsbesitzer! – Er war aus Curland, sie aus Preussen. Bei diesen Schaugesichtern war es kein Wunder, dass die Sache weiter ging und an den Grafen kam, dem die Nachricht eben so, wie der Frau Inspektorin auffiel. Ihnen, lieber Graf! der Sie täglich sterben? – Gretchen allein war wie vorhin! – Der Justizrat räusperte sich ein wenig, da er zum erstenmal mit dem adelichen Major, dem Erbherrn aufsprach. Dem Prediger war nichts anzumerken. Der Graf, den der Türkenkrieg bloss des Observationsstübchens halber interessirt hatte, wovon ich ihm einige Winke gegeben, nahm an meinem Adel so viel Anteil, dass die Observation jetzt auf meiner Seite war. Mein Gott! wie kann doch jemand, der täglich stirbt, an dergleichen Kleinigkeiten teil nehmen! Vorurteile gegen die doch der Mann, der sich vom Haufen unterscheidet, angehen soll, können die auch solch einen Mannso beherrschen? Es ging mir nahe, diese Bühne aufgezogen zu sehen! Sein erster blick tat gleich zehn fragen an mich, und so lieb es mir war, den Herrn Inspektor noch zu sehen, so war ich doch im ersten Augenblick nahe daran zu wünschen, dass er lieber mit seiner Hausehre beim Herrn Hauptmann geblieben, als uns gestört hätte.

Der Graf wollte die L e b e n s l ä u f e aller meiner Ahnen. Lieber Graf! ich weiss sie selbst noch nicht, und suche noch hie und da Lücken auszufüllen. Zeit bringt Rosen! Wenn Sie Geduld haben, die jedem not ist, und Gott Ihnen das Leben fristet, so sollen Sie im dritten teil meinen Vater und im vierten meinen Grossvater von oben ab sehen! Gleich ein Unterschied zwischen mir und der andern Gesellschaft. Lieber, warum das? warum die weissen Federbüsche, und die Wappen und die gräfliche Krone? Der gute Pastor in L – sagte, auf den Punkt versteht der Graf keine Brüderschaft. Da ist das K r ö n c h e n leicht gebrochen. Der Graf kannte meine Familiesollt' er nicht? – und nichts war ihm im Wege, als meine Mutter, die doch bürgerlichen Standes gewesen. Sie ist tot, lieber Graf! F r e i l i c h h e b t d e r T o d viel, es ist nur der Ahnentafel und d e r S t i f t s f ä h i g k e i t w e g e n . Ich versicherte die gräfliche Krone, weder an eine Ahnentafel zu denken, noch auf Stiftsfähigkeit je Anspruch zu machen; allein er drückte mir die Hand mit einem sehr bedeutenden: K o m m t Z e i t , k o m m t R a t h ! – Da Gretchen alles sah, was vorging, schien sie selbst einen Subordinationszug einführen zu wollen, den ich aber sogleich bei der Tür abwies. – Die Frau Inspektorin fand vollkommen ihre Rechnung. Sobald sie bemerkte, dass es hier auf Paar und Unpaar ankam, ging sie bei sich selbst zu Rate, ob und in wie weit ihr der Rang über Gretchen zustände? Sie übertrug dem Herrn Inspektor hiebei Sitz und stimme; da sie aber zu ihrem Leidwesen erfahren musste, dass ihm der Fall zu wichtig sei, nahm sie ihres Herrn Gemahls Verfahrungsart an, stieg Gretchen zu dach, und drängte sich der lieben Unschuldigen vor, die indessen bei dem allerersten blick des Vordrangs so nachgebend war, dass die Frau Darius nur ein sehr kleines Dach zu steigen hatte.

Der Graf hatte die ganze Gesellschaft elektrisirt. Alles war geschlagen, bis auf Gretchen, ihren Vater und mich. Elektricität ist ein Naturblatt, auf dem viel steht, pflegte mein Vater zu sagen. Wenn wir den Altar kennten, von dem diese glühende Kohle