ins Wachsen kommen. Sie sind sehr sonnengeizig, ungerecht gegen alles, was unter ihnen wächst.
Nach dieser Scene gingen wir in die Kirche. Siehe! ich komme bald; halt was du hast, dass niemand deine Krone nehme, rief mir jede der vier Gegenden zu, Osten, Süden, Westen, Norden! Alles war mir so gegenwärtig, als ob es vorginge. Minens Begräbniss, Gretchens Eheverbindung!
Was Gott tut, das ist wohlgetan;
Es bleibt gerecht sein Wille!
Drum lass ich ihn nur walten!
Warum denkt man so gern an gehabte frohe Stunden? Wahrlich, weil das Leben so kummervoll ist, und weil wir ihm durch dergleichen Kunstgriffe förderlich und dienstlich sein wollen. Wahrlich, die überall gütige natur hilft auch hier, so wie in allem, unserer Schwachheit aus. Wir erinnern uns froher Tage fast eben so froh, oft froher, als wir es waren, da wir sie lebten. Die Zurückerinnerung an traurige Vorfälle geht von langen zu kurzen Tagen über und wird schwächer.
Alles war uns von Gretchens Hochzeit sichtbarlich: die Verschwendung des Puders von Seiten Natanaels, das Kleid mit den goldbesponnenen Knöpfen des Amtmanns selbst, womit der Amtmann sich bloss ausstaffiren w o l l t e , und das nicht zum Vorschein kam, war uns gegenwärtig.
Der gute Pastor hätte nicht die Frage aufwerfen dürfen: Wie wäre es, wenn wir Gretchen besuchten? Hätte ich ihr so nahe sein können, ohne sie von Angesicht zu Angesicht zu sehen? Miss ich denn nicht ihr und ihrem mann für die treue Pflege danken, die sie Minens grab angedeihen liessen? (Die Zeit hatte meinen Schmerz über Minen in Poesie gebracht, wie sie es immer tut, o! so sanft lyrisch!) Bin ich Gretchen
Es ward verabredet, zuerst Gretchen und ihren gepuderten Mann, und nach diesem den hochgebornen Todtengräber & Compagnie zu besuchen. Ich habe schon bemerkt, dass ich keine Maskeraden liebe. Warum auch die Mummerei? Da steige ich lieber den Leuten, wie der Herr Lieutenant, aufs Dach, als dass ich ihnen (auch ein Ausdruck des Herrn Inspektors) was ins Maul schmieren sollte. – Wie das absticht, der Herr Inspektor und die Frau Inspektorin:
Mein Gott! wie sich Gretchen freute! auch Natanael!
Sie küsste mich wieder so herzlich, als wie ich zur Hochzeit kam, und den Justizrat zur Frage: W e n n ? brachte. Der arme Mann musste jetzt viel dieser Eifersucht halber ausstehen! – Jetzt war er so weit vom W e n n , dass er selbst gern darüber lachen mochte. Er hatte sich ungemein auf die Politik gelegt, und wollte durchaus die Karte herbeiholen, da sich der Herr Schwiegervater an den Türkenkrieg erinnerte. Der gute Natanael war immer mit marschirt, hatte immer mit gekriegt und mit gesiegt. Er war, so wie sein Schwiegervater, wohlbedächtig russisch, obgleich sonst jeder Mensch eine Neigung hat, sich des Unterdrückten anzunehmen. Ist's Wunder? Es ging ja gegen die Türken! Die Anlage zur Politik, welche der Prediger bei gelegenheit der verlornen Schildwache zeigte, hatte freilich noch nicht ihren Geist aufgegeben; indessen übertraf N a t h a n a e l seinen Schwiegervater in der Politik bei weitem. Gretchen war dagegen so unpolitisch, dass sie recht geflissentlich diesem Blutvergiessen auswich. Ein politisches Weib ist wahrlich das unausstehlichste unter allem aus der siebenten Bitte. Fast sollten sie das Wort Krieg nicht auszusprechen, nicht über ihr Herz zu bringen vermögen. Ein anderes, ging's um die schöne H e l e n a ! oder wenn sich ein Paar um das blaue Augenpaar der Huldgöttin der Stadt schlügen! In solchen schönen Fällen erlaube ich ihnen auch ein Wort über Krieg und Kriegsgeschrei zu sprechen!
Gretchen, du hast den besten teil erwählt, das soll nicht von du und deinen Töchtern genommen werden ewiglich! Wie du in Reisekleidern ausgingst, liebenswürdiges geschöpf, und mit verweinten Augen zurückkkamst! – Gott lohne dich mit seinem reichlichen Gegen! – Sein Antlitz hebe Er aus dich, und sei dir gnädig!
Es war ein gutartiger, allerliebster Frühlingstag. Wir kamen früh an und frühstückten auf einem Haufen. Mir kommt das Frühstück als die natürlichste Mahlzeit vor, das sich auch die englische, die natürlichste Nation, nicht nehmen lässt. Omen Morgen, lieber Engländer!
Ich setzte mich ins Gras, und die fünf Kleinen (so viel hatte Natanael aufzuzeigen) um mich her. Diess brachte mir ein Vergissmeinnicht, jenes nahm mir den Hut ab; die beiden kleinsten Mädchen ergötzten sich an den blanken Knöpfen meiner Uniform!
Der gute Prediger sah diese Gruppe und sagte: "Simon Johanna, hast du mich lieb?" Weide meine Lämmer! Ich hielt diesen Spruch an, und auch noch schallt er mir ins Herz: "Weide meine Lämmer!"
Leopold, willst du ins Grüne?
Eben wollte ich bitten.
Komm!
Ohne Strohhut?
Versteht sich –
Gretchen sowohl, als Natanael behaupteten, der dritte von oben hätte viel Aehnlichkeit von mir! Ich fand es nicht. Vater und Mutter hatten ihn am liebsten. Schade, dass er nicht Alexander hiess, sagten die Eltern, der älteste hiess so! Das erste Kind war eine Tochter und hiess Mine! – Wie ich diess liebe Mädchen an mein Herz gedrückt! Es war es, das mir Vergissmeinnicht brachte! Ich liess mir von Gretchen d a s E n d e i h r e r