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gemacht hatte. Da stand der arme Jüngling wie Butter in der Sonne! Der Lehrer nahm ihn bei der Hand. Was mehr? fing er an. Man kann alles demonstriren. Flugs demonstrirte er ihm, was zu erweisen war. Man sagt, der Jüngling sei nicht gerechtfertigt in sein Haus gegangen! Ich, wäre ich Jüngling gewesen, ich hätte es mit der ganzen Philosophie gebrochen. Die Demonstrirzeiten haben, Gott sei gelobt! aufgehört. Jetzt observirt man. Man geht auf die Jagd – – – Pulver und Schrot wird verschossen; selten trifft man. So geht alles im Cirkell Lieben Herren, wenn die Glocke zwölf geschlagen, geht's auf eins, bis es wieder an zwölf kommt. – Bald Vernunft, bald Sinne! Die Philosophie ist ein Wortkram! Ich läugne es nicht, dass manches Wort abgebrannt ist, und die wüste Stelle wohl verlohnte, bebaut zu werden. Nur vergesst nicht, Freunde Grossväter, dass ihr keinen Fischzug Petri gehabt, wenn ihr hie und da Altflickereien von Schuldefinitionen angebracht, ob so oder so. – Was habe ich denn, wenn ich weiss, dass geschwind, behend, schnell, nur von leblosen Sachen, z.B. Kugel; rasch, hurtig hingegen von lebendigen gebraucht wird? Ihr legt dem Menschen Daumenschrauben an, und wenn man sich recht umsieht, ist man Tag und Nacht gefahren und immer in die Runde, und auf Einem Fleck geblieben. Schwindlich oben ein.

Unser Grossvater, der wahrlich die Bibel gelesen, die dem Homer zur Seite lag, glaubte vigore commissionis kein Wort in her Bibel; allein jedes Wort in den Reisebeschreibungen war ihm heilig! Teater, Poesie mit allen Atund Pertinentien waren ihm unausstehlich; wenn aber die Reisebeschreibung auch noch so poetisch, noch so schön war, so dass man gleich beim ersten blick sah, die Beschreibung und nicht die Reise sei die Hauptsache bei dieser Arbeit; sie war ihm Ja und Amen! Aber, lieber Grossvater! – Aber, lieber Major! Mag es beim Aber bleiben, und jeder lebe seines Glaubens!

Ich kann mich irren; allein mich dünkt, mein Vater

besass das, was die Griechen αποφ εγματικην βραχυ

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λογιαν κα` λακωνικην nannten. Herr v. G., der Seli

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ge, pflegte, um dem frühen Spargel und der Pfeife im Freien meines Vaters nicht zu nahe zu kommen, zu sagen, er sei aus Lacedämon. Herr v. G. ehrte meines Vaters Wortgriffe. Schade, sagte mein Vater, dass ich nur auf Worte herabgesetzt bin. – Zum Gluck auf Volksworte, wie ich zu Gott hoffe. Freund, sagte Herr v. G., kommen Sie, wenn's gelegenheit gibt, auf die Bärenjagd! Mein Vater zeigte auf seine Reverende. Jagd, fügte er hinzu, um kein Wort schuldig zu bleiben, ist nur Tatenspiel, Ballschlag! Zum Worte Funken selbst gehört Stahl und Feuerstein! – Pastor! beschloss Herr v. G., Sie Stahl! ich Kiesel!

Mein Vater war kein Freund von Sprüchwörtern, von faulen Knechten, von stummen Dienern, wie er zu sagen Pflegte, wohl aber von Volkssprüchen. Vox populi, sagte er, vox Dei. Ein Volksspruch ist die Unterlage zur Handlung, behauptete mein Vater. Bei Sprüchwörtern und Sentenzen guckt ein sauber gedrucktes Buch hervor!

Ehrlicher Grossvater! du tust wohl, dass du zu Weine gehst; darf ich dir indessen des Herrn v. G. letzte Stunden empfehlen? Je mehr du Menschen sehen wirst, je mehr wirst du finden, dass es auf eine Definitionsspitze nicht ankommt. Lebe wohl! – Trink auf meine Gesundheit! Schreibst du, so ist dein Buch gewiss in meinem Büchervorrat. Verzeihe, dass ich unser Examen auf Mutwillen gezogen, und so manches, was du für ein Ehrenkleid hieltest, so lange noch die Ritze war!

Wer wird nicht gern mit zum königlichen Rat kommen mit der offenen, weit offenen Stirn, schwarzem Haar und einem Auge, in dem man ihn im Kleinenallein doch ganz sieht. Ich überfiel ihn, wie er sagte, und da er keiner Erschütterungen gewohnt war, sondern immer seinen geraden Weg ging, selbst wenn er auf dem Gottesacker weinteso kostete ihm, wie er mir den folgenden Tag versicherte, dieser Besuch eine Nacht. Niemand war von unserm Kränzchen mehr übrig als der Prediger, der aber, wie meine Leser es ziemlich deutlich gemerkt haben werden, nur zum Collektsingen und Segensprechen gebraucht werden konnte. Er war verwandt mit dem königlichen Rat, sonst hätte er nicht Sitz und stimme erhalten! – Alles tot! Auch der Kreisrichter, wo ich den königlichen Rat kennen gelernt, und seine Frau, die schon bei meiner Abreise ihr Gehör verloren. Er, eher wie sie, an einer Brustkrankheit, so wie er sich selbst prophezeit hatte! – Junker Gottard hatte die Frau Kreisrichterin noch am Leben gefunden, und als gewesener Hausoffizier seine Schuldigkeit bei der Durchreise beobachtet. Sie hatte ihn vorgelassen. Schade! auch der Reiter tot! Der königliche Rat versicherte mich, dass dieser Offizier so sehr mein Freund gewesen, dass er bei meinem Entschluss, Soldat zu werden, sobald er erschollen, nichts weiter zu tadeln gefunden, als dass ich nicht sein College geworden.

Auch der Professor tot, der eine so vortreffliche Deklamation selbst im gemeinen Leben besass, dass man seine stimme eine Prosaische Melodie nennen konnte. Der