wollt, so bleibt, was Ihr seid, mit der Versicherung, dass Mir Eure seltene Bescheidenheit zum Wohlgefallen gereicht.
Ich wünschte, dass dieser Brief Euch nicht aus dem Wege zu Bädern träfe, wenn sie anders Eurer Gesundheitsverfassung dienlich sind. Ich schenke Euch – – Gern würde ich es sehen, wenn Ihr in Liefland – –
Wenn Ihr Eures Adels wegen Ansprüche befürchtet, so erteile ich Euch hiermit den Adel mit allen seinen Vorzügen, und soll Euch das Diplom, sobald Ihr es verlangt –
Lebet so glücklich, als Ihr es verdient, und als es wünschet
Eure gnädige Kaiserin
K a t h a r i n a ."
Wenn solch ein Brief keine frohe Stunde mehr verleihen kann, wie lebensmüde muss man sein! Gott! was kann solch ein Brief!
Allerdurchlauchtigste! – Nein –
Gute Kaiserin, Mutter eines staates, der nach einer strengen Vaterregierung Peters des Grossen einer Mutter nötig hatte, um das zu werden, was er unvermerkt wird – –
Wenn diese Monarchin mit dem Könige von Preussen ein Paar worden: Welt! was meinst du?
* * *
Ich folgte dem Winke, den mir der Gnadenbrief gab, und ging nach Pyrmont. Schon die Reise schlug bei mir an. Wie gar anders ist's doch, reisen müssen, und reisen wollen. Jeder kann diese Erfahrung beim ersten besten Spaziergange anstellen! Auch selbst die Gesundheitssorge muss man dabei verlieren, sonst ist schon kein feiner Zwang dabei, den die frische Luft nicht vertragen kann!
Mit meiner Wiederauflebung meine uninteressirte Leser, die Spaziergänger bei dieser Schrift, aufzuhalten, wäre unverzeihlich. Gerne erzählte ich sie, aber den Kunstrichtern, die von Amtswegen die Sonne aufund untergehen sehen, und die den grünen Grund im Naturgewande nicht ohne den albernen Gedanken ansehen können: Ei, wenn er weiss wäre! O ihr Toren und trägen Herzens, zu glauben alle dem, was in der natur geschrieben ist!
Ich blieb den Winter hindurch in Süden, lernte je länger je mehr den kaiserlichen Brief empfinden, bis ich endlich so hergestellt war, als ein Invalide es sein kann, dessen Körper ein immerwährendes Wetterglas ist. – Eben ein Stich im Arm, der mir den Wunsch abzwingt, dass meine Leser dergleichen Stiche nicht von selbst bemerkt haben möchten! Was geht's meinen Leser an, dass ich im feld gewesen?
Bei meiner Hinreise ging ich durch Königsberg, wie Mine. Ich sah keinen, als Postbediente; allein was ich empfand, weiss der, der Herzen und Nieren Prüfet! – Ich müsste mich sehr irren, wenn es nicht Se. Spectabilität gewesen, die mir, da ich schon im Postwagen war, so heiter ausfielen, als gingen Sie zu Weine! – Kann gewesen sein; denn bei meiner Rückreise erfuhr ich, dass die Hausmütze Todes verblichen sei – und dass der gute Grossvater, da er keinen blick durchs Ritzchen weiter zu befürchten hatte, gar lustig zu jubiliren angefangen. Alles in Ehren, versteht sich. Jetzt wieder in Königsberg. Ich wiederholte hier meine Studia. – Mein erster gang war zu Sr. Spectabilität, nach dem signo depositionis. Ich fand den Grossvater auf dem Sprunge zu einem Clubb, zu dem er mich mitnahm. Wie man sich doch noch als Grossvater ändern kann, wenn man keinen Ritzenblick mehr zu fürchten hat! Er war seiner Bande entledigt und jetzt ungestört so froh, als wenn seine Tochter den nämlichen Tag hätte taufen lassen, als wenn der Täufling ein Söhnlein sei, und noch obenein nach dem Grossvater genannt wäre. Setzen Sie sich an meine grüne Seite, sagte der Professor (eine preussische Redensart, die zur Rechten bedeutet). Ich setzte mich, und machte an dieser grünen Seite eine Anmerkung, die ich meinen Lesern nicht verschweigen kann. Der gute Grossvater war kein Religionsfreund, obgleich die Bibel so wenig, wie Homer, bestäubt war. Selten ist ein Professor Grossvater ein Religionsfreund. Woher, Freunde? Weil er das Wahre in seiner Lehre aus Gottes Wort geschöpft hat, und weil er einsieht, dass, wenn er seine Wissenschaft aufs Volk herabstimmen solle, man nicht anders lehren würde, als Christus, der Professor des ganzen menschlichen Geschlechts.
Zu diesem Weil noch ein Paar: weil alle w a h r e Philosophie in Zweifel besteht, weil viel Unphilosophisches in die Religion hineingekommen, zu der jeder vernünftige, lautere Christ zu sagen gewohnt ist: "Freund, wie bist du hereingekommen und hast kein hochzeitliches Kleid an?" Solch eines Gastes halber aber die ganze Hochzeitfreude aufzuheben, ist sündlich! O ihr guten Philosophen! macht ihrs wohl wie die Engel, die das Unkraut vom Weizen trennen? Ihr reisst beim Jäten Unkraut und Weizen aus, so dass die Erde ohne Hemde nackt und bloss da ist, als wär's Wintertag, wenn der Wind allen Schnee weggetrieben! – Mich friert!
Was wollt ihr, hochgelahrte Nichtswisser! von den Concilien und den jetzigen Winkelzwiespalten in der Kirche? Fasset doch in euren eignen Busen! Wie lange ist's, dass in Deutschland alles demonstrirt ward? Man hat mir vom grossen W o l f als eine sehr wahre Anecdote erzählt, dass, als ihn einer seiner Zuhörer um ein Demonstratiönchen angetreten, das er keinem abzuschlagen gewohnt war, er gleich auch jetzt damit fertig gewesen. Da der Impetrant den Aufsatz beim Lichte besah, fand er, dass sein Pytagoras das Gegenteil von seinem erwünschten Satze demonstrirt, oder zu deutsch, sonnenklar