und ehre in tiefster Demut alle die Wege, die er mit den armen Menschen, seinen Geschöpfen, eingeschlagen, um sie zur erkenntnis der Wahrheit zu bringen – ich glaube – doch, unterbrach sie sich selbst, Sie wissen was ich glaube. "Ich weiss," sagte die Selige mit aller überzeugung, und legte eben hiedurch ein Zeichen von ihrer Uebernatur ab; denn mir kam es vor, dass die Frau v. B – selbst nicht recht wusste, was sie glaubte. Gern, ich läugne es nicht, hätte ich sie den zweiten und dritten Artikel des Glaubens beten gehört. – So beschwöre ich denn, rief die Frau v. B – mit einer Mark- und Beinstimme, so beschwöre ich deinen Geist bei dem ewigen Anschauen Gottes und bei allen Hoffnungen der Seligkeit, dass, wenn es zur Ehre des Geistes der Geister und mit Bewilligung deines Geleitengels sein kann, der hier ist, ohne dass ich ihn sehe, dass du mir drei Tage nach deiner Auflösung erscheinest – ich werde in meinem haus rechter Hand im weissen Cabinet deiner warten. Alle guten Geister loben Gott den Herrn! – Die Selige antwortete auf so viel Kreuzblitze mit einer Gelassenheit, die man nicht beschreiben kann: "Eure Rede sei: Ja, ja, nein, nein, was darüber ist, ist vom Uebel! Lasst mich!" – Sie winkte uns ab! – Ich (das heisst, die alte Pastorwittwe) zitterte von dannen: denn ich fühlte, dass ein unsichtbares geschöpf in der Nähe sei, das mit der Seligen conferiren wollte; die Wahrheit zu sagen, ich hörte ein Rauschen, als eines sanften Windes, als einer atlassenen Schleppe. Die Frau v. B – ging mit der ehrfurchtsvollsten Geberde von dannen! Samuel konnte nicht ehrfurchtsvoller sagen: Rede, Herr, dein Knecht höret! Wir kamen ins blaue Stübchen, das ich tausendmal gesehen, und jetzt war mir so, als ob ich es zum erstenmal sähe. Es kam mir vor, als sähe ich überall Kreuze! Mich umgesehen hätte ich nicht um Tausende. Die Frau v. B – sah mich mit ihren grossen Augen starr an – und eigentlich bemerkte ich, wie sie eine Todesangst fasste. Die Aengste hoben sie; was schweben heisst, konnte man an ihr sehen. Diess nahm zusehends zu; auch sie konnte sich nicht mehr umsehen. Wie es zuging, weiss ich nicht; allein ein plötzlicher Sturm riss die Fensterladen von ihren Eisen; alles bebte im Zimmer. Alles, was einen Klang im Zimmer hatte, gab einen laut. Schrecklich. – Weh! war es nicht; allein nicht viel auseinander. – Die Hähne krähten auf eine Art, als wenn eins verraten und verkauft werden sollte! – Im Sturm waren Worte zu hören. – Wer konnte sie vernehmen? Die hochgelahrte Frau v. B – rang die hände und konnte sich auf den Knien nicht halten. W a s ! W i e i s t m i r ! – Damals, und auch nach der Zeit, glaubte die zeichenbegierige Frau v. B –, dass die Unterredung der Prophetin mit ihrem Schutzgeist auf den Geist der Frau v. B – gewirkt hätte. Etwas ging in Wahrheit vor; was es aber war, mag Gott wissen und der Prophetin Schutzgeist. Die Prophetin klingelte. So was von Klingeln habe ich nie gehört. Die hochgelahrte Frau v. B – hatte so wenig Herz hinein zu gehen, dass sie mich bat, ich möchte hören, was sie wollte; und da ich vorging, hielt sie mich zurück, weil sie nicht bleiben, nicht gehen wollte. Da eben gingen die Glocken unserer Kirche, und der Sturm, der noch nicht nachliess, brachte sie uns so nahe, dass sie uns recht ins Ohr schrien: "Bedenke, Mensch, das Ende!" Es war eben ein blühendes, junges Mädchen, das nur seit drei Tagen krank gewesen, verschieden. Gott habe sie selig! Die Frau v. B – tat, ehe wir noch zu der Seligen gingen, eben so feierlich, als ihre Beschwörung war, Verzicht auf die Erscheinung der Prophetin, als Eines von den toten, und da wir voll von diesem Verzicht zur Seligen kamen, so habe ich nie erfahren, wie die Conferenz abgelaufen und wie sie sich mit dem Schutzgeist beraten. Gern wüsste ich es jetzt. Zu der Zeit hätte ich es nicht tragen können. Das bin ich überzeugt, hätte sie versprochen, sie wäre gewiss gekommen, und wenn sie vom lieben Gott selbst Urlaub bitten sollen! – Es wäre ja ohnedem nicht auf lange gewesen! "Rechter Hand in's weisse Cabinet;" Jammer und Schade!
Die Prophetin entdeckte uns bei so bewandten Sachen nichts von ihrer Conferenz, und so blieb auch die Frage: Ob es angeht, dass man erscheinen könne? unentschieden.
Nach einigen, das Ableben der Dirne betreffenden Umständen erzählte die Prophetin uns eine zur Stiftung des Cartäuserordens gehörige geschichte (die Sie besser wissen werden, als ich). Es war ein von der ganzen Welt fromm geglaubter Mann; dieser starb und sollte begraben werden. Unfehlbar hatte man über seinen rühmlich geführten Lebenswandel und sein seliges Ende eine Standrede gehalten, und da richtete er sich auf und sagte (die Prophetin richtete sich im Bett in die Höhe): Ich bin vor das strenge Gericht Gottes vorgeladen. Alles ging, der Neuheit der Sache wegen, von