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Aber weinen! –
Würden wir wohl weinen können, wenn wir nicht weinen sollten?
Gerne hätte er, wie er sagte, seinen Vater im Sarge gesehen! Du hast mir gesagt, es gebe Gesichter, die sich da ausnehmen! Mein Vater war einer von denen, die im tod getrost zu sein verstanden. Es freute den Junker Gottard, dass sein lieber Vater, wie er es nannte, zu Kreuz gekrochen und sich mit der Bibel ausgesöhnt hätte.
Seine Mutter hatte ihn von allem unterrichtet, und im Postscript, das fast eben so lang als der Brief war, vorgezeichnet, wie die Trauer beschaffen sein sollte. Die Regel jenes Alten, die er gab, da man ein Mittel wider den Schmerz von ihm verlangte, brachte den Junker Gottard wieder auf die drei Finger seiner linken Hand: d e n k e a n d i e Z u k u n f t , a l s w ä r e s i e d a ! – Wahrlich, eine schöne Regel!
Gibts Schmerz? könnte man fragen, und: gibts Freude? darauf antworten. Bei Gott ist Finsterniss Licht. Böses ist bei ihm Gutes. Er sieht wie Gott, und wir wie Menschen! – Podagra ist Originalschmerz! Edles Salz, uns das Leben schmackhaft zu machen, das ist Schmerz! – – – Dass dem Junker Gottard seine gute T r i n e einfiel, wer kann es ihm verdenken? Ich verdenke keinem, was die natur ihm nicht verdenkt! Da ich ihn aber an die l i e b e K l e i n e , an Lorchen, erinnerte, schlug er den Kopf zurück. Kinderspiel! Das war alles, was er sagte. Junker Gottard ward, was er nie gewesen, krank, und konnte nicht reisen. Die ärzte widerrieten ihm die Reise, und seine Mutter, da sie die Nachricht von seiner Krankheit eingezogen, verbot sie ihm. Sie verfügte eine Zeit, damit er sich ja nicht übereilen möchte. Ihren mütterlichen Segen setzte sie darauf. – Junker Gottard blieb, wie er mir sagte, gern m e i n e t w e g e n ! und ich läugne es nicht, dass ich mich ihm und seinem Gottfried in dieser Vorbereitungszeit mehr widmete, als vor diesem!
Einen Morgen traf ich ihn mit einer Taube beschäftigt. Er wollte ihr beibringen, die Wicken aus den Erbsen zu lesen! – Bruder, setze den Citronenbaum dem Fenster näher; siehst du nicht, wie er seine Aeste nach der Sonne reckt? – natur, Bruder! – Wie kannst du glauben, dass eine Taube sich so verläugnen sollte? – dafür ist es eine Taube! erwiderte er.
Ich würde sie verachten, wenn sie keine Erbse mit verschlänge!
Zugegeben, sagte er eines Abends, da er sich durchaus noch eine Viertelpfeife länger mit mir unterhalten wollte. Alles zugegeben, eine Flinte ist doch was Grosses. Jupiters Scepter! Donner und Blitz! Jupiter würde sich nicht schämen, sie zu führen.
J e aufgeklärter die Nation, je weniger wilde Tiere, erwiderte ich. Wilde Tiere, wilde Menschen!
E r . Der Sohn des Achill ging mit zwei Jagdhunden in die Versammlung der Achäer.
I c h . Wilde Tiere sind Strassenräuber.
E r . Darum Jagd.
I c h . Ich. wünschte Ausrottung!
E r . Und wo denn Fleisch in der Wüste?
I c h . Wachteln! Vogelwild!
E r . Vogelwild ist Weiberwild. Männer sollten so männlich sein und diesen Jagdabschnitt den Weibern überlassen! Nicht wahr, auch Haustiere?
I c h . Freilich, wenn durchaus Fleisch sein soll, wenn Manna nicht hinreichend ist. Man muss doch von jeher Gewissensbisse übers Fleisch gehabt haben, sonst würde nicht in den christlichen Kirchen die Fleischfasten ein Religionsstück worden sein. Der Mensch, dünkt mich, ist Souverän der Erde, kann essen und trinken was er will, was sein grosses Haus, die Erde, nur vermag! – Was seiner Souveränetät in Weg kommt, begeht Hochverrat! Alle schädlichen Tiere sind Verräter. Nimm England!
E r . Hasen gibts da noch
I c h . Die sind zu keinem Hochverrat aufgelegt.
E r . Der Hauptjagdartikel!
I c h . Du sprichst dein Urtel selbst. Siehe da! den Beweis, dass die Jagd mehr ein Spiel, als eine Ausübung der Majestätsrechte über die Tiere ist! – Freilich kommt der Jäger mit List, Hunden und Flinte, so wie jeder Despot; allein der Sache nahe getreten, ist er Fiskal, Richter, Henker, der im Kleinen den Monarchen spielt! – Ausrottung, Bruder, Ausrottung!
E r . Du redest, wie Moses von den Canaanitern, Hetitern, Amoritern.
I c h . Mit dem Unterschiede, dass meine Canaaniter Bären, wilde Schweine, Wölfe und andere dergleichen schadenfrohe Tiere sind.
E r . Und England?
I c h . Ich bitte.
E r . Dieser Wildfang von Staat ward, was die Tiere erst waren, ward wild.
I c h . Frei, willst du sagen, und Curland, diess Bärenland!
E r . Gute Nacht, Bruder!
I c h . Gute Nacht!
E r . Mein Vater pflegte zu sagen, der Monarchist reitet, der Aristokratist fährt, der Demokratist geht zu Fuss, wie jeder kluge Mann.
I c h . Der Despot lässt sich in der Sänfte tragen.