, er ist allen fragen entgangen. Er hat überwunden. Mein Vater schlug sich diessmal im eigentlichen Sinne mit seinen eigenen Worten. Wie doch immer der liebe Gott das Beste tut, so musste er es vorzüglich bei dieser Predigt tun, da mein Vater ganz zerstreut war und nicht wusste, wie es mit seinem Freunde hinauswollte! –
Meine Mutter bemerkt, dass Herr v. G. kein Wort von allen drei W i r ' s mitgesungen, bis die Worte gekommen: nach diesem Elend, da wollte er, wie sie ihren sichern Nachrichten Zufolge schreibt; allein er konnte nicht. Es kann ihm auch wohl, schreibt sie, den ganzen Glauben über übel gewesen sein. Wahrlich! liebe Mutter! am Ende des Glaubens war ihm wohl, sehr wohl! Ende gut, alles gut!
Auch berichtet sie, dass Herr v. G. ohne Klang und Sang, indessen wider seine öftere Aeusserung, nicht in die Erde gescharrt, sondern nach der Anordnung seiner Frau Gemahlin in dem Familiengewölbe beigesetzt sei. Gott schenke ihm, so schliesst sie, eine fröhliche Auferstehung! Amen!
Ich weiss nichts hinzuzufügen, als dass die Frau v. W. sehr gerne, ihrem Gemahl zu Gefallen, des Herrn v. G. halber Trauer anlegte. Herr v. W. tat so, als ob Junker Gottard schon wirklich sein Schwiegersohn wäre. Beim Herrn v. W. blieb es bei der Trauer; allein seine Gemahlin war so betrübt, dass die Schmähsucht zum Glimpf und Namenbruch, wie meine Mutter sich ausdrückte, gelegenheit genommen hätte, wenn nicht vom seligen v. G. und von der v. W. die Rede gewesen. Herr v. G. hatte von jeher viel Freundschaft für die Frau v. W. bewiesen. In seinem Glaubensbekenntnisse stritt er ihr die Erbsünde im teologischen Sinne glatt ab. Gott schuf ihr Herz, pflegte er zu sagen, im stillen, sanften Mondenstrahle! Sein Finger ist kenntlich. Sie ist das Liebchen der natur. Sie nascht ihr, wie ein frommes Lämmchen, aus der Hand! – Wie wahr! Und wer war ein treuerer Naturkenner, als Herr v. G.?
Meine Mutter versicherte, dass nie eine Trauer besser gestanden, als der Frau v. W. über ihren Freund! – obgleich, fügte sie hinzu, sie beide vor Gott noch keine Verwandten sind. Der Mensch d e n k t , Gott lenkt.
Noch einen Ausdruck aus meiner Mutter Nachricht, den Tod des Herrn v. G. betreffend. Sie bemerkte, Herr v. G. wäre zwar ein braver, allein kein kreuzbraver Mann; jenes sei ein Sokratiker, diess ein Christ. – Warum ist er doch nicht in die Erde gescharrt, dieser brave Mann, dieser Naturmann!
Genug vom Herrn v. G., der bloss aus Nächstenliebe in diese geschichte gekommen, der keines andern als des Gastrechts sich zu erfreuen gehabt. Gott schenke ihm eine fröhliche Auferstehung – und uns zu seiner Zeit eine selige Nachfolge!
Der Tod meiner Mutter bewog mich, mich wegen des Nachlasses meiner Eltern an einen Rechtsfreund zu wenden. Ich konnte und wollte nicht nach Curland. Meine Leser kennen meinen Bevollmächtigten, es ist der Protokollist, dem der gelehrte α – aufgab, nichts auf die Erde fallen zu lassen, was im Blutrate über Minen vorfiel.
Ich statte dem Curator funeris hier öffentlich meinen Dank ab, ohne zu wissen, ob meine Leser diesem Danke in Rücksicht der ihnen mitgeteilten Nachrichten beitreten werden. Ich wünschte es wohl –
Unter den mütterlichen Papieren, welche er m i r übersandte, war ein B r i e f b u c h , welches unser G o t t f r i e d meiner Mutter zugeschrieben. Diess war der geheime Auftrag, den man dem Gottfried, da wir auf dem Gute des Herrn v. G. in Königsberg schliefen, eben so ansah, als es ihm anzusehen war, dass er geweint hatte. Es sei dieses B r i e f b u c h unter den Abc-Beilagen die letzte. Mit welchem Herzen ich diess Wort l e t z t e niedergeschrieben, weiss Gott und mein Freund – – es.
Beilage C.
Einen freundlichen Gruss und alles liebes und Gutes
zum voraus, Wohlehrwürdige, Veste, Hoch- und
Wohlgelahrte Frau Pastorin! Fürsichtige Seelsorgerin
und Mutter meines zweiten Herrn!
nebst dienstwilliger Bitte, mir durch die Finger zu sehen, dass ich so keck bin, schriftlich Ew. Wohlehrwürden hinterm Stuhl zu stehen und auf diesem Teller ein Glas wasser zu reichen. Wer durstig ist, steckt auch die Nase in ein Glas wasser. Ein Schelm gibt mehr, als er hat. Mit der Zeit hoffe ich ein Spitzgläschen Wein reichen zu können. Ew. Wohlehrwürden dürfen nicht glauben, dass ich Ihr Kleid mit diesem Glas wasser begiessen werde, und wenn ich etwas vergösse, ist es doch bloss wasser! Wo das fleckt, ist die Farbe nicht ächt. – Ew. Wohlehrwürden haben alles ächte Farben.
Ich lerne, was man nur kann. Verstand kommt nicht vor Jahren, wie ich sehe, weder in Kopf noch in Finger. Meine Herren machen sich den Spass, zu sagen, dass ich viel Anlage zum Handwerk habe, aber blutwenig zum Gelehrten, da das Schreiben mir wunderbarlich von statten geht, und da ich die schwersten Worte von der Faust weg aufs Papier setze. Das wächst alles wie Pilze