genau nimmt. wasser also ist allein aus dem Paradiese übrig geblieben; wasser ist das einzige unter allem Flüssigen was reinigt, setzte er hinzu.
Die vier Elemente, Feuer, Luft, wasser, Erde, nannte er die vier Temperamente der natur; – die fünf Sinne die Poststrassen zur Seele; ein Liebhaber der fünften Zahl hat darum fünf angenommen, mag sein nach Anzahl der fünf Finger.
Unsere Sinne sind nicht gleichen Ursprungs, einige haben ihre Privilegia erschlichen. Geruch und Geschmack sind gekaufte Titel; kein Kind hat Geruch und Geschmack. – Freilich lernt es auch sehen, allein diese Lehre bekommt es aus der ersten Hand; durch wie viel hände erhalten wir dagegen Geruch und Geschmack! – Kann es je heissen: Gott hat die Menschen aufrichtig gemacht, aber sie suchen viele Künste; so hier.
Das Herz war das Gesetz unseres teuren v. G., und wahrlich ein trefflicher Gesetzgeber, wenn es wie das v. G–sche ist!
Empfindsamkeit, pflegte er zu sagen, schützt vor Zügellosigkeit; allein was ist besser, zügellos oder weibisch?
Er glaubte, dass es Hand-, Mund- und Herzensworte gebe. Die Augen sind Filiale, pflegte er zu sagen, vom Herzen; die Füsse von den Händen; der Mund hat keinen so nahen Bundesgenossen.
Sobald über natur die Rede ging, war er unüberwindlich; in der Kunst war er gern Schüler! Selbst im Wortwechsel überrumpelte er keinen. Seinen grundsätzen war er treu wie Gold; er war kein Prävaricator, kein zweier Herren Diener.
Die Hauptsache, worüber mein Vater und der Herr v. G. uneins geworden, waren freilich die drei Artikel des christlichen Glaubens; indessen stand der monarchische Staat hiemit in Verbindung, ohne an manche geheime Ursache zu denken, die nie ausbleibt. Herr v. G. glaubte, die christliche Religion und die monarchische Regierungsform arbeiteten sich in die Hand, und mochte ihn wohl der Umstand, dass mein Vater beides, Christ- und Monarchenfreund war, zu diesen Gedanken gebracht haben. Ueberhaupt paarte er zuweilen Dinge, die, wenn man es genau erwog, wirklich ein Herz und eine Seele waren, wenn gleich niemand sie dafür gehalten. Ob nun zwar die christliche Religion dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist zu geben anordnet, so ist sie doch so wenig für die Monarchie, dass sie vielmehr das Reich Gottes einführen will.
Lasst euch mit den Menschen ein, sagte Herr v. G., sie klagen immer! Woher kommt's? Warum die Klagen über schwere zeiten, die, seitdem der Cherub mit dem gezogenen Schwerte vor der tür des Paradieses auf die Wache gezogen, entstanden? Weil der Mensch sich frei fühlt und es nicht ist. – Recht, sagte mein Vater, Gottes Reich ist noch nicht kommen. Der Wir sollten immer einfacher werden und uns in den In dem Gesetz: was du nicht willst, dass dir andere Wenn's so fiel, war alles trefflich. Sobald aber Herr Mein Vater war ein Bienenfreund und Herr v. G. G o t t e s G n a d e n . Freilich ist die Biene militärisch, hat ihr Schwert bei sich, sticht; – allein wenn sie gestochen, wenn sie Krieg geführt hat, ist sie auch so matt und elend. – U n d w e n n u n s d i e A m e i s e n b e k r i e c h e n ? fiel mein Vater ein. So schüttelt man sie ab. – D i e h ä ss l i c h e n T h i e r e ! – Sind Curländer, sagte Herr v. G. K ö n n t e s e y n , mein Vater.
Staat ist ein so notdringliches Mittel, den Menschen glücklich zu machen, dass man ohne diess Mittel zu keinem Zweck kommen kann. Alles führt zum Staat, untere und obere Seelenkräfte, Seele und Leib, Bedürfniss und leidenschaft, Hospital und Schauspielhaus. Die bürgerliche Gesellschaft ist auch eben darum sogar für Naturzweck von etlichen gehalten. Staat ist freilich Kunst, allein diese Kunst besteht aus zusammengesetzter natur – und muss denn der Staat eben Monarchie sein?
Ist nicht nur ein Gott? und wird nicht eher lieber Ein Gott der Erden dem Original weichen, sobald das Volk sich ans Unsichtbare gewöhnen lernt, als an so viele Götter?
Doch warum in spitzfindigen Reden und Antworten; ich will versuchen, meinen Vater in Eins zu bringen, und was stückweise über den monarchischen Staat vorfiel, in einen Ausbund vom Ganzen zu ziehen. In der Vernunft, womit der Mensch ausgestattet ist, Mein Vater hielt ein wenig an, und fuhr fort, ohne n e r , e i n M e n s c h i s t k e i n M e n s c h ," würde meine Frau sagen; Ein Mensch aber ist kein guter Mensch. Nicht der Müssiggang, sondern die Einsamkeit ist die Mutter alles Bösen. Es ist indessen Grund und Folge; allein sein und müssig sein, ist ziemlich einerlei. Grosse Erfindungen selbst sind in Gesellschaft gemacht; alle Künstelei in der Einsamkeit. Gott allein ist Einer; hier gilt nicht, Eins ist keins. Der Verstand und der Wille eines einzelnen Menschen scheinen nicht zuzureichen, ein vollständiges menschliches Sein auszudrücken; der Pluralis vom Verstand und Willen ist erforderlich, wenn der Mensch