. Und wie soll man sich gegen sein undankbares Vaterland führen? Wie gegen einen Vater, der eine Mutter ohne ursache verstösst, wie gegen eine Mutter, die zum zweitenmale heiratet? Diese bleibt Mutter, jener Vater. Bei diesen Sprüchen war's dem Freunde so, als wär' er selbst nicht mehr in Curland, als hätte er der Sonne geschworen. Es schien ihm, mein Vater hätte das Feld behalten; der kleine König Curo aber und die Curaten oder Curiaten wären in die Flucht geschlagen. Mein Vater befestigte, was er erobert hatte, mit ein paar griechischen Sprüchen, die seinen Feind um so mehr abhielten, weil er kein Wort griechisch verstand.
’Ανδρ` σοφη, fing mein Vater an, πασα γη βατη,
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ψυχης γαρ αγα ης πατρ`ς ο ξυμπας κοσμος.
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Und gleich darauf:
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επε` τ` δε βροτοσι, πλην δυον μονον,
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Δημητρος ακτης, πωματος δ’ υδρηχοου.
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‘´περ παρεστι, κα` πεφυχ’ημας τρεφειν.
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Es pflegte der gute ehrwürdige Mann von Curland zuweilen als von einer Herberge zu reden, wo man sich oft länger als man wünscht, weil der Reisewagen gebrochen ist, aufzuhalten gezwungen sieht. Bei mir zu haus essen wir um diese Zeit Spargel, pflegte er zu sagen; bei mir zu haus raucht man um diese Jahreszeit eine Pfeife Tabak in der freien Luft, bei mir zu haus hat man Trauben und d e n W e i n b e i d e r Q u e l l e . So ungern er also auch im Herzen in Curland zu sein schien, und so oft er im Stillen durchs Fenster gesehen haben mag, ob der Reisewagen noch nicht in Ordnung wäre, so hielt er dennoch mit seiner Abneigung zurück. Der Freund, mit dem sich mein Vater auf der vorigen Seite duellirte, und noch ein Secundant waren die Hauptsiegel-Bewahrer dieses Geheimnisses und auch die einzigen, mit denen er griechisch sprach, ohne dass die guten Leute es verstanden. Wer ihn aber nach seiner Heimat fragte (sein Weib und Kind und seine zwei griechischen Freunde nicht ausgenommen), setzte ihn und sich selbst einer grossen Verlegenheit aus.
Bei mir zu haus fing er, wie gewöhnlich, an – und ich war noch im zartesten Alter, als ich ihn fragte, lieber Vater, wo ist dein Haus! wir wollen hin, du, die Mutter und ich! Ist es wohl so schön als dieses hier? Ich zeigte ihm meines von Blättern. Nimm mich ja mit, wenn du nach haus gehst, oder lass mich, wenn ich grösser werde, allein – Wo? Wo? – rief er ganz ängstlich. Meine Mutter, welche eben seinen Kragen zurecht legte, liess diesen heiligen Halsband fallen, sprang schnell auf und ging davon, als ob sie auf allen Anteil von meiner Frage und der künftigen Antwort Verzicht täte. Sie war indessen, wie ich es offenbar merkte, nach der Weiberweise, nur bloss dem Auge meines Vaters entgangen. Ob's mein Vater gemerkt habe, zweifle ich, denn er hatte sich auf dem Wege nach seinem haus so sehr verirrt, dass er nicht aus noch ein wusste. Vielleicht sagt er es dem unschuldigen kind, dachte meine Mutter ohne Zweifel, da sie sich in der besten Ordnung zurückzog, wovon er dir allemal ein geheimnis gemacht hat. Lieber Sohn, fing mein Vater an, als ob er von einem Vorbeigehenden wegen seiner Reise eine Auskunft erhalten, oder in eine Reisekarte gesehen hätte – und meine Mutter machte die Kammertüre, hinter welche sie sich weislich gestellt hatte, drei Zoll weiter auf – im Himmel ist unser wahres Vaterland, hier unten sind wir Fremdlinge und suchen das, was droben ist. Wir sind in Hinsicht unseres Körpers Gottes Pilger, in Hinsicht unserer Seele Gottes Bürger. Als die P i l g r i m e ! heisst es, d a r u m f ü h r e t e i n e n g u t e n Wandel –
Zu haus nimmt man sich vieles so übel nicht. Man vernachlässigt sich; tun Sie doch, als ob Sie zu haus wären, sagt man. Auf der Reise sind wir auf uns aufmerksamer. Die Welt ist für einen klugen Reisenden höchstens eine Hauptstadt. Er lässt sich das Merkwürdige zeigen; für einen Gelehrten eine öffentliche Bibliotek, er sieht die Titel. Beide bestellen Postpferde. Plus ultra.
Hiebei sah mein Vater so gerührt aus, dass, wenn ich nicht seinen Worten geglaubt hätte, ich jedennoch jedem ehrwürdigen zug seines Gesichts hätte beipflichten müssen, auch wenn ich noch einmal so alt gewesen wäre, als ich's nicht war. Wie böse meine Mutter über den Himmel geworden, weiss ich nicht, allein ich hörte, und mein Vater, der nun wieder an Ort und Stelle war, musste es auch hören, dass sie die tür zuzog, als ob sie nicht die mindeste Lust zum Himmel hätte. Ohne Zweifel hat sie dieses unvermerkt tun wollen, um ihre Neugierde zu verbergen; indessen machte das plauderhafte Schloss ein unzeitiges Geräusch und wurde dafür den folgenden Tag, da mein Vater eine Beichtandacht besorgte, ausgebessert. So viel ist gewiss, dass der liebe Mann durch diese Antwort, die zwar mich, nicht aber meine Mutter befriedigen konnte, mich, wiewohl ohne daran Schuld zu sein, auf den