, sei euch mehr, als No. 1. Die fünfte Zahl ist eine Wundenzahl. Ich kann nicht mehr! – Sie hielt inne, sie hatte sich sehr ermüdet. Nach einer Weile sah sie alle an! Lebt, sagte sie, dass wir uns alle, alle dort wieder zusammenfinden, wie wir hier von einander schieden, damit ich sagen könne: Herr! hier bin ich und die, so du mir gegeben hast! – Lieb wird es mir sein, herzlich lieb, euer Angesicht zu sehen mit Freuden in der seligen Ewigkeit! – Gott aber des Friedens, der von den toten ausgeführt hat den grossen Hirten der Schafe, durch das Blut des ewigen Testaments, unsern Herrn Jesum, der mache euch fertig in allen guten Werken, zu tun seinen Willen, und schaffe in euch, was vor ihm gefällig ist, durch Jesum Christ, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen!
Es war ein gesegneter Einfall, dass meine Mutter dem Pastor, der selbst sehr gerührt war, das Lied: "Es woll' uns Gott gnädig sein und seinen Segen geben;" zuwinkte, um den Ausbruch der Rührung der Gemeinde zu hemmen. Jetzt kam alles in sanfte Tränen, und alles wünschte, dass Gott meine Mutter geleiten möge, und an Ort und Stelle bringen, in den Himmel. Amen! Sie versprachen, die Gräber in Ehren zu halten, und es ihren Kindern und Kindeskindern auf ihrem Sterbebette anzubefehlen, so dass der jüngste Tag sie noch finden sollte!
Die witwe bricht hier ab, und auch ich muss abbrechen.
Dem Pastor gab meine Mutter die Schrift mit drei Siegeln, mit dem ausdrücklichen Beding, sie nicht eher, als sieben Tage nach ihrem Begräbniss, zu öffnen! Ja, sagte sie; Er: Amen! Er legte sie in die Agende. Sie fing ihm noch einmal zu danken an. Es ist sehr rührend, wenn ein Sterbender dankt. Gemeinhin ist sonst der Dank eigennützig. – Der Pastor liess sie nicht ausdanken, sondern drückte ihr die Hand und ging mit den Worten von dannen. – In Ewigkeit! – Sie, noch ein: Amen!
Man hat nie erfahren, was in dieser Schrift mit den drei Siegeln gewesen. So viel ist gewiss, dass sie mehr entalten, als die Zeitungsnachricht, wer Pastor werden würde. Der gute Vikar ist nach dem siebenten Tage, von dem Begräbnisse an gerechnet, ein ganz anderer Mann in Gedanken, Geberden, Worten und Werken worden. Es schien, als hätt' er einen Pränumerationsschein auf einige künftige Fälle erhalten. An die Frau v. B – war in dieser Schrift gedacht. Warum denn nicht an mich? Warum für mich' nicht auch eine ’ ′ ι ’ ′ ανεχου κα` απεχου mit drei Siegeln, sieben Tage nach dem mütterlichen Begräbnisse zu eröffnen? – Meine Mutter hatte herzlich gewünscht, dass das heilige Abendmahl ihre letzte Speise sein möchte auf dieser Welt, und ihr Wunsch ward erfüllt. Sie ward von Stunde zu Stunde schwächer, und bat die Pastorin, ihr die Leidensgeschichte Christi und seinen Tod vorzulesen aus allen Evangelisten! Wir sollen, sagte sie, des Herrn Tod verkündigen, bis dass er kommt.
Während dem Lesen sagte sie zuweilen Strophen aus Liedern. Beim Begräbniss Christi sang sie mit dumpfen Tönen. (Diess war ihr letzter Gesang. Sie selbst sagte: Meine stimme ist schon begraben! Sie wird wieder auferstehen im ewigen Leben! Man kann länger reden, als singen.)
Die Welt ist mir, ich ihr nicht gut,
Mir ekelt alles, was sie tut;
Was kann sie mehr als Fromme schmähen?
O! nimm mich! nimm mich hin ins Grab,
So sterb' ich meinen Sünden ab,
Und werde sauber auferstehen!
Komm so, mein Tod, und sei gegrüsst,
Der mehr als tausend Leben ist!
Dr. S a f t , der, ohne dass sie ihn verlangt, zu ihr gekommen war, sagte der Pastorin, dass eine Entzündung da wäre. Den gang der Krankheit konnte er nicht bezeichnen. Jetzt war freilich mehr als Einbildung. Aus dem Schein war das Sein worden. Sie selbst sagte der Pastorin ins Ohr, dass sie des folgenden Tages sterben würde. Früher als einen Tag zuvor schien sie ihren Todestag nicht zu wissen; vielleicht wusst' es ihr Schutzgeist nur eine Stunde früher. Auf Seelenkrankheiten verstehen sich die Engel, sagte sie, auf Leibeszufälle wenig oder gar nicht. Gott weiss alles. Sie hatte verlangt, dass niemand zu ihr gelassen werden sollte. S a f t drängte sich noch den letzten verweigerte ihm die Hand, da er sie beprüfen wollte, und zeigte mit vieler Mühe gegen Himmel. Sie blühete im Gesicht wie eine Rose. Den Tag wusste sie, die Stunde nicht. Sie war, wie wir wissen, aus Sonnabend, Sonntag geworden. Starb den – – Sonntag – –
Wie er von ihr ging, neigte sie ihr Haupt und dankte ihm! – Die vorige Nacht hatte sie noch die entsetzlichsten Schmerzen. Um vier Uhr Nachmittags war alles vorbei! Zuweilen fiel sie in eine Phantasie und sprach wieder mit ihrem Engel. Da sie ihn zum erstenmal wieder inne ward, redete sie ihn mit einer Heftigkeit an, die durch die Seele ging:
"Alle guten Geister loben den Herrn."
Die Pastorin versicherte, dass sie bei einem Geisterrauschen eine holde stimme vernommen: "Ich auch!" Je näher