1778_Hippel_037_44.txt

Metaphysik für wenige Taler kaufen, ist unschicklich. Ein Professor, der ein Autor ist, – und wer ist nicht beides? – hält es nicht der Mühe wert, junge Leute zu unterrichten. Die Welt ist sein Auditorium, und da sitzen Kaiser, Könige, Fürsten u.s.w. auf den Bänken. Ein Autor ist ein so stolzes Ding, dass er mit dem ganzen menschlichen Geschlechte spricht.

Ein Professor spickt (lardirt) seinen Vortrag. Er ist oft gezwungen, über gesunde speisen ungesunde und unschmackhafte Brühen zu giessen.

Und dem akademischen Jüngling! was legt sich nicht in den Weg, ihn zu stören! Da ist ein Ständchen zu bringen; da kommt ein Landsmann; da hat er sich zu schlagen; da dem Professor, der die Privilegien schmälern will, die Fenster einzuschlagen. – Die Freiheit ist ihm der Weg zur Ungezogenheit. Seine Mitbrüder ersticken bei ihm den Trieb, sich empor zu arbeiten. Will er ein ehrlicher Landsmann sein, m u ss er, wie der Haufen, nichts lernen. Es sind kleine Höfe auf den deutschen hohen schulen errichtet; der Prinz, der Reichsgraf halten sich Kammerherren, Stallmeister, Hofmarschälle u.s.w.

Auf Universitäten sagt dir jeder Lehrer, nicht was du zu wissen nötig hast, sondern was er weiss. Da lernst du den Wert der Wissenschaft nicht von dem, der sie vorträgt, sondern von seinem Nachbar, einem andern Professor, der sie verachtet.

Erinnerst du dich, was der Herr Candidat von einem benachbarten Könige erzählte, der seinen Professor der Moral selbst prüfte. Herr, sagte er, m o r a lisir' er mir was vor, damit ich s e h ' , o b e r w a s w e i ss . Ich fand hier viel richtiges gesagt, und noch eins auf den Weg von einem Professor der Moral, der durch seinen Wandel seine Lehren mit Gift hinrichtete. W a s h ö r ' i c h v o n i h m ? sagte der dirigirende Minister dieser hohen Schule. "Verzeihen Ew. Excellenz, ich bin nur Extraordinarius."

Diese Rede widerrief nun zwar, mein Vater nicht, indessen lenkte er jetzt alles zum Besten, da er, wie er sich ausdrückte, durch ein anderes Tor mit mir hinaus wollte. Es muss, sagte er, eine Zeit sein, wo man einsehen lernt, was man n i c h t w e i ss , und kein besserer Ort dazu ist, als eine hohe Schule. Ein Professor kann, wenn er seine Wissenschaft nicht bis zum Handwerk treibt und sie zuweilen ein Jahr ruhen lässt, unendlich weit kommen. Diese Wissenschaft ist eine liebe Frau, die man nach einem Jahre Entfernung wieder in seine arme schliesst; da ist's, als würde man auf's neue kopulirt. Ein Professor sieht, ob seine Saat gut sei, vor sich, er lernt eine Bewirtschaftung guter Köpfe, und wird ein Financier in der Gelehrsamkeit. Wer hat mehr gelegenheit, Proben zu machen, als er? und seine Begriffe bis zum Anschauen deutlich, wer seine Wissenschaften mehr unüberwindlich zu machen, als er? Durch alle fünf Species der Rechenkunst rechnet er seine Wissenschaft durch. Der Glaube kommt durch die Predigt. Steht der Professor hoch im Cours, so bringt er auch seine Wissenschaft in den nämlichen Wert. Er erleuchtet eine ganze Provinz, und macht, dass man seinen Namen annimmt, z.E. W o l f i a n e r . Ein würdiger Professor hört sich in wohlgeratenen Schülern von der Kanzel, liest sich im Urteil, sindet sich am Krankenbette.

Er ist in einer beständigen Wärme, wenn andere Gelehrte durch ihren Beruf sich erkälten und Mühe haben, wieder in gelehrte Transspiration zu kommen.

Auch die Alten hatten ihre schulen, und so wie Kirchen gut sind, obgleich Gott überall ist, so sind Akademien nicht zu verwerfen. Wo habt ihr's denn her, dass ihr so gelehrt auf Akademien schelten könnt, wie ihr's tut. Beinahe könnte man sagen: die Deutschen wären Universitäts- oder akademische Köpfe. Warum wollt ihr eure Mutter verachten, weil sie nicht so gut gekleidet geht, als eure junge Frau?

Ist denn der Wetteifer nichts, wozu man auf Akademien gelegenheit hat?

In der Schule locirt der Herr Präceptor, auf der Akademie locirt ihr euch selbst.

Es gibt auf Universitäten gelegenheit, ohne ein beschwerliches Lexikon in die Hand zu nehmen und den Buchstaben und Zahlen nachzuschlagen, gleich zu lernen, was man nicht weiss. Ein Wort, das oft ein Lehrer im heiligen Entusiasm verlor, das heisst, das er sagte, ohne es beinahe zu wissengewiss aber ohne es zu behalten; ein solches Wort fällt nicht auf die Erde. Der Jüngling fasst es; aus dem M e e r e s s c h a u m wird eine V e n u s .

Eine Universität ist ein gewisses Ganzes der Gelehrsamkeit, eine Messe, wo man nicht an den Stadtkrämer gebunden ist, wiewohl es auch hier oft heisst: Wenn die Narren zu Markte kommen, freuen sich die Kaufleute.

Freilich kann man Meister werden, ohne gereist zu sein; allein wer achtet einen Meister, der nicht Certificate von fremden Ländern aufweisen kann? Die bekannte Autentica habita Cod. ne filius pro patre, welche sich vom römischen Kaiser Friedrich herschreibt, sagt ausdrücklich: Omnibus,