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Das Essen und Trinken mit Wohlgefallen, weg wäre es. Löffel sind im Hospital erfunden. Alle flüssigen Sachen schwächen. – Für Kinder Milch, für Männer Käse.

An seine Gemahlin war er gekommen, wie man an vieles kommt. Sie soll ausser der Weise schön gewesen sein. – Wieder natur am Herrn v. G. Des d a r f i c h b i t t e n wegen, hätte er sie geheiratet, sagte Herr v. G., da er inzu Tische bat. Sie konnte, wenn sie wollte, allerliebst sein, und guterzig scheinen. Ist man es wirklich, wenn man so stolz, wie die Frau v. G. ist? Unser Freund hatte die beste Ehe von der Welt. wenn es zu arg kam, sagte er P u n k t u m , und die gnädige Frau ging sehr freundlich ab, wovon wir alle einer probe beigewohnt haben. Von ihm, und nicht von ihr, hing es ab, ob einem in seinem haus wie Herr oder Monsieur begegnet werden sollte. – Seine Liebkosungen waren immer mit Ungestüm. Frau v. G. befürchtete zuweilen, dass es ihr wie den russischen Weibern, wiewohl ohne ihr Zutun, gehen würde, die aus Liebe von ihren Männern geschlagen werden. Wo der Herr v. G. geküsst hatte, war gewiss ein roter Fleck.

Sie pflegte von ihrem mann, den sie im Herzen sehr hoch hielt, zu sagen: Er hätte Einfälle wie ein altes Haus; und wahrlich, er hatte Einfälle, nicht wie der lebendig tote Hermann, an dem man immer den Bocksfuss sah, sondern wie ein Mann, der alles gern beim rechten Namen nennt. "Er hat zwar," sagte er von einem alten Geistlichen, der sich sehr viel zu gut tat, "einen kahlen Kopf, wie Elisa; allein den Mantel hat er nicht von Elias geerbt." Pastor! sagte er zu einem andern Seelsorger, Sie schlagen mit Moses um die Wette: jener auf den Fels, Sie auf die Kanzel; hier und dort kommt wasser. Man hielt ihn für einen Feind der Geistlichen, und die Wahrheit zu sagen, seine a l t e n H a u s e i n f ä l l e trafen diese Herrn am meisten. Diess war vielleicht eine geheime Ursache, warum mein Vater sich zehn Jahre von ihm entfernte.

Mein Vater hatte ihm seiner Hitze halber im Scherze angeraten, i c h , d u , e r , w i r , i h r , s i e zu sagen, so wie er sich selbst vorgenommen hatte, panis, piscis, crinis, ignis, finis, glis in dergleichen Fällen zu brauchen; allein Herr v. G. konnte sich nicht ohne den Teufel behelfen. Es lüftet das Herz, so wie eine Prise ächter Curländer die Nase. Sein Argos hiess Satan. So wie meine Mutter kein i um seinen Punkt betrog, so sagte Herr v. G. nie, d a ss d i c h ! So was, fügte er lächelnd hinzu, heisst den Teufel betrügen!

Er barbirte sich so, wie mein Vater, mit kaltem wasser, oft mit Schnee, um etwas Seifähnliches zu brauchen. Wer warmes wasser an seinen Leib kommen lässt, ist aus Furcht des Todes ein elender Knecht seines Lebens. Herr v. G. war viel zu sehr ein freier Curländer, um beim Leben in Dienst zu treten.

Herr v. G. hatte sein Lebtag keine gewisse Essstunde. Wenn gleich er leider! Mittag und Abend hielt, so wollte er wenigstens sich doch nicht auf Stunden einschränken lassen. Hierin mindestens wollte er frei sein, wenn es nicht vollständiger angehen könnte. Dergleichen Regeln, und fast alle, pflegte er zu sagen, sind der Gemächlichkeit wegen da; wer Verstand und Willen hat, braucht keine dergleichen Kinderregeln. Grundfalsch war nie etwas, das er behauptete. Er hatte einen so treffenden blick in Seele und Leib, dass man glauben musste, es wäre alles regelrecht, was er sagte. Er war, wie wir wissen, ein W u r z e l m a n n . Die Frau Gemahlin, die bei ihrem hohen Sinn nicht allemal einen hohen Ausdruck hatte, pflegte diess zu übersetzen: e r m e r k e M ä u s e . Jeder Mensch hat seine Manier, seine natur im Sprechen. Herr v. G. besass, wenn gleich nicht den treffenden Ausdruck meines Vaters, so doch einen wohlgemeinten, einen verständlichen. Gnade dem Gott, wer ihm mit Punkten und Clauseln kam, die man so und anders nehmen konnte; so was mochte er versäufen im Meere, wo es am tiefsten ist. Auf die Juristen war er übel zu sprechen; die besten, behauptete er, bemühten sich d e m K i n d e einen N a m e n zu geben; der Name ist ein Zaun, ein Schranken, bis dahin und weiter nicht. Gott hat keinen Namen.

Das natürlichste, was noch in der Welt ist, sagte Herr v. G., ist der Schlaf und wasser. In Rücksicht des Wachens und Essens sind so viele Verstümmlungen vorgefallen, dass die eigentliche natur zu finden ein Rätsel ist. Der Schlaf, in so weit die Träume von des Tages Last und Hitze abhängen, ist auch schon verfälscht, wenn man's