Vergleich kam allerliebst zu stand. Diesen Brief, dessen l.c. Erwähnung geschehen, will mein Freund – – Kein Wunder, weil er auf den Herrn v. G. in Lebensgrösse besteht. Gern, lieber Getreuer l Du weisst, diess ganze Buch ist ein langer Brief an dich; allein du findest hier Vorhänge, die ich im haus des Herrn v. G. nicht fand. Wer diese Vorhänge zugeschnitten und angebracht, weiss ich nicht. Vermutlich liess Herr v. G. nach der Zeit sich näher durch meinen Vater belehren, und strich, was er anders einsah.
Die ganze Vorrede gestrichen.
Gott allein die Ehre.
Den historischen Wahrheiten geht es, wie den alten Leuten, je älter, je schwächer. Ich verdamme keinen, wenn er daran zweifelt, was er nicht selbst gesehen; wenigstens kann ihm ein Zweifel dieser Art keinen Schaden noch Leides tun. Da es der Vernunft erlaubt ist, jede historische Wahrheit durchzuprobiren, so ist nichts gewisser, als dass die Sache, wenn nicht vor meinen sichtlichen Augen, so doch vor dem Auge meiner Vernunft noch einmal vorgehen muss, wenn ich sie gläubig annehmen soll.
Es gibt notwendige Hypotesen, wahrscheinliche Gewissheiten. Nichts ist ohne Praxis. Bei der Teorie kommt man nicht weit. Sie ist der Buchstabe; die Praxis ist das Leben!
Wollte Gott! es wäre ein Katechismus möglich, den ich sokratisch nennen würde, wo die Beantwortung und Frage, wenn man so sagen soll, in der Sache, nicht in der person liegen, wo beide, der Frager und der Gefragte, an der Quelle wären und selbst schöpften! Solch ein Buch wäre freilich nicht zum Lesen, zum Auswendiglernen; allein es müsste ins Herz gebracht werden. Man frage nicht, wie? Gehen und reden ist schon eine halbe Tat. Ein Leser ist ein Tagedieb. Wir wollen den gemeinen Mann nicht an eine Studirstube gewöhnen, da käme er aus dem Regen in die Traufe.
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Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer himmels und der Erben. Zwar ist Gott der Herr mir unbegreiflich; allein er ist (damit ich mich kurz fasse, und doch so, dass ich mir wirklich etwas denke und nicht bloss einbilde, was gedacht zu haben) er ist der Inbegriff aller Moral, mit der zugefügten Gewalt, der Herr der Sonne und des Blitzes und Donners. Pastor! da kann kein Mensch was dawider sagen; dieses unendlich moralische Wesen nehme ich an. Mein Herz sagt es mir: Er ist, ich sehe ihn, ich höre ihn in allem.
Ich glaube an Gott, und glaube, dass man an einen Gott in drei Artikeln glauben könne; ich glaube aber auch, dass ein einziger Artikel genug sei. Ich glaube, dass sich der Glaube ändern könne. Der Mensch besteht, wie man sagt, aus Geist, Seele und Leib, und Gott den Herrn kann man sich als Vater, Sohn und heiliger Geist vorstellen. Vielleicht ist der Geist die Vorstellung, die Gott sich von sich macht, vielleicht – –
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Ich glaube an Gott, das heisst: ich bin ein Kind im verhältnis gegen ihn, ein Bruder im verhältnis mit meines Gleichen, ein Mensch im verhältnis alles dessen, was ich ausser mir sehen oder nur empfinden kann, alles, was lebt und nicht lebt, im Grossen und im Kleinen, was weniger schätzbar angenommen wird, und was zur höheren Schätzbarkeit in der Welt, ich weiss nicht warum, gekommen ist. Ich gebrauche, was sichtbar und unsichtbar lebt (alles lebt), zur Speise, zum Getränk und zum mässigen Vergnügen. Was drüber ist, halte ich strafbar. Ein Hauch Gottes, und so hat alles Leblose eine lebendige Seele. Was weiss ich, was ich war und was ich sein werde. Die ganze Welt ist mit mir verwandt. Erbe bin ich und Erde werde ich, wovon ich genommen bin; denn der Mensch ist Erde, und soll wieder zur Erde werden.
Ich bin in der Welt Kind, Bruder, Mensch oder Herr; doch bin ich in meines Vaters haus, wo viel Wohnungen sind, und wo mir nur das Mutterteil abgetreten ist, wo ich viele Brüder habe, und unter dem Auge des gütigsten, allein auch gerechtesten Vaters stehe, der mir das Vaterteil noch vorbehalten hat.
Ich glaube, das heisst, wenn tausend Schwarz- und Weisskünstler und Klugheitsgaukler auch kämen und sprächen: es ist kein Gott! so müssten und könnten mich doch diese Sprünge durch den Reif aus diesen Verhältnissen nicht herauslügen und trügen, da schon die Wahrscheinlichkeit, selbst die Möglichkeit, dass er sei, und der eben hieraus fliessende Glaube an ihn hinreichend ist, mich in den Verhältnissen als Kind, als Bruder, als Herr zu erhalten und zur strengsten Erfüllung der hiermit verbundenen Pflichten zu bringen.
So erkläre ich mir den Glauben, von welchem vielfältig in der Bibel geredet wird. Eine vollständige demonstrirte Gewissheit von dem Dasein des Unvollkommenen würde mehr schaben als nützen, so wie die Gewissheit von meinem tod; wenigstens ist mir die Demonstration von der Existenz Gottes nicht notwendig, und ein lebendiger Glaube ist, die Sache genau genommen, mehr als eine Demonstration. Einen lebendigen Glauben nenne ich, der durchs Leben tätig ist; denn der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an ihm selbst, wie die meisten Bücher, die nicht Gottesmenschen geschrieben haben, tot