nicht:
"J a w o h l ! "
Vielmehr war mein Vater der Meinung, diess käme daher, weil sie den Menschen im Plurali, den Staat, vorstellten. Herr v. G. blieb bei seinem: als ob?
Teurer Naturmann, sagte mein Vater, die Wahrheit ist nackt.
Wir anders?
Allein man gibt ihr ein Gewand.
Die Fabel tut's.
Niemand kann einen nackten Menschen aushalten. Das Nacktsein hat so etwas Wildes, Anstössiges an sich, dass ich fast die Wahrheit selbst nicht nackt sehen möchte.
Zwar hatten die beiden guten Männer, Herr v. G. und mein Vater, bei der feierlichen Aussöhnung den Friedenspunkt mit berührt, dass des monarchischen Staates weder im Guten noch im Bösen gedacht, sondern er vielmehr in seinen Würden und Unwürden gelassen werden sollte; indessen war Herr v. G., dem zum Vorteil dieser Punkt verzeichnet war, der Erste, der ihn brach.
Die drei Hauptartikel des christlichen Glaubens indessen waren die Hauptsteine des Anstosses!
Mein Vater verkündigte (wie meine Mutter versichert) das Wort Gottes rein und lauter, und ich muss noch hinzufügen (ich weiss nicht, ob es meinen Lesern von ihm gefallen wird?), dass er Lehrer und Prediger als Zunftverwandte ansah, die alles zu tun und zu lassen verbunden sind, was die Innung mit sich bringt. Unser Schild, pflegte er zu sagen, ist die Bibel. Wenn wir ein ander Buch aushängen, und eine andere Arbeit treiben, oder die uns angewiesenen Geschäfte nicht nach dem Zunftprivilegio einrichten, sind wir Pfuscher, Betrüger. Zwar gab mein Vater im Streite mit Herrn v. G. zu, dass, wenn jemand mit der Bibel eingeschlossen werden sollte, um daraus ein System herauszubringen, er nie das unsrige herausbringen würde, im Fall er nämlich nicht das mindeste von einem Katechismus gehört, und darin gegängelt worden. Was aus dem System des alten Testaments werden würde, wär' ich begierig zu sehen, sagte Herr v. G.; und was das System aus dem neuen betrifft, fuhr er fort, und mein Vater griff ein: s o k ö n n t e es natürlicher, kindlicher und herzlicher ausfallen; ob aber in Hauptsachen von dem unsrigen abweic h e n d , w e i ss i c h n i c h t . – Meines Vaters Losung war aut, aut; er war in keinem Stücke lahm, und da Herr v. G. nicht aufhören konnte zu spötteln und zu lächeln, und da nicht beten und dort nicht das Nachtmahl nehmen wollte; da er die beichte für eine Art von Tortur schalt und die Geistlichen beschuldigte, sie wären Usurpateurs des Gewissens, und das Christentum sei monarchischer Staat, eingeteilt in drei Provinzen: Papsttum, Lutertum und Calvinismus; so konnte unter diesen beiden Männern kein Reich der Gnaden vorerst zu stand kommen! Zwar, fuhr Herr v. G. fort, hätte die selbsteigene Schwere dieser den obersten Gipfel erstiegenen Monarchie und Tyrannei sie wieder zur Erde gezogen, wovon sie genommen war; allein – mein Vater liess ihn nicht ausreden.
Alle solche Zwars und Alleins, solche Abweichungen zur Rechten und Linken konnte mein Vater nicht ertragen. hören und Sehen verging ihm. Ein einzelner Mann (seinen sehr gesunden, natürlich edlen Verstand und Willen bei Seite), will sich wider die Kirche auflehnen; was würde man von mir denken, wenn ich fünf gerade sein liesse, und einen Mann nicht miede, dem man sonst die Wahrheit zu sagen nicht füglich meiden kann? Er ist Lot in Curland. Ein Gerechter. Seine Gemahlin sei was sie wolle, hier kommt sie nicht in Anrechnung; allein er sei Lot in Beziehung auf Curland, nur nicht in Rücksicht auf mich, wenn ich den Abraham vorstelle. Willst du zur Rechten, so will ich zur Linken, willst du zur Linken, so will ich zur Rechten, könne zwischen dem Herrn v. G. und mir nicht statt finden, wenn von der lautern Milch unserer Religion die Rede ist. Zwar will ich nicht richten; allein man muss doch hier, wie überall, auf einen Ausgang denken. Die Pluralität selbst, wenn ich dem Herrn v. G., diesem Naturmanne, einen Gefallen tun wollte, es drauf auszusetzen, würde für mich entscheiden. Zwar ist die Religion nicht mehr so ganz die Religion Christi, sondern die christliche Religion; allein wenn gleich das Paradies verloren gegangen, so gibt's doch noch ein Reich der Gnaden und eines der Herrlichkeit in der christlichen Kirche.
Die Pfändungen, welche testantibus actis Vol. I. vorfielen, waren, wie aus allem diesem zu ersehen, lauter Religionskriege.
Der Brief, dem mein Vater zehn Jahre weniger einen Tag entgegengesehen, was könnt' er anders, als ein Glaubensbekenntniss in sich halten, das, wenn es gleich nicht aus Augsburg, wie der Conversus, war, jedoch Mit dem Versprechen begleitet ward, nicht von Religionssachen sprechen zu wollen, es sei denn der Belehrung halber, als wobei, wie es von selbst sich verstünde, Herr v. G. Schüler und mein Vater Lehrer wäre. Diess waren die Vorteile, die meinem Vater schon in den Präliminarpunkten eingeräumt waren, wogegen sich Herr v. G. alle Anzüglichkeiten gegen den freien, und Lobreden auf den monarchischen Staat, verbat.
Die Punkte kosteten, bis die Sache abgeschlossen war, noch so manchen Kopfstoss. Der