will zur Tür hinaus, ehe die Kirchenältesten die Sammlung anheben. Siehe da! die benachbarte Tür ist verschlossen; und so muss er durch die ganze Kirche, und alles zeigt ihm mit Fingern nach. Er hatte nur einen Gulden in seinem ganzen haus, und fünf Kinder, die nach Brod den Mund aufsperrten. Mein zweiter Herr behauptet, dieser Trostlose hätte mehr gegeben, wie sie alle, obgleich er nichts gab. Er liess sich schnöde mit Fingern nachweisen. Wenn es doch mit dem Gulden wie mit dem Oelkrüglein ginge. Gott geb's.
Hab' mir noch einige Knoten in's Schnupftuch gemacht.
Ein armes Weib bekommt drei Kinder, und hat nur mit genauer Not ein Hemdchen vor ihrer Niederkunft zusammengebracht. Wie das dritte kommt, ringt sie die hände. Das arme Weib will die beiden jüngsten nackt taufen lassen! – Der Prediger gab nichts als drei Segen, und wollte auch für drei bezahlt sein. Was aber die Leute, ohne dass sie Gevattern waren, dem armen weib zugewandt, ist nicht zu beschreiben! Müssen doch noch mehr Gerechte hier sein als in Sodom, wenn gleich man mit "U n s i s t g e b o r e n e i n K i n d e l e i n " vor den Judentüren hausiren geht, eine Wäscherin einen Kohlenbrenner heiratet, eine Herrenhuterin Putz macht, ein stimmloser Candidat für Juden und Heiden Predigten fabricirt!
Ein grosser Knoten! – Meine Herren klagen alle Morgen über die schlechte Milch. Freilich sieht sie aus, als käme sie von einer der sieben magern Kühe. Doch liegt's nicht an der Kuh und wird sie mit wasser von den Mädchen verfälscht, die sie ausschreien! – Da geht eines dieser Milchmägdlein, und der Wind reisst ihr ihr rotes Tuch vom Halse, und nimmt es mit ins wasser! – Weg ist's! Da steht sie mit blossem Busen, wie die junge Frau, die nackt gehen wollte. Vom wasser kommt's, zu wasser geht's! So gewonnen, so zerronnen, sagten die Leute, und Ew. Wohlehrwürden werden diesen grossen Knoten verzeihen.
Es ist eine extra-fromme Schule, wo ein Knabe gefragt wird: wer ist dein Vater? Soll antworten: der Teufel, wie es geschrieben steht; der Junge ist so dumm und sagt: Erzpriester in –; ist darüber hart angesehen, wie er's auch wohl verdient hat.
Habe so viel von einem grossen Gelehrten erzählen gehört, der im grossen Weinfass seine wohnung genommen, und sich über alles aufgehalten, was ihm zu nahe gekommen. Ein Mann desselben Schlages ist allhier befindlich. Seiner Profession ein Jude. Sagt allen Leuten eine trockene Wahrheit, hat nur den Fehler, dass er betrügt, wie andere. Mag wohl der Fassgelehrte auch nicht ohne Tadel gewesen sein.
Das Pflaster einer der besten Strassen wird gebessert. Was wollt ihr? fragt der Jude, da sie mit Spaten und Steinen kommen. Die – – Gasse ausbessern! Das geht nicht mit Steinen, sondern mit Friedrichsd'oren. Eine Münze, die hier fünfzehn Gulden gilt, und der der König seinen Namen gegeben hat. Ist doch nur ein Stückchen Gold, und Ew. Wohlehrwürden sollten Lieschens schönen Jungen sehen! – Ich denke' ich zerreiss das Protokoll und verwerfe die Stücke.
Der Jude ist ein sonderbarer Kauz! "Hängt ein Jude," sag er, "wem kommt's wohl ein, zu schreien: Da hängt ein Dieb! da hängt ein Jude! sagt jeder."
Was habt Ihr das Jahr? gestrenger Herr, fragt er einen Richter. Bald viel, bald wenig, wie es fällt, erwiderte der gestrenge Herr. Sporteln meint Ihr doch? fügte der Richter hinzu. Nicht doch beschloss der Jude, Flüche und Segen.
Der Reiche, hat er sich verlauten lassen, ist ein Kettenhund des lieben Gottes, den er an die Kisten und Kasten gestellt hat. Der Reiche bezahlt für den Armen; dieser geniesst, jener trägt die Kosten.
So geht's, sagt' er, da jemand fuhr, der sich durch einen wohltätigen Bankerott bereichert hatte; der Herr fahrt, weil er sich vergangen hat.
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Eine Hand wäscht die andere. Gottfried hat für mich ein gut Bekenntniss getan, und ich kann ihm mit gutem Gewissen Gleiches mit Gleichem vergelten! Es war kein Augendiener, sondern einer von Herzensgrunde. Wissbegierig bei mittelmässigen Fähigkeiten. Ein seltener Fall. Ost vergass er aus Achtsamkeit dem königlichen Rat den Teller zu nehmen, und bald gab er ihm Salz für Pfeffer und Essig für Zucker. Der königliche Rat liebte alles sehr süss. Gottfried hörte überhaupt mehr, als er sah; war nicht etwa ordentlich, sondern peinlich. Es verdross ihn nichts mehr am J u n k e r G o t t h a r d , als dass er die Groschen und Pfennige oft unberechnet liess. Herzlich freute er sich über meine Bemerkung: Bruder! zum Kaufmann und tiefen Gelehrten hast du keinen Beruf; die berechnen Pfennige. Dichter aber könntest du werden. – Nach Noten, erwiderte Junker Gottard! Gottfried lächelte und dachte vielleicht innerlich, zum tiefen Gelehrten mehr Anlage zu haben, als der gnädige Herr!
Zuweilen übertrieb Gottfried diese Anlage. Wenn er Spielgeld wegtrug, bestand er auf eine Quittung, worüber er einmal bei einem Haare aus dem Regen in die Traufe gekommen wäre