. Alcibiades, lieber Professor, zeigte dass er lebte.
Der Professor schwieg, ohne zu lächeln. Ich würde unserm Reiter, der wahrlich ein deutscher Brief mit einer französischen Aufschrift war, die Verachtung des grossen Alexanders verziehen haben, obgleich Alexander mein Verwandter war, und worden sein, wie er Einer, wenn nicht zu allem dem noch ein Vademecum von Werbgeschichten gekommen wäre, die der Reiter in Bereitschaft hatte, und die mehr interessiren, als die im Druck erschienenen L i s t u n d lustige begebenheiten der Herren O f f i c i e r a u f W e r b u n g e n . Es ist bekannt, dass Preussen für seine Kriegsmacht zu wenig Vaterländer habe, und dass durchaus auf Fremde Rücksicht genommen werden müsse. Mein Herr, sagte ein Witzling, braucht nicht K i n d e r , sondern Männer, als man von der Unzulänglichkeit der preussischen L a n d e s k i n d e r sprach. Kann man aber vom Witze sagen, dass er seinen Mann halte? – Der Krug geht so lange zu wasser, bis er bricht, bemerkte der Professor über diesen Gegenstand. Es kommt viel darauf an, wie man ihn trägt, erwiderte der Reiter. Mag sein! Was kann denn aber ein Fremder für innerlichen Beruf fühlen, für ein fremdes Land zu siegen, oder zu sterben? Sollte man es nicht für eine Art von Blutschande halten, wenn Fremde für Geld und gute Worte Blut und Leben in die Schanze schlagen? Freilich geben auch zwei kalte Steine Feuer; allein man muss sie lange reiben; mit einem eilfertigen: Fertig, schlagt an, Feuer' ist es hier nicht getan. Zur Zeit der Anfechtung fallen die Mietlinge ab! – Gut, sagte der Reiter, dass der Spreu vom Kern stiebt! – allein noch besser, wenn keine Spreu mehr da ist. Der Professor! – Sollen Werbungen sein, warum denn list- und lustige begebenheiten dabei? ist es denn so unrecht, wenn ein mit List und Luft Geworbener sich mit List Ein Officier, der aus List und Luft in gemeiner
Bei grossen Handlungen ist kein Stand merklich. Man sieht den Menschen nicht vor der Tat. Jetzt, da beide unter Dach waren, sah der Officier, dass die Seele seines Lebensverehrers weit über dessen Stand wäre! – Der Gerettete liess auftragen, was das Haus vermochte. Macht nur den Versuch, es kommt nur auf euch an, wie ihr den gemeinen Mann haben wollt. Ihr habt den Stimmhammer zu seinen Gesinnungen in euren Händen! –
Der Officier, so wenig zum Stimmen aufgelegt, dass er bis auf eine sehr kleine kultur tief unter seinem Retter stand, verhielt sich herrlich zu ihm. Man ass und trank, und ward, wie der Reiter sich ausdrückte, von innen so nass wie von aussen. In diesem ausgelassenen Vergnügen nötigte der Officier seinem Erretter ein Versprechen ab, das sogleich durch eine rote Binde in Rechtskraft gesetzt ward. Unser Reiter nannte diese Erzählung einen Wasserfall und tat so listig und lustig dabei, dass es jedem von uns wie ein zweischneidiges Schwert durch die Seele ging.
Wenn das der König wüsste, sagte der königliche Rat! – Wenn? erwiderte der Reiter; was für ein Federleser wird es ihm denn melden? Da niemand das Wort nahm, fuhr der Reiter fort: Nachdem es fällt. Was für Collision ist denn hier, wenn man die Sache beim rechten Zipfel fasst? –
Ich wünschte, diese zweischneidige geschichte so kalt erzählt zu haben, als sie der Reiter erzählte, der mir in diesem Augenblick mit seiner List und Lust wie ein Menschenhändler vorkam! Er glaubte, dass der Retter nicht höher, als durch eine rote Binde belohnt werden könne, da er aus einem Sklaven ein Gebieter worden! Wie man alles in der Welt nehmen kann! Das Copernicanische System scheint paradox und ist doch das wahrscheinlichste! Der Retter war freilich ein gemeiner Mann; muss man denn aber einen Degen tragen, um glücklich zu sein?
Ich dachte nicht mehr w o ? Die Russen können von Riga aus den Curländern in die Fenster sehen! Unser Reiter selbst konnte den Russen nicht ein gutes zeugnis abschlagen. Er hatte sich mit ihnen gemessen, und sein Vater, der während des dritten schleichen krieges in Preussen den Russen zu huldigen verbunden gewesen, hatte alles liebes und Gutes von diesen guten Feinden genossen! – Alles, fügte er hinzu, alles haben die Russen von uns. – Mag! Man sagt freilich, die Russen ahmten nach. Besonders dass eine Nachahmung der natur, eine Beschleichung derselben, eine unmittelbare Befolgung der Vernunft, eine Erfindung heisst, und von niemandem, als wer es versteht, Nachahmung gescholten wird. Nur wenn ein Mensch ein Menschennachahmer ist, heisst er Affe. Männchenmacher, oft Possenreisser; dann siehts aus, als wenn man im verbotenen Grade geheiratet hätte. – Ist's eine Blutschande, für ein anderes als das Vaterland den Degen blössen, so ist hier die Blutschande noch ersichtlicher. Wahr! dass kein Menschennachahmer es weit bringt und die Nase (bei jeder Nachahmung ein Hauptstück, das in Bewegung ist) hoch heben kann. Warum aber wahr? Weil der Menschennachahmer vielleicht mehr vermochte, als sein Herr und Meister, weil der Nachahmer kein Herz hatte; und weil überhaupt es nicht viel Menschen gibt, deren Bild man tragen kann.
Jeder Mensch ist Original, sagt Pope, und wie