Mühe zum einigen, alleinigen Gott, der ein Geist ist und nicht abgebildet werden kann, vorbereitet worden, sagen die Herren Teologen. Max sein, auch nicht! Was geht mich das Warum an?
Wer kann einen Geist malen? Und wenn er nicht gemalt wird, wie es ein jüdisches Kirchengesetz war, wie schwer ist er von Menschen zu glauben, die nur auf das Augsichtbare zu sehen gewohnt sind? Man kann es sich kaum vorstellen, wie sehr das Menschengeschlecht von jeher zur Abgötterei geneigt ist. Christus nannte Gott den Herrn Vater, und wenn unsere Maler ihn als einen alten Mann bilden, kann es bleiben? Ist's verwerflich?
Wie eifrig Christus bemüht gewesen, die reine erkenntnis Gottes zu lehren, beweisen die Evangelisten, die unter uns gesagt, auch mehr hätten von Christo aufschreiben können. E s s i n d a u c h v i e l a n dere Dinge, die Jesus getan hat, sagt Johannes, w e l c h e , so sie sollten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht begreifen, die zu beschreiben wären. Lieber Johannes! der Pastor und ich hätten sie begriffen; denn wir sind nicht von der Welt.
Moses kleidete die abstrakten Wahrheiten in Allegorien ein! So die Schöpfung in ein Frühstück; so die Quelle des moralischen Bösen in die Erzählung vom verbotenen Baum; so den Ursprung der mancherlei Sprachen in die geschichte vom Turmbau zu Babel. Christus, der Herr, war sehr entfernt von aller rückhaltenden, abergläubischen, spitzfindigen Lehrart, welche, voll Verachtung gegen alles Fassliche, gern in der Dämmerung ist. Er war das wahrhafte Licht, welches die Welt erleuchtete. Seine Lehre war eine Kinderlehre; allein man sieht es noch jetzt, wie gross sie sei! Er war wahrlich ein Gesandter Gottes, der in Gottes Schooss war und Gott verkündigt hat, den kein Mensch gesehen hat, noch sehen kann. Seine Offenbarung, seine Verkündigung Hat der Vernunft die trefflichsten Dienste, so wie diese sie nach der Zeit und noch jetzt erwiedert. Seit dem Christentum ist noch kein Philosoph gewesen, dessen Vernunft nicht von der Offenbarung geleitet oder bestochen worden! – Die guten, lieben Herren, den Pastor nicht ausgenommen! Man sollte Wunder denken, wo sie es her haben! Lies das neue Testament, geneigter philosophischer Leser! und du wirst finden, dass die Philosophie nichts weiter als Formalität, als Leisten, als Wörterbuch sei. Suche, so wirst du finden, klopfe an, so wird dir aufgetan!
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Christus forderte eine Reinigkeit des Herzens, die noch nie jemand vor ihm gelehrt hat. Der Mensch soll, des Glaubens halber an Gott, und nicht aus Stolz, aus Gewinnsucht, seinen Obliegenheiten nachkommen. Es soll kein wasser diesen Wein verderben; und ist sie denn nicht wert, die Tugend, dass man sie liebt? Hat sie denn nicht die glücklichsten Folgen, die bis in Ewigkeit dauern? Nichts vergeht ganz; alles, der Körper selbst, ist ewig. Und unsere Handlungen? Keine ist kinderlos; jede pflanzt sich fort, und oft wird aus einem Adam von Handlung eine ganze Welt! Lasset uns Gutes tun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir ernten ohne Aufhören! über diesen Spruch hörte ich Sie predigen, lieber Pastor, und noch höre ich Sie, so wohl tut mir diese Predigt!
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Der Mensch ist auf der Stufe seiner göttlichen natur nicht im stand, so Herr seiner Handlungen zu sein, dass er den moralischen Gesetzen völlig folgen könnte. Die Welt hat eine Beziehung auf unsere Seele und Körper, nachdem wir die Welt aus diesem oder einem andern Gesichtspunkte fassen. Bald so, bald so. Geht's uns schlecht, ist alles schlecht. Geht es uns wohl, so lächelt uns alles an. Zwar ist der Geist unabhängig vom Körper, und sagen wir also nicht: sein böser Geist, sein guter Geist, sondern sein böses Herz, sein gutes Herz. Wer kann den Geist indessen allen äusseren Antrieben entziehen? Diesen Geist, wer kann ihn heiligen, so wie Gott heilig ist? – wer kann ihn gewöhnen, bloss nach grundsätzen der Vernunft zu handeln? Dieser Kampf des Geistes und des Fleisches ist der gute Kampf, den wir alle kämpfen. – Um mich indessen in einer für mich so höchst wichtigen Sache nicht in Ungewissheit zu lassen und mich von der Sentenz zu unterrichten, die Gott vor seinem Richterstuhl über jede meiner Handlungen ausspricht, gab er mir ein moralisches Gefühl.
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Vor Gott sind die Himmel nicht rein, und eine ganz absolute Vollkommenheit kann in keinem endlichen Wesen sein. Etwas, das über die Schranken der Menschlichen natur geht, kann der Schöpfer nicht fordern. Es gibt keinen allgemein guten und keinen allgemein bösen Menschen.
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Erbsünde ist vielleicht Bewusstsein von natürlicher
Freiheit, mit der wir alle auf die Welt kommen, vorzüglich ein Curländer. Die Herren Teologen nehmen sie anders. Ich lasse sie bei ihrer Freiheit; allein ich bestehe auch auf der meinigen. In dem Sinne, wie die Herren Geistlichen es nehmen, hat die Frau v. W. keine Erbsünde, und so kenn' ich viele ohne Erbsünde. – Was ist die Erbsünde nach der Meinung der Geistlichen? Ein Kind der Dogmatik. Der erste schlechte Erzieher, der sich entschuldigen wollte, erfand diess Namenspiel.
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