Schwiegervater, und wollte von mir eine Beschreibung von einem Literatus, welche sie bis dahin noch nicht von ihrem mann nach der Tablatur, wie sie es nannte, erküssen können. Ich liess den Hermann bei Ehren! Hätte der Hauptmann von Capernaum, pro tempore Acciseeinnehmer, die Abkunft des Inspektors erfahren, Subordination! – wo wärst du geblieben? Wenn mein Mann wider seinen Vater etwas hat, was gehts mich an? Man sehe doch das galllose Schäfchen! Ernst! Ein gutes Weib! Man lasse ihr doch die welkgewordenen Blumen einer Metapher! – Was tut es denn dem mann, wenn seine Frau in so etwas Unschuldiges verliebt ist? – Zehnmal versicherte sie mich, wahre Freundschaft daure noch, wenn gleich a l l e K r o n e n U r n e n g e w o r d e n ! – Und alle Worte Gedanken, wollte ich schon sagen. – Ihrem mann machte das Tulpenbeet seiner Frau, in zierlichen Ausdrücken dargestellt, keine geringe Freude, obgleich er selbst bei seiner Weise blieb, geradeswegs aufs Dach zu steigen. Freilich musste das Dach nicht zu hoch sein – da Benjamin Darius origetenus auf schwachen Füssen stand.
O der wunderbaren Vermischung der denke- und Handlungsart der Menschen! und doch wieder so allzusammen eins, dass man weiter gehen könnte, als meine Mutter. Nicht bloss Mann und Weib, sondern alle Menschen haben einen gemeinschaftlichen Zug – alle etwas vom Vater Adam und Mutter Eva, denen, sie mögen gewesen sein wie sie wollen, doch Kindespflicht eignet und gebühret.
Amalia war mit dem Krämer ehelich verbunden, und glücklich genug gewesen, fünf Kinder mit ihm zu erzielen. Junker Gottard hatte sie nicht besucht, worüber sie sich beklagte, ohne dass der Krämer ein Wort darüber verlor!
Ich erneuerte alle meine alten Bekanntschaften, die heilige Geiststrasse und den Rossgärtschen Kirchhof nicht ausgeschlossen. Die Strasse, die zu meiner Zeit beim Abzuge des Malers, dessen Quartier wir bezogen, illuminirt war, soll, wie man sagt, nicht aus der Illumination herauskommen. Was die Mütter taten, tun die Töchter nach ihnen.
Schliesslich übergab ich dem Darius und vorzüglich seiner Frau, Minens Grab in L. Ich tat es in Gegenwart ihrer Kinder, und so feierlich, dass alles weinte, nur der gewesene Herr Lieutenant nicht, dem man in Darius dankte mir, wiewohl insgeheim (wer mag Ich fand F r o n s p e r g e r s K a i s e r l i c h e s K r i e g s r e c h t beim Darius, und Benjamin versicherte mich, dass ihm das Werkchen viele gute Dienste getan. Freunde! Darf ich's wiederholen: beim Spiel eine ernstafte Miene gemacht, so ist's Ernst; beim Ernst eine komische Miene, so ist's Spiel! Entweder ist alles Spiel, oder alles Ernst in der Welt! – Wie man es drauf anlegt! – Und nun, wenn anders meine Leser keine Tücke auf Benjamin haben, wer hätte gedacht, dass diese linke Hand sich so herausarbeiten würde. Ist ihm die Nottaufe anzusehen? Schneider, oder Literatus, sagte seine liebe selige Mutter.
Der Major, der uns nach Königsberg brachte, war tot. Schade! Eben da ich sein College war! Der Junker war Lieutenant geworden, Benjamins Amtsbruder, nur mit dem Unterschiede, dass Benjamin ein stehendes, sein College aber ein fliessendes wasser war! Wie weit kann er's nicht noch bringen! Der fliessende Lieutenant, wie er sich darüber freute, dass ich Soldat geworden! Noch lieber hätte er und der verstorbene Reiter, wirkliches Mitglied des gelehrten Kränzchens (wenn letzterer nämlich noch gelebt), gesehen, dass ich bei der Cavallerie gestanden!
Beim Abschiede gab ich dem Herrn Inspektor den Brief der Kaiserin, den ich, ausser dem königlichen Rat, keinem gezeigt hatte. Dem Professor Grossvater wäre, wie mich dünkt, am wenigsten damit gedient gewesen. Da war Benjamin wieder aus dem Du-Geleise und bat um Verzeihung, so sehr die Subordination beleidiget zu haben. Ich hatte Mühe, ihn ins Du zurück zu bringen. Stelle Dir vor, sagte er zu seiner Frau, ohne dass ich es verhindern konnte, dass er diessmal zu Dach stieg: unser Gast ist auch geadelt und ein Gutsbesitzer. – Ihr Gesicht – wahrlich etwas zur Schau! – Gut, dass es beim Schluss war!
Lebe wohl, Königsberg, auf ewig!
Nach L – nach L –.
Ich zog durch einen andern Weg, und obgleich ich nichts tat, als mich gierig nach dem heiligen grab umsehen, fand es doch mein Auge nicht. Der gute Pastor! Mich ärgern alle die Verzierungen, die man beim guten gemeinen Leben anbringt. Da will man seine vorigen Bekannten raten lassen, wer man ist! Da lässt die Frau, ohne dass der Herr Gemahl es weiss, zu seinem Geburtstage ein Mahl anrichten. In der Josephsgeschichte selbst gefällt mir der Zierrat nicht. – Warum nicht gleich: i c h b i n J o s e p h , e u e r B r u d e r ! – Geradezu gab ich mich dem Pastor zu erkennen, wie seinem Bruder, dem königlichen Rat, der es einen Ueberfall nannte, und der darüber um eine Nacht kam, ich weiss nicht wie. Wie es mit Minens grab stände, war meine erste Frage, in die sich unser