Jahre nicht mehr Glauben beimessen wird. Wozu sind auch Kriege, selbst noch ehe das Reich Gottes kommt, wozu? – So wenig durch Disputationen die Wahrheit ausgemacht wird, so wenig entscheiden Siege. Darf ich raten? Hohe Herren, denkt mehr, eure Untertanen zu mehren! So viel liebe Getreue im land, so viel Festungen. Die Bevölkerung ist, wie die Gottseligkeit, zu allen Dingen nütze und hat die Verheissung dieses und des zukünftigen Lebens!
Mit einem Statu morbi kann wohl keinem ein Dienst geschehen, sonst könnte ich damit aufwarten. Die Herren α, β, γ, von welchen Herr α der Kopfhalter war, würden mir diesen Liebesdienst gern erweisen. Es war kritischen Sammlern kein alltäglicher Fall. Eine Quetschung an der Seite, eine Zerschmetterung des rechten Armknochens!
Die unaufhörliche Versicherung der Wundärzte, nie mehr dienen zu können, war mir mehr als alles. Diesen Trost hätten die kunsterfahrnen Herren bei sich behalten können, da ich es selbst so sehr fürchtete.
Der Gedanke, obgleich er sehr natürlich war: was wirst du essen, was trinken, womit dich kleiden? beunruhigte mich keinen Augenblick. Er hat mir wenig Kummer in dieser Welt gemacht. Als Mensch kann jeder leben, wenn gleich nicht jeder als Major.
Romanzow liess mich bei aller gelegenheit Proben seines Wohlwollens empfinden, und das war freilich Oel und Wein in meine Wunden! Der Gedanke, in der Lehre bleiben zu sollen, schlug diesen Aufblick nieder! – Bei dem ersten Anklang der Sterbensglocke, die ich freilich nur in der Einbildung hörte, war ich auch in der Einbildung bei meinem guten Pastor zu L – in Preussen! Mine hatte ihre Ansprüche auf mich geltend gemacht! – Ich fand, dass die Liebe, solch eine Liebe wie die unsrige, durchaus nur auf gewisse Lebensperioden passt, und doch ist, nach unserm Weltlauf, so zu lieben wie wir, Tugend, hohe Aufopferung seiner selbst! Weite Ueberwindung der natur! – Mein Leben war ein lebendiger Tod, und diess ist eben der Zustand des Menschen, wo eine dergleichen Liebe ihr Feuer und Herd hat. Man kann nicht anders sagen, als dass auch solch eine Liebe ihre schönen Tage habe. Dass Böse hat auch sein Gutes, sagte Herr v. G., und es liegt göttliche Weisheit in diesem Ausspruche.
So war das Ende meiner kriegerischen Laufbahn. Folge, dachte ich, dem Wink deines rechten Armes. Er hat Abschied genommen, nimm du ihn auch! und so musste ich denken. Meine Gesundheit war äusserst zurückgesetzt. Du Hast, dachte ich, was du wolltest – ein paar grosse Schritte näher zu Minen; allein ich widerlegte mich selbst. Wohlgehen steht vor lange leben im vierten Gebot, und krank sein ist nicht leben, nicht sterben. Fast ist es ein Mittelding, bei dem jedem einfallen muss: o dass du kalt oder warm wärest! Es gab eine Zeit, wo ich den Tod schlechtin aussuchte, und stehe da, ich hatte weder ihn gefunden, noch das Leben behalten.
Ich erhielt meinen Abschied nicht, sondern einen Auftrag zu einer wichtigen Reise. "Ich weiss keinem diess Geschäft zu übertragen, der es so, wie Ihr, betreiben könnte," schrieb die Kaiserin, und ihr Wunsch, dass die Veränderung der Luft meine Gesundheit wieder herstellen möchte, war mir das, was jeder Rausch ist. Ich fühlte keinen Schmerz und reiste nach Petersburg, und sodann –
Wie bald ich von meinem Jesuitenräuschchen wieder nüchtern worden, darf ich nicht bemerken!
Wer meinen Auftrag näher kennen lernen will, dem dient zur Antwort, dass er geheim war, wer w o h i n ? frägt, kann gründlicher beschieden werden. Freund! da, wo man früher, als in Russland, eine Pfeife im Grünen raucht, früher Spargel isst, und den Wein aus der ersten Hand hat. Wegen der Manschetten muss ich, um die reine Wahrheit zu sagen, bemerken, dass ich sie nicht länger, wie die hiesigen gefunden! – Moden ändern sich!
Obs nicht gut wäre, kränkliche Leute zu Gesandtschaften, und was ihnen anhängt, zu brauchen? Eine Frage, die nebenher auffällt. Ich richtete treulich und sonder Gefährde aus, wozu ich gesandt war; allein meine Gesundheit hatte durch die Luftveränderung noch mehr gelitten! Ich glaubte schon, ich würde lau zu sein aufhören, und kalt werden. – Wohl dem, der es wird! Eine so geschwinde Rückreise, als es die Geschäfte wollten, hätte mich wirklich zu Minen gebracht, da kam – m e i n F r e u n d , und entledigte mich meiner Bürde! So sei es dir wieder, mein Geliebter, wenn du, lebenssatt und müde, suchest, wo du dein Haupt hinlegst. Er konnte sich nur eine einzige Nacht aufhalten, die wir durchwachten! – und wie es doch immer geht, wir dachten nicht an uns, sondern an andere. Er hatte meine beiden Anbefohlenen sehr genau gekannt! Warum, Freund! nur eine Nacht? Er konnte nicht. Armer Freund! der Schlaf wäre dir gesünder gewesen, als solch eine Todtenwache! – Gehe hin in Frieden! in Frieden!
Jetzt, Freunde! hätte ich zum Andreas-Orden gesagt: Geh mir aus der Sonne! Der gnädigste Brief der Kaiserin selbst konnte mir in dieser Lage keine frohe Stunde verleihen!
"Ich entlasse Euch aller Dienste, und, da Ihr durchaus nicht mehr als Major sein