bei der Hand bleiben und nicht bis zum kopf kommen. Wer dem Menschen das Denken nehmen will, setzt ihn herab. Denken kannst du, du kannst denken, das Grübeln, das Weiterhinausdenken als vier und zwanzig Stunden, zwölf in die Länge und zwölf in die Breite, ist dem Menschen schädlich, und Tinte und Feder, Papier und Presse sind eben solche Verheerer des menschlichen Geschlechts, als Bomben, Kartätschen und Pulver und Schrot und Büchsen und Säbel.
Mein lieber Vater war über diesen Gegenstand ein Verschwender, er gab ungezählt – ich will bedachtsamer zu Werke schreiten und mit geiziger Kürze nur etwas von seinen grundsätzen ausgeben. Der Himmel gebe, dass es lauter seltene Schaustücke wären, ich würde sie meinen Lesern herzlich gönnen.
Dass jeder Kinderlehrer verheiratet sein müsse, wissen wir schon. Man hat, sagt' er, lange auf Verbesserung der n i e d e r n S c h u l e n gedacht, und freilich müssen diese eher verbessert werden, als h o h e , wo du, mein Sohn, dein Heil versuchen sollst; allein man sollte noch eine Stufe heruntertreten und mit der Verbesserung der Mütter dieses gute Werk anheben. Man sollte Töchter ziehen, ehe man noch an Söhne kommt. Jetzt ist die Erziehung, wenn man an die Männer appellirt, gemeinhin schon in der ersten Instanz von unwissenden und ungeschickten Sachwaltern verdorben, und die Kur einer von der Mutter verfälschten Seele. – Was in so vielen Generationen verdorben ist, muss wieder allmählich verbessert und zu seinem anfänglichen Wesen gebracht werden. Desperate Mittel sind eben so viel gewisse Morde. Bliebe der Mensch bloss Mensch, er müsste sehr alt werden und beinahe unsterblich sein. Jetzt aber, da ihn die Vernunft verleitet, von der Landstrasse bald zur Rechten, bald zur Linken abzuweichen, und teils seinem leib, teils seiner Seele zu viel zu tun, fällt er eher wie ein wurmstichiger Apfel ab. Er hat einen Wurm, der ihn zehrt.
Den rechten Weg abzustecken und auf dessen Erhaltung zu sehen, wäre die Pflicht der Gelehrten. Sie sollten Wegcommissärs für das menschliche Geschlecht sein. Wer einmal den rechten Weg verschlägt, kommt immer weiter vom Ziele.
Ein Vater kann mehr als ein Kind haben und ein Lehrer mehr als einen Schüler; allein seht euch nur um. Der von zehn Jahren ist eben so weit als der von fünfen.
Man kann den Privatunterricht nicht verachten. schulen haben ihr Gutes; der Privatunterricht, der der natur näher verwandt zu sein scheint, auch.
Elementarbücher sind sehr gut, allein ein Elementarlehrer ist noch besser. Für wen sollen Elementarbücher geschrieben werden? für Genies, oder für Mittelmässige, oder für Marode? Will man sie für Mittelmässige schreiben, um die Mittelstrasse nicht zu verfehlen, auf der viele wandeln, leiden andere, die den schmalen Weg anzutreten Herz haben und die enge Pforte nicht scheuen weil sie zum Leben führt. Die Bibel ist das einzige Buch, das für alle Menschen passt, ein göttliches Elementarbuch.
Ein poetischer Kopf darf nur vieles durchblättern, von allem nimmt er Zoll. In der ganzen natur schreibt er Schatzung aus. Er befindet sich in den Wissenschaften auf Reisen, wo ihn oft etwas aufhält, worauf der Eingeborene, das Landeskind, der Philosoph nicht kommt. Ein denkender Kopf weiss weniger, allein seine Aecker kennt er auf ein Haar. Er t h u t , wenn ich so sagen darf, was der Dichter w e i ss . Ein grosser Kopf ist eine Mischung von beiden. Selig sind, die wissen! Seliger die tun! Und am seligsten die wissen und tun! So viel Köpfe, so viel Sinne; so viel Alexander, so viel Welten; so viel Planeten, so viel Bahnen; so viel Genies, so viel Metoden.
Es ist unerhört, dass unsere Schulhalter lauter Geistliche sind. Sehr klug für die Geistlichen, besonders in der monarchischen Kirche. – Unsere Knaben werden alle erzogen, als ob sie Schulmänner werden sollten, unsere Töchter, wenn's köstlich gewesen, als Mamsells (als französische Hofmeisterinnen).
Jedes Mitglied des staates muss sein Votum haben, wenn eine allgemeine Schulanstalt im staat erbaut werden soll. Bei Töchtern dürfen nur drei ganz gewöhnliche Weiber votiren. Diese Weiber müssen gesund sein, jede einen Sohn und eine Tochter haben, auch NB. jede nur einen Mann. Jünglinge haben viele Zwecke; Mädchen nur den, Weiber und Mütter zu werden. Ein gutes Weib ist auch immer eine gute Mutter.
Schule und Welt ist jetzt zweierlei. Schulbegriffe sind mit einem Worte solche, denen die Erfahrung widerspricht. In der Schule sind Worte. Sachen, Nadel und Zwirn sind ein Kleid, Mittel ist der Endzweck.
Schullehrer! bleibt nicht auf der Bank mit euren Schülern, sondern zieht mit ihnen in die freie Luft der natur, werdet Peripatetiker. Lehrt sie im Angesicht Gottes – oder lasst sie nur herumgehen; die natur selbst wird sie besser unterweisen als ihr, wenn ihr Gottes Wetter nicht ertragen könnt.
Die Gabe zu unterrichten (donum docendi) hat jeder Mensch. Wer durch die rechte Tür gekommen ist, wird auch wieder durch die rechte Tür herausfinden. Wer eine Treppe in die Höhe steigen kann, wird sie auch herabsteigen. Bergab ist immer leichter. Wer eine Sache halb weiss, kann nur ein Vierteil beibringen. Wer nur ein Vierteil weiss, ist ein Mietling. – Je länger ich studire, je kürzer ist die Predigt.