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ohne Schäumchen auf.

Ein Becher war ihr liebstes Geschirr; ein Halbbruder vom Kelch, sagte sie. Mein Vater war für Gläser.

Der Champagner war ein Stutzer unter den Weinen! Windbeutel nannte sie ihn. – In Pfingsten hiess er Geniewein.

Sie ass gern Honigseim, wie sie es nannte, zu deutsch Honigkuchen.

Sie hatte eine Weise, der Mode nicht ungetreu zu sein; indessen brachte sie dabei etwas an, wodurch sie ihre curische Freiheit sich reservirte. Mein Vater, der Monarchenfreund, versicherte, dass sie eben diese Abweichung am vorteilhaftesten gekleidet hätte, und in Wahrheit, eine bloss modische Frau ist geputzt, eine, die, wenn es nötig, sich selbst etwas vorbehält, hat Geschmack. Sie ging sehr reinlich. Wenn sie sich ungewöhnlich ankleidete, pflegte sie zu sagen: Wir brauchen Brod alle Tage; Geld aber nur alle Jahr.

Walt', ewiger Gott! Wie viel Vorliebe hat der Mensch doch fürs Sinnliche! Lässt er wohl das Kippen und Wippen? Und doch ist er schon hier im stand, verklärt zu werden. Es gibt Seelen von Menschen! Geister von Menschen, sagt man nicht. Es gibt Gemüter, von denen man behaupten könnte, sie hätten keine Erbsünde; allein den meisten Menschen ist nicht um Sachen, sondern um Worte zu tun! Welch eine Torheit! singt dein Vater, und das mit Recht! Nach dieser Fahr und Not will ich dir lobsingen, Gott, meine Zuversicht, in deinem Heiligtum! Als ob Gott, dem Herrn, mit einer Handvoll Worte, mit einem Panegyrikus gedient wäre! Handlungen, das ist die eigentliche Art, mit Gott zu reden; das heisst, ihn im Geist und Wahrheit anbeten!

Das sind mir die rechten Pastores, die böse Hunde halten, und die Leute bloss ins Gebet einschliessen! Sie hielt die Hunde für eine Beleidigung der Gastfreiheit.

Mein Sohn! schreibt sie mir gleich nach meiner Abreise, bald hätte ich mein Kind geschrieben, und das ist nicht Jüngchen, nicht Mädchen. Dieser Ausdruck schickt sich für keinen, als den Johannes, den Evangelisten, den Christus lieb hatte, mit dem er spielte. – Das war ein Kind, ein liebes Kind, im erhabenen Sinne. Wie ich den Johannes lieb habe! Was ich dir sagen wollte: Saul suchte die Eselin seines Vaters, und fand ein Königreich. Joseph träumte sich zum Herrn über ganz Aegyptenland, der nicht ein Kornjude, wie etliche wollen, sondern ein feiner Finanzminister ward. Es ist sehr gut, dass es dem Menschen nicht immer nach seinen Wünschen geht. Gott behält sich ein Votum bei ihm vor, und anstatt, dass ein Mensch betrübt sein sollte, dass ihm ein Posten abgeschlagen wird, sollte er sich freuen, dass Gott der Herr sich in die Sache eingemischt. Wenn man die Zeit abwarten kann, wird wasser in Wein verwandelt. Wer weiss, ob Horeb oder Getsemane der beste Berg ist? Du willst in die Ratsstube, und weisst nicht, dass du in die Mördergrube geraten würdest; du willst Geld, und bedenkst nicht, dass Geiz die Wurzel alles Uebels ist; du klagst über öftern Anfall von Kolik, und weisst nicht, dass, wenn der Stöhner nicht lange lebt, der Prahlhans gewiss nicht. Ich zittere vor einem grossen Glück, wie dein Grossvater selig. Wenn es recht warm gewesen, donnert und blitzt es. Da erzählt mir jüngst der Candidat mit den langen Manschetten, dass eine Glocke, die nicht fest genug hing, auf ein Mädchen von sieben Jahren gefallen, die unten spielte, und zwar so, dass sie sie bedeckte. Von solchem Glücke konnte dein Grossvater nicht sagen: D a s h e i ss t G l ü c k . Da hätte auch der Himmel fallen können, und nicht bloss eine Glocke. Diess Mädchen wäre keine Frau für dich geworden. Mag sie doch der Herzog heiraten, wenn er Lust und Liebe zum Dinge hat!

Bücher und Kinder kosten am meisten, und es ist unrecht, dem geistlichen stand den Credit darüber zu benehmen. Die alten Prediger liessen etwas Bart zur Art stehen, und diese Weise, gar eben wäre so etwas in meinem Kram. Vielen unserer Candidaten würde es Mühe kosten, diesen Aufwand zu machen. Der Bart wird sich zeitig bei dir einfinden! Es ist kein ungebetener Gast, er sei willkommen!

Sobald du den Kopf auf einer Seite und nicht geradezu trugst, merkte ich gleich, du wärest verliebt. So trägt ihn der Verliebte. Du fingest an, in Tenor zu fallen. Gut, dachte ich, er hat das Weltbürgerrecht gewonnen. Ich wusste, mein blick könne nicht fehlschlagen, und du wärest nicht gleichgültig gegen Minen. Mein Gott! aber wer konnte auch gleichgültig sein! Wenn ich ihr kaum einen guten Morgen bot, da sie kam, musste ich sie doch küssen, wenn sie ging. Viele Menschen lassen die natur nicht zum Worte. Mine stand so mit der Kunst. Wahrlich, die natur hat euch die Liebe gelehrt! – Lass sie nur Pfefferkraut sammeln, dachte ich! Was hat es zu sagen, wenn es beim Pfefferkraut bleibt? Ich Törin! konnte ich denn nicht bedenken, zu dieser meiner Zeit, dass du die erste und letzte Geburt einer Dichterin wärest, und dass deine Einbildungskraft kein Stück Kleid bei dem, was es ist, lassen, sondern es in ein himmlisches Gewand umschaffen würde? Ich, die