so wenig, da ich Soldat ward, meinen Lebenslauf zu schreiben, als auf der Akademie. Dort wollte ich leben, hier wollte ich sterben. Auch nicht viel auseinander! Kein Wunder, dass ich bei aller menschenmöglichen gelegenheit Mut zeigte. Wäre ich ein Katolik gewesen, vielleicht schrieb ich im Kloster Prodromum aeternitatis, Jacobs Himmelsleiter; als Protestant, sage selbst, liebe Mutter, was konnte ich anders, als Soldat werden? Ich folgte nicht dem Kalbfell, sondern der Todesfahne, in der ein Kreuz hing, dein Lieblingszeichen, das du dir aber meines Vaters halber beim Gähnen abgewöhntest. Es gehört auch für kein gross Maul!
So und nicht anders konnte mir der Soldatenstand nur willkommen sein; ich wollte nicht den Bürger kränken, um mir von seinem Schweiss und Blut einen Bauch des reichen Mannes anzumästen! – ich wollte siegen oder sterben. Mine selbst würde es mir nicht verzeihen, die vielleicht auf dieses Blatt blickt, wie Geister blicken, wenn ich eine Unwahrheit schriebe. Ehre mischte sich in meinen Entschluss, und wo sie nicht ist, was schmeckt? Ich war nicht verliebt in mein Leben; allein ich wollte es nicht um ein Linsengericht dahingeben.
Was kann meinen Lesern mit Scharmützel- und Schlachtrissen gedient sein! Hätte ich geglaubt mich dadurch in bessern Ruf zu setzen, würde ich daraus, mit Gottfrieds erlaubnis, die Beilage C gemacht haben.
Ich war bei dem Treffen, da es zwischen dem Vordertrab des Fürsten Prosorowsky und dem ottomannischen Haufen, der vom Karaman Bassa angeführt wurde, zum Angriff kam!
Ich war bei der Belagerung von Chotzim. Ueberall stand ich wie Urias, ohne sein Empfehlungsschreiben zu haben. Mein lebensgleichgültiges Herz hatte mir diesen Uriasbrief geschrieben, die Ehre hatte ihr grosses Siegel mit einem Adler drauf gedrückt. Bei Chotzim gab mir der Tod, mit dem ich wie mit einem guten Freunde umging, die Hand. Ich ward durch den Arm geschossen! Ich kam dieser Armkugel nicht in den Weg, ich sagte nicht: du irrst dich, hier ist der Fleck! – aufs Herz zeigend. Es ist ein besonderes Ding, das Leben, auch wenn man eine Gemütskrankheit hat, die das Leben schwarz, wie die mondlose Nacht, und den Tod weiss, wie einen schönen Lenztag, poetisch verkünstelt! ES ist doch das Leben, worauf es angesehen ist!
Ein Armbruch ist im Kriege ein Aderlass; ehe ich selbst dachte, war ich da, und froh, dass ich da war! Geschäfte sind dem Menschen nach unserm Weltlauf so nötig, als das tägliche Brod. Ich kann nicht sagen, dass ich Minen drüber vergass; allein Handlungen sind der Einbildung so entgegen, wie wasser dem Feuer!
G a l l i z i n , der mich bis zum Hauptmann gebracht (er war so gut, zu sagen, ich allein hätte es getan), übergab das Commando dem R o m a n z o w . Auch er verdient einen undanksichern Platz in der geschichte.
Ich stand unter dem braven General E l m p t bei der Einnahme von Jassy.
Was wert zu sehen war, habe ich gesehen. Was ist doch Paris und Rom und die schönste Schweizergegend gegen diesen Schauplatz? Ich sah mehr, als was alle Künstler zeigen können; ich sah den grossen Sieg, da das türkische Lager erobert ward! – Möchten sie doch das heilige Grab verlassen, wie ihre Zelter! – Da sah ich den Prinzen W i l h e l m v o n B r a u n s c h w e i g siegen! Warum nicht sterben? Was will eine Civilkrankheit von Helden? – Wie mir sein Tod nahe ging, bloss weil es ein Betttod war! Kein Prinz sollte einen Civiltod sterben!
Ich sah B e n d e r mit Sturm erobern. Es war ein Wirbelwind; ob es gleich nur Türken galt, wandte ich doch mein Auge von der Plünderung. Feinde laufen, Prinzen ihr Leben ausschlagen sehen, ist ein Anblick, der seines Gleichen nicht hat. Welch ein Abfall! die Plünderung! drei Auftritte gingen mir bei dieser Plünderung durch die Seele. Mein Herz rief w e h e ! über sie. Sie sollen nicht meinen Lebenslauf verunreinigen!
R o m a n z o w commandirte mich zum P a n i n s c h e n Corps. Er schien mit mir zufrieden zu sein und begiessen zu wollen, was Gallizin gepflanzt hatte. Romanzow band mir ein paar vornehme Russen auf die Seele. Nicht sollen sie, sagte er, wie an der Schnur irgend eines Unterrichts einhergehen! – Sie sind schon vor solch einem Garn gewesen! Wir Russen sind gewohnt, die Antwort aus der Frage zu nehmen! Reim dich oder ich fress' dich, ist unsere Regel! Durch Umgang, ohne Uebergang und Curialien, wünschte ich, dass Sie dann und wann einen Funken Ihres natürlichen Verstandes in ihr Herz und ihre Seele fallen liessen. Zünden wird es, hoffe ich! – Es waren ein paar allerliebste junge Helden! Sie wussten vom Handwerk mehr, als ich; indessen schlossen sie sich so fest an mich an, als brauchten sie über alles, was sie wussten, meine Bestätigung. Die matematische Metode ist in der Philosophie abgekommen, und ist die Matematik heute zu Tage, da alles, was nur einen halben Kopf hat, studirt, zum Soldaten nötiger, als Gesinnungen, als Grundsätze? Wer kann denn den Franzosen