gleich ist in Lehre und Leben!
Um zur Hauptsache zu kommen, die Ew. Wohlerwürden mir auf meine arme Seele gebunden, so habe ich mancherlei von Ketzern auch in Curland gehört; allein wer den Teufel nicht selbst gesehen, hat keine rechte Vorstellung vom bösen Feinde. Die Ketzer sehen, Gott sei's geklagt! aus, wie wir andere Christenmenschen. Vom Kopf bis zu Füssen, nicht einmal lassen sie sich den Bart wachsen, wie Judas in den drei Kirchen. Man hat mir erzählt, dass unter den Doktoren und Schriftgelehrten sogar viele wären, die nicht reiner Lehre sind; allein hier ist jeder für sich, und Gott für uns alle. Ich habe mir einen Candidaten zeigen lassen, der seine stimme durch eine Erkältung verloren, aber darum geht ihm kein Dreier ab. Er steht sich besser, als wenn er eine Gemeinde und eine stimme hätte. Er lebt vom Predigtmachen so gut, als einer, und wenn der Pastor unter den Mennonisten, den Reformirten, den Katoliken, selbst unter den Juden, eine Predigt nötig hat, husch! ist er mit fertig, und wer sie hört, merkt nicht auf tausend Meilen, dass ein luterischer Candidat ohne stimme diese Predigt ausgeheckt. Der Herr Sohn sagt: der Mann sieht wie die Toleranz selbst aus, und da war ich noch übler mit diesem Candidaten daran wie zuvor; denn ich fand an ihm kein Abzeichen, ob ich ihm gleich zehn Strassen nachlief, wenn ich ihn gehen sah. Was er darüber gedacht hat, fahre in die nächste Predigt, die er für den Rabbi macht, welches allhier ein feister Mann ist, der wie ein Wechsler aussieht und von Moses kein Haar hat. Die Toleranz sieht wie der Herr Candidat aus, und der Herr Candidat wie ein anderer ehrlicher Mensch. Was ich mir darüber den Kopf zerbrochen habe! Gestern bemühte sich der Herr Sohn, das Wort ins Licht zu stellen, wozu ich ihm Feuerstein und Toleranz heisst: wenn man fünf gerade sein lässt, Bei uns essen die Juden und die Edelleute freilich h a n n und ist, bis auf den katolischen Glauben, ein guter Knabe, der mich neulich in seine Kirche schleppte, wo ich eine Predigt gehört, die, Gott sei bei uns! mir so vorkam, als wäre sie luterisch. Das soll mir eine Warnung sein, nie mehr in unächte Kirchen zu gehen. Die preussische Luft ist so tolerant, dass man wie behext dasteht. Ew. Wohlehrwürden versichere auf Ehre, dass, Gott steh' uns bei! wenn ich mir die Augen verbände, ich ein "Vaterunser" in der katolischen Kirche beten könnte, trotz dem Johann, der beim ersten luterischen Prediger dient. Wie sich das alles hier spricht und widerspricht! – Ein Wäscherin heiratet einen Kohlenbrenner; eine Herrenhuterin, die selbst so schlecht und recht einhergeht als könnte sie nicht drei zählen, nährt sich vom Putzmachen. Jedes geht seinen Weg. Keiner legt es an, den andern zu bekehren. Juden, das versichere Ew. Wohlehrwürden auf meinen christlichen Glauben, kommen sogar in christliche Kirchen, nicht um sich zu bekehren und zu leben, sondern um eine wohlgesetzte Predigt zu hören. In der Kirche bis auf die schöne Musik zu, ist es wie auf dem Tanzboden. Alles fasst sich an, hier mit der Hand, dort mit den Augen. Dass die Toleranz dem lieben Gott ein Gräuel sei, weiss ich wie einer, dass aber die Leute hier just so dick und fett sind, wie anderswo, ist nicht zu läugnen. Mag aber wohl ungesundes Fett sein! Hexen glaubt' hier kein Kind von acht Tagen, das doch so in seinen besten Glaubensjahren ist. Mein adelicher Herr sagte gestern: Wenn hier die alten Weiber (mit Ew. Wohlehrwürden erlaubnis) noch so hässlich aussehen, es ist keine der Gefahr ausgesetzt, verbrannt zu werden, wiewohl auch zu meiner Zeit keine in Curland, Gott sei's geklagt! in Rauch aufgegangen. Ich möchte gern eine prasseln hören. Muss doch einen besonderen Knall geben! Der Himmel weiss, wie es kommt, so hässlich sind die alten Weiber in Curland nicht, wie hier. Mag wohl kommen, weil sie hier nicht alt sein wollen. Die Mädchen so frech, dass nur noch jüngst eine Ehefrau (ich stand hinter ihrem Stuhl so behext, wie in der katolischen Kirche) die Frage aufbrachte, warum wir nicht alle nackt gingen, wie im Paradiese? Da bin ich gut dafür, dass Ew. Wohlehrwürden das Wort "nackt" noch bis diesen Augenblick nicht ohne Röte werden aussprechen können, und diese – war nicht einmal rot. Sie forderte ein Glas kalt wasser. Dass dein Feuer gelöscht werde, dachte ich; allein es scheint, sie bedürfe des Löschens nicht. Ländlich, sittlich! könnte man wohl sagen, wenn bei dieser Sache auch nur das mindeste Sittliche wäre. Man hat mich versichert, dass dergleichen Mädchen mit blossen Busen, hinter deren Stuhl man behext wie in der katolischen Kirche ist, die tugendhaftesten wären. Erbsünde hat jedes, Ew. Wohlehrwürden selbst nicht ausgeschlossen. Das grüne Holz, die Frommen, die Stillen, sollen hier zu land das dürre sein, und davon kann Ew. Wohlehrwürden ein Pröbchen geben. Grad über, wo wir einwohnen, war ein Mädchen, in ihrer Art nicht uneben. Sie tat so züchtig, als kennte sie den alten Adam nicht anders, als im