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noch zu gestatten; denn die Welt ist, nach Seti Calvisii Kalenderberechnung, eben aus ihren Jünglingsschuhen. Dass sich der Mann verrechnet hat, ist durch mehr als eine probe zu erweisen. Dem göttlichen Maler Moses geht dabei nichts abder war klug genug, i m Anfang zu setzen, und die Jahrzahl dem Seto Calviso zu überlassen.

In Moses Schöpfungsgeschichte leitet dieser Führer in einer schönen Malerei geradesweges die Menschen überhaupt zur Wahrheit, und nicht, wie sein Volk, aus weisen Absichten, durch Wüsteneien bei der Nase herum; indessen ist nicht jeder Liebhaber von der Malerei, und der versuche, wie weit er durch's Licht der Vernunft gelangen werde? Die geschichte Moses von Entstehung der Welt ist so abgefasst, als sie dem Menschen vorgekommen sein würde, wenn Gott die Welt vor seinen Augen hätte schaffen wollen. Dem Moses fiel vielleicht an einem schönen Morgen, da er früher als sonst aufgestanden war, ein: so würde es dir geschienen haben, wenn dich Gott der Herr auf die Schöpfung zu gast geladen, und dein Auge das Licht hätte vertragen können, das die Sonne ansteckte! Dieser mosaische Gedanke war göttlicher Funke, der schnell zündete, göttliche Eingebung, die zum feurigen Busch ward! – Die ersten Kapitel im ersten Buch Mose, wie schön sie brennen! Es ist ein allerliebster Bibelmorgen! – Ganz aufrichtig gefragt: ist nicht sehr viel vom Morgen in der Schöpfungsgeschichte? Das Licht ist das Schimmerlicht, ehe die Sonne aufgeht, und so fortan! – Pastor! Sie haben mich immer damit ausgelacht; mögen Sie! – Eben so denke' ich (und, Zweifler, fass' in deinen Busen, du wirst's auch so finden), dass jeder Mensch den Stand der Unschuld, der Sünde, der Gnade, selbst belebt. Gott helfe uns zum stand der ewigen Herrlichkeit! Nimmt man die Sache so, wie viel Weisheit, Stärke und Schönheit in allem! Da sieht man eine Hieroglyphe, die von allen Ecken und Seiten erklärungsfähig ist. Man findet nicht anstössig, dass Fische im Meer und Myriaden Welten paarweise wandeln. Malerei und Astronomie sind sich spinnenfeind! Beim Moses sind sie verwandt. Noch bis auf den heutigen Tag ist keine Entdeckung gemacht worden, wobei Moses zu kurz gekommen wäre. – Wer kann ihm die Göttlichkeit absprechen?

Ist, damit ich die nämliche Hieroglyphe auf die andere Art nehme, ist denn nicht jedes Kind, wenn es auf die Welt kommt, im stand der Unschuld? Weiss es vom Mein und Dein? Fällt es nicht in den Stand der Sünden? Kann es indessen nicht erzogen und der göttlichen Absicht, das heisst, dem göttlichen Ebenbilde, näher gebracht werden? Muss der Mensch gleich oft im Streite sein und im Schweiss des Angesichts über seine leidenschaft kämpfen; kann er nicht auch siegen? Und was ist besser, die hände in den Schooss legen und nicht wachen, nicht schlafen, oder beides recht von Herzen tun?

Ich komme wieder zum Anfange.

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Am Anfange, in einer neuen Weltperiode, oder auch am tiefern Anfange, am allerersten Anfange, war das menschliche Geschlecht so Eins, wie Einer. Das ganze Geschlecht war Adam, weniger einer Rippe, oder, und eine seiner Rippen. Welche göttliche Weisheit in diesem Bilde! Mann und Weib sind eins und verschieden. Es fehlt dem mann, wenn er ein Weib hat, eine Rippe, allein dieser Verlust, wie reichlich ersetzt, wie reichlich, eben weil er ein liebes Weib hat!

Im Schlafe verlor Adam eine Rippe, und es ergibt sich besonders im Schlaf, wo so viel Bilder um uns herumgaukeln, wie nötig dem mann ein Weib sei.

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Vom Garten fing die Haushaltung an, nicht vom Ackerbau. Man ass eher Aepfel, als Brod. Jeder Mensch bebauete sich einen Fleck mit Bäumen und Kraut, niemand beneidete dem andern sein Gartenland, und niemand kam dem andern ins Gehege. Das Hirtenleben, das Schäferleben wird dem Ackerbau im ersten Buch Mose vorgezogen, und das mit Recht. Die Schäfer waren Kinder Gottes, die Ackerbauer Kinder der Menschen. Cain brachte dem Herrn ein Opfer von Feldfrüchten, Abel von den Erstlingen der Heerde. Cain gefiel dem Herrn nicht so wohl, der schon bei seinem Acker, bei seinem erarbeiteten Mein und Dein mit dem Gedanken umging, eine Stadt zu bauen, die er nach seinem Sohn Hanoch nannte; der Mörder der! So ging's! Erst e i n Garten, dann zwei Wege, e i n e r das Schäferleben, der a n d e r e Akkerbau. Beim Schäferleben war noch am wenigsten von Mein und Dein; allein beim Ackerbau, wo der Mensch der natur weniger überlässt, wo er selbst Hand aus Werk legt, wie viel Mein und Dein! Vom Ackerbau bis zur Stadt ist nur so weit, als von Vater und Sohn, vom Mörder Cain und vom Hanoch. Noch jetzt tun wir uns etwas zu gut, wenn wir vom Schäferleben, von der güldenen Zeit, träumen. Wir sehen das Schäferleben als den nächsten Grenzort zum Paradiese an.

Der Fall Adams ist der Fall aus der natur ins Mein und Dein, wodurch Arbeit, Mühe, Schweiss des Angesichts, Uebermut, Weichlichkeit in die Welt kam. Auch der Tod ist der Sold dieses Standes der Sünden, der aus Krankheiten besteht, welche aus einem unparadiesischen Leben entstehen, und womit der Tod jetzt gemeinhin verbunden