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Die Meinung der Psychopannychiten, als ob die Seelen noch in der Welt herum wanken, und andere dergleichen Meinungen, wie abgeschnitten! Luc. 16. stand der Text meiner Mutter, der keinen Commandantenposten, sondern ein hervorstehendes Zeichen hatte; und sollt' er nicht? – Eine Cocarde am hut, sagte ein Einfallist, ein neumodischer Candidat, den meine Mutter auf diese Zeichen aufmerksam machen wollte; allein dieses Bürschchen ward gerupft, obgleich er noch mit seiner teologischen Schärpe und Ringkragen, so wie er eben gepredigt oder auf der Wache gewesen war, da stand. Unmöglich hätt' er übler wegkommen können, wenn er einer der f ü n f G e m ü t h s - oder G e b l ü t s -Brüder des reichen Mannes gewesen wäre!

Der Tod ist Prosa, sagte meine Mutter, der Himmel Poesie. Darf ich weiter in dem Text? – Kürzen heisst nicht veruntreuen. Ich will mit Fleiss bei der Extrapost bleiben, damit niemand meiner Mutter den Vorwurf mache: sie hätte ins Gelag hinein geredet. Meine Leser kennen sie noch nicht in der Todeslaune, die auch prosaisch war, wie der Tod. U e b e r L u c . 16.

Es kommt, fing sie zu ihren Korintern an, alles von Gott, Glück und Unglück, Leben und Tod, wie Sirach im eilften Capitel und dessen vierzehnten Vers schreibt. Abraham war ein reicher Mann. Er würde gewiss mit keinem Curischen von Adel getauscht haben, und der König Salomo, dem der Reichtum im Postscript zufiel, wie reich war er nicht! Was ist vom ehrbaren Ratsherrn Joseph von Arimatia zu sagen, der, so reich er war, doch auf das Reich Gottes wartete, und der vornehmste Todtengräber gewesen, der je gelebt hat! Wie leicht fällt aber beim Reichen die Frage vor: wer ist der Herr? Wer lässt sich durch Gottes Güte zur Busse leiten? Wer sagt nicht zu seinem Palast wie Nebucadnezar: diess ist die grosse Babel, die ich erbauet habe zum königlichen haus, zu Ehren meiner Herrlichkeit; und bei gelegenheit seiner vollen Scheuern: du hast nun einen guten Vorrat auf viele Jahre, liebe Seele, habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut. – Wie leicht kleidet man sich in Purpur und köstliche Leinwand. – Des dreigliedrigen CandidatenManschetten könnten, unter uns, k l e i n e r und f e i n e r sein.

Was wird sein, du Prasser, du Vielfrass, du Saufaus, was wird sein, dass du alle Tage herrlich und in Freuden gelebt hast? O ihr, die ihr euch weit vom letzten Tage achtet, die ihr auf elfenbeinernen Lagern schlaft und Ueberfluss treibt mit euren Betten, die ihr die Lämmer aus der Heerde esst und die gemästeten Kälber, die ihr Wein aus den – S c h a l e n trinkt und salbt euch mit Balsam und bekümmert euch nichts um den Schaden Josephs, was ist es, was ihr gelebt habt? Wir wollen uns mit dem besten Wein und Salben füllen; lasset uns die Maienblumen nicht versäumen! Weisheit im zweiten Kapitel, der sechste und siebente Vers: euer Morgensegen, euer: d a s W a l t , ist: wohl her! Lasset uns wohl leben, weil es da ist, und unseres Leibes brauchen, weil er jung ist! Euer Benedicite! Euer: A l l e r A u g e n : kommt her, lasst uns Wein holen und voll saufen, und soll morgen sein wie heute, und noch viel mehr. Wehe! wehe! es wird nicht lange so sein! Der Reiche starb und ward begraben, und als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf und sah Abraham von ferne und Lazarum in seinem Schoossdie Engel waren seine Seelenträger! Seiner Seele war es nicht anzusehen, dass der Leib voll Schwären und dass die Hunde seine Wundärzte gewesen. Gerades Weges, ohne allen Umweg, kam er an seinen Ort, so wie der reiche Mann an den seinigen! Was der Tod nicht machen kann! Welche Kluft ist zwischen beiden befestigt! Lange war der diesseitige Wall so gross nicht.

Die Sterbensgeschichte meiner

Mutter selbst.

Das Ableben meines Vaters war Oel für diese Lampe, die für die Ewigkeit brannte. Auch der Tod des Herrn v. G. lieferte einen Oelbeitrag. Dieser starb plötzlich in unserer Kirche, und kann ich, wenn es verlangt wird, noch rede' und Antwort von seinem Hintritt erteilen! – Der hochgeborne Todtengräber hat so viel Leichenbegängniss in diese Lebensläufe gebracht, dass ich fast vermute, mancher Kunstrichter werde sich auch eine Spruchstelle merken, und ihr kein Commandantenzeichen beilegen. L a ss t d i e T o d t e n d i e T o d t e n b e g r a b e n ! – Kann sein; hab' ich aber nicht Minens Tod zu feiern?

Nach meines Vaters tod lagen meiner Mutter ein grosser teil Amtsgeschäfte auf, womit sie den benachbarten Herrn Confrater nicht beschweren wollte, welcher sich sonst der heiligen Notdurft der verwaisten Gemeinde annahm. Oeffentlichen Amtsverrichtungen konnte sie sich freilich nicht unterziehen, weil die Weiber, wie sie sich von selbst beschied, schweigen müssen in der Gemeinde; dagegen war sie, wo ein Christ nur irgend ein geistlicher Priester sein kann, dieser Priester mit Leib und Seele