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bloss weil sie Dichterin war, rasche Pferde geliebt; indessen erwähnte sie nie des P e g a s u s .

Wer wird, sagte sie, einen Erzengel Gottes wirklich geheimen staates- und Kriegsminister nennen? Kindliche Weisheit mit Scholastik verkaufen? Wisset ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig das ganze Gebäcke versäuret?

Sie glaubte sich, als Pastorin, wirklich im göttlichen Dienste. Die Schauspielerin arbeitet so gut als er. Eine Sängerin erhält oft ihren Mann. Eine Pastorin besorgt den kleinen Dienst, sagte sie, um meinem Vater zum mund zu reden!

Ein Berg ist die eigentliche Kanzel Gottes! Christus der Herr, bestieg selbst eine dergleichen Kanzel, und predigte gewaltiglich.

Vernunft nannte sie U n t e r f u t t e r ! Oberzeug, sagte sie, muss Dichtkunst sein, wenn es kleiden soll.

Sie konnte nichts Uebertriebenes leiden, und übertrieb selbst, wenn sie dergleichen Leute auf den rechten Weg leiten wollte. "Tut sie doch so keusch, dass sie Bedenken trägt, ein Söhnlein christlicher Eltern über die Taufe zu halten."

Einen Unbeständigen bezahlte sie mit gleicher Münze. Im Mutterleibe, sagte sie, ist er am längsten gewesen. Wer hat aber seine Mutter darüber befragt, ob sie nicht Beschwerde zu führen gehabt, dass er den Zaun brechen wollen, ehe es Zeit war?

Für die A u g s b u r g i s c h e C o n f e s s i o n war sie über alle massen. Herzlich konnte sie sich über einen curischen Candidaten freuen, der auf die Frage: woher sie Confessio Augustana hiesse? antwortete, weil sie vom Augustino herkäme; warum nicht gar vom Kaiser Augusto, der eine Schatzung ausschrieb? Der C o n v e r s u s war aus A u g s b u r g , kein Wunder, dass, des Königs von Spanien unerachtet, alles mit dem Hieronymo a sancta fide so gut beigelegt, und ein für den Conversus so vorteilhafter Friede eingegangen ward.

Wenn meine Mutter zuweilen im heiligen Eifer war, sprach sie, wie sie selbst bemerkte, nach Prophetenart, die es auch, wie sie glaubte, so böse nicht gemeint hätten. Den f o l g e n d e n Fluch hatte sie aus den Propheten ausgezogen; nie hat sie, ein Glied davon gebraucht. – "In der Stadt soll keine Mühle mehr gehen; keine Braut soll sich ihres Lieblings freuen; kein Richter soll einen Mord rügen; jede Erstgeburt verunglücken. Nie werde gesungen und gesprungen. Hülle und Fülle sei nirgend, weder im Tempel, noch beim Schmause. Lang werde den Tischgästen die Zeit, wie den Taglöhnern, und kein Mark sei auf ihrem Tische; in ihren Häusern rieche es nach eitel toten Leichnamen, die den Weihrauch nicht aufkommen lassen, wenn gleich ihn A a r o n s Hand wölbt. Wenn es donnert, ergreife den Einwohner eine Angst, wie eine Gebärerin, und niemand finde hier volle Genüge. Keine Creatur freue sich hier ihres Seins. Der Vogel sitze länger, um seine Jungen zu brüten, und verlasse das Nest, ehe seine Nachwelt einen Flug getan. Ein Schwindelgeist sei unter ihre Jugend ausgegossen, dass sie wie Trunkenbolde laufen, wie aufgeraffte Mittagsschläfer. Ihr Alter sei wie Rohr, das der Wind hin und her beugt! – Verzagteit wohne in ihren Städten, und bei dem kleinsten Uebel recke jeder seine Hand wie ein Ertrinkender, wenn er sie zum letztenmal reckt." – Die Propheten, behauptete sie, fluchten schön undwer lese nicht gern solche Flüche?

E i n e f e i n e F l u c h e r i n ! Ich schreibe mir nichts hinter's Ohr, sagte sie, und tat auch also. Ich habe mit keinem Menschen ein Hühnchen zu pflükken. Wahrlich! sie war ein schöner nordischer Maitag. Sie war nicht eine Fläche, die dem Auge nicht hinreichend Nahrung gibt! Ein Berg, eine Kanzel Gottes, grenzte an ihr Tal.

Einen Plan machen konnte sie nicht. Sie schlug nicht Alleen im wald, sondern, nachdem es die gelegenheit gab, hier und da einen Stamm. Zum ersten, besten Bahnbruch war sie nicht aufgelegt. Sie selbst aber wusste ein und aus.

Mein Vater war gleich mit einem Riss fertig. Meine Leser werden selbst so manche Abschnitzel von Entwürfen bemerkt haben. Gern aber mochte meine Mutter Plane hören, z.B. die Disposition meines Vaters von der Sonntagspredigt schon Sonnabends zu wissen, war ihr Leben. Mein Vater nannte es den Küchenzettel der Predigt. Meine Mutter war mit diesem Ausdruck höchst unzufrieden.

Sie sah sehr ungern, wenn irgend ein gemeiner Mensch ein Instrument spielte. Singen, sagte sie, muss jeder können; allein spielen nur der, wer Geld und Zeit hat. Sie glaubte, ein Reicher hätte unendlich mehr Zeit, als ein Armer, und man könne wirklich Zeit kaufen.

Sehet die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie spinnen nicht, und darum singen sie doch, pflegte sie zu sagen.

Das Schreiben hielt sie in Absicht des gemeinen Haufens unnötig, sogar schädlich, dagegen behauptete sie, müsse jeder Mensch sein Augenmass excoliren, das heisst, setzte sie hinzu, zeichnen lernen, wenn nicht anders, so mit den Augen allein.

Weder Hefen, noch Schaum. – Der alte Herr ist oft beides. – Sie goss alles