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es kam morgen! – Du pflegtest mir zu sagen, dass in jeder Sache ausser dem, was ins Auge fällt, noch etwas Unsichtbares wäre, ausser dem, was da ist, noch ein Geist, der webt. Beim Soldatenstand ist dergleichen Geist nicht, wohl aber, wie du selbst wissen wirst, so mancher blaue Dunst, den man machen kann. Was fehlt meinem Bein? – Ich unterrichtete beim Oberstlieutenant die Kinder. Du? meinst du Nein! Jeder Mensch hat im Regiment geglaubt, ich hätte studirt; da habe ich manchmal gedacht: ich wäre schon so aus der Erbliteratenfamilie! – Der Prediger hielt mich für einen Juristen, der Auditeur für einen Teologen! – Die Herren Geehrten müssen doch selbst nicht so recht wissen, woran sie sind.

Darius ward auf Werbung vermöge ganz besonderer Empfehlung gesandt, und da er hier gelegenheit hatte, sich ausnehmend hervorzutun, vom Könige unmittelbar zum Lieutenant ernannt. Meine Feinde sagen: es sei ein Missverständniss im Namen vorgefallenund der König soll sich auf einen Corporal gleiches Namens besonnen haben, der, vor seinen Augen, wie ein Bär im Kriege getan. Auf einmal erscholl ein Gerücht, dass alle bürgerlichen Offiziere, die nicht zu dieser Ehrenstelle während dem Kriege gekommen, in Gnaden entlassen und nach Bewandtniss der Umstände untergebracht werden sollten. Das Glück ging mir nach diesem Unglück bald wieder auf. Anfänglich nur in Gestalt eines halben Mondes; ich hatte nur eine halbe Glückswange. Dieses Halbglück war ein Mädchen, das mir wohlwollte. Es ward meine Frau. Bald darauf erschien der volle Mond. Ich bekam eine Stelle bei der Zoll- und Acciseverwaltung, wo ich ausser einer Aergerniss, die mir viel zusetzt, ehrlich und ordentlich lebe! – Zur Aergerniss gab ein ganz besonderer Vorfall gelegenheit. Benjamin Hauptmann, der nicht so gut schrieb und rechnete, wie Benjamin Darius, ward als sein Subaltern angesetzt. Der arme Mann hatte Feldzüge mitgemacht, und Darius nichts weiter, als Werbdienste getan. natürlich, dass dieser wunderliche Wechsel den Herrn Hauptmann schmerzen musste, und diess um so mehr, da er sich von Adel hielt, woran indessen auch gezweifelt ward. Bruder, fügte er hinzu: es ist ein Literatusadel, den ich mir auch zuzueignen im stand wäre. Ich konnte mich nicht des Lachens entalten.

Benjamin unterhielt mich mit dem F ü r und W i d e r , den Adel des Herrn Hauptmanns betreffend, länger, als ich selbst wollte. Das ärgste ist, sagte er, dass unser Hauptmann von Capernaum aus einem guten haus geheiratet und eben darum sich Anhang zusammengesprengt hat. Alles hausarm; allein desto fester halten die Kletten. Da findet denn sich hoch wo ein gnädiger Onkel, der einen Einfluss hat. So viel kannst du glauben, fuhr Darius fort, ich vergebe mir nichts. Ehre verloren, alles verloren. Da ich der Sache näher trat, oder eigentlicher, treten musste, war der anomalisch adliche Hauptmann so wenig ein Subaltern des Darius, dass er bloss eine kleinere Stelle besass. – Meinst du? fragte er mich.

Allerdings! und die Hitze des Subordinationsfiebers legte sich.

Freilich fürchte ich, es werde eine Palliativcur sein. Meine Frau – – g e h e i r a t h e t ? Ja! Ein Sohn und eine Tochter.

Benjamin liess nicht nach, mir dass Versprechen abzufordern, dass ich bei ihm Nachtlager nehmen möchte. – So sieht er doch, fügte er hinzu, dass auch ein Major bei mir einkehren kann! Da haben wir das Subordinationsrecidiv. Ich lernte eine recht artige gute Frau Lieutenantin oder, wie sie lieber hiess, Inspektorin kennen. (Der Hauptmann war nur Einnehmer.) Sohn, und Tochter! Ein Paar liebe Kinder! Ich erschrak, an der Tochter einen entfernten Zug von Minen zu treffen, und da ich ihm nachspürte, fand ich ihn auch am Vater, und was noch mehr war, an der Mutter.

Meine selige, in Gott ruhende Mutter behauptete Stein und Bein, wie sie sprach, dass Mann und Weib ein Leib wären, das heisst, was ähnliches hätten, sonst, setzte sie hinzu, würden sie sich nicht geheiratet haben. Das ist der Abdruck des himmels, in dem bekanntlich Ehen geschlossen sind. Ich muss frei bekennen, dass ich diese Bemerkung oft bestätigt gefunden. Mag wohl immer sein, wenn Neigungen Ehen binden! – Man liebt sich selbst im andern! – Desto angenehmer war mir der Abend!

Wir blieben spät in die Nacht zusammen. Die beiden Kleinen, die von Schlaf umfielen, mussten nicht von der Wache. Hab' ich mir nicht, sagte der Herr Inspektor, mehr im Kriegsdienst gefallen lassen? und konnte ich denn dafür, dass während der Zeit kein Krieg war? Sprach man doch jede Revue vom Marsch! – Wir wollen doch sehen, mein Kind! bemerkte die Frau Inspektorin, wer von den Kindern den Meine Frau, sagte Darius, nicht wahr? geht rund

Weibersehnen

L i t e r a t u r v o n

entstricken

L u t h e r b i s T u c h o l s k y

sich eher.

Unfehlbar glaubte sie ihrem stand durch einen dergleichen Ausdruck nachzuhelfen. Mag wohl literatadlich sein; natürlich ist er nicht. Mir wenigstens kann kein Naturstück aufstossen, wo ich nicht etwas Aehnliches entdecke, Bein von meinem Bein, Fleisch von meinem Fleisch.

Sie erkundigte sich sehr herzlich nach ihrem