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treibt so sehr die Furcht aus, dass ich eben hier den weisen, tiefweisen Grund des Exercirens entdeckte, das ohne diese Rücksicht Kinderspiel wäre! Eben weil es wie Kinderspiel aussieht, wird es auch von allen Kindern, sobald sie Soldaten sehen, nachgemacht! Man muss sich dicht halten, wie e i n M a n n , ist eine Folge dieser Regel. Ein taktaltender Marsch ist Beweis einer Phalanx. Der Mensch braucht was Unsichtbares, an das er sich hält, und das ist die O r d n u n g . Sobald etwas Unregelmässiges, eine Lücke, sich vorfindet, steht der Feind, dass sein Gegner nicht mehr für einen Mann steht. Sem Mut wächseter wagt! Er siegt! Die Furcht siegt öfter, als Grundsätze der Herzhaftigkeit. Die Furcht schützet Königreiche. Sie ist eine Kunst, wodurch wir andere glauben machen, wir fürchteten uns für nichts. Daher so viele Trasonen, so viele Donner ohne Blitze! – Entalte dich von allem Gewissensvorwurf, wenn du wider deine Feinde ausziehst: das ist wahrlich kein Feldpredigertext, sondern ein teures, wertes Wort! Ist's ein Gott, der uns entgegen ist; wir haben eine gerechte Sache. Ist es ein Mensch; wir sind das, was er ist. Was meinen Sie, meine Herren! würde sich Aristander bedenken, die Phalanx über diese Worte in beliebter Kürze und Einfalt v o n d e n G e s i n n u n g e n e i n e s H e l d e n zu unterhalten? Ich wünschte, er liesse die Predigt drucken!

Die Furcht ist wahrlich ein grösseres Uebel, als das, wofür man sich fürchtet! Was ist es denn, worüber dir die Zähne klappern, als Störche, worüber dir die Sporen zittern, als wollten sie einen Ton angeben? Tritt ihm doch näher; es ist dein Schatten! Die Arznei ist ärger, als die Krankheit! Junker Gottard (bei seiner Eheverbindung kann ihm dieser Umstand weder Schaden noch Leides tun) fürchtet sich in – – in einem Zimmer allein zu schlafen, wo Alexander der Grosse gemalt war! E s w a r e n d o c h n o c h a n d e r e B i l d e r d a , sagte ich ihm, Bruder! d i e d u , i m Fall der Not, zu hülfe rufen könn e n . Er war getroffen, fuhr Gottard fort, als wollte er mit mir sprechen. Immer gerade zu auf mich! Da wandelte mich auf einmal die Vorstellung an: wie leicht kann er lebendig werden! Bruder, hast du ihm denn ins Gesicht gesehen? – Ein preussischer Corporal mit einem Stutzbart, gut getroffen, würde eher zu fürchten sein. Alexander hat, so wie alle seines Gleichen, etwas von einer Kinderwärterin, von einer Amme, im Gesicht. Bei mir hiess es, in Rücksicht auf meine Herzensgeschichte: die Liebe treibet die Furcht aus. In Wahrheit! ein wahres Wort! Der ist unschuldig, der keine Furcht hat, der ist nicht furchtsam, der g a r n i c h t s fürchtet! Die Flamme, welche der Wind anfacht, verfliegt bald! – Wer nach grundsätzen herzhaft ist, wer nicht schnöden Gewinnstes, oder Zeitungsewigkeit halber, die Waffen ergreift, was kann den stören? Widrige Vorfälle! Sind die nicht überall? Mars und Venus halten es mit allen. Ist Mars Zweifelhaft, so ist Venus wahrlich nicht sicher. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich, würde meine Mutter sagen. In allen Sachen Herz zeigen, heisst ein grosser Mann sein.

Hand in Hand ging ich mit meinen beiden Kriegskameraden!

B i a l o g r a d verglich sich. – Desto besser für mein Auge. I b r a i l o f ward von den Türken verlassen! B u k a r e s t ! – B u k a r e s t !

Mit welchem Herzen schreibe' ich diesen Namen! Einer meiner Jünger starb hier einen schönen Tod vor meinen Augen. Gott! welch einen blick er mir gab! – Du Hast mir den Unterricht herrlich bezahlt. Ein unaussprechliches Honorarium. Kein König kann so lohnen! – So nimmt ein wohlgeratener Sohn Abschied von seinem Vater. Seinem Milchbruder konnte er noch die Hand reichen; mir nicht. Wir waren zu weit auseinander. Soll ich's sagen? er wollte mir seine Liebe noch sterbend beweisen! Wird mein gebrochenes Auge hierzu Kraft haben? Er warf mir eine Handvoll Blut zu mit einer Art, die gesehen werden muss! Den Abend vorher sprachen wir kein ander Wort, als vom tod! Er war der froheste unter uns! Gern hätte ich den hochgebornen Todtengräber hergewünscht, um diese und so manche Sterbensscene zu besichtigen. Lieber Graf! hier ist der Tod ganz ein ander Wesen. Wer ihn nicht anders, als aus der kammer kennt (und wäre da gleich ein Observatorium angelegt), weiss hier nicht, dass man stirbt. So wie die grosse Welt von Provincial-Flecken, so Tod von Tod. Zwar sind Sie der Meinung, der Heldentod, der Feldtod, wo der Mensch nicht Zeit und Raum hat, sich in Ordnung zu legen, eh' er dahin fährt, sei keiner Observation wert; allein Sie irren, lieber Graf. – Hier ist d i e g r o ss e