dem alten Vale! Vale!
über das Spiel hättest du mehr schreiben sollen. Es scheint mir wechselseitige Abmachung, interessirt sein zu können. Eigennutz und alles und jedes, wo das Wort e i g e n vorkommt, ist aus dem Stammhause Eigenliebe. Wer kann indessen in einer guten Gesellschaft einen Menschen ausstehen, der ohne ende und Ziel von sich selbst spricht; es wäre denn, dass er sein überstandenes Unglück erzählt. Eben so ist ein Eigennütziger ein Gräuel im Umgange. Das Spiel scheint erfunden zu sehen, den menschlichen Neigungen, die man durch Lebensart zu unterdrücken verbunden ist, zu hülfe zu kommen. Wir würden es sehr übel nehmen, wenn der andere uns geflissentlich gewinnen liesse. Der Gewinner muss indessen eben so viel Glück als Spielverstand zeigen, wenn wir ihm das Recht zu gewinnen zuerkennen sollen; obgleich es auch gewiss ist, dass S p i e l e r diesen gern, jenen höchst ungern gewinnen lassen, es besitze jener gleich Glück und Verstand in der besten Proportion. Du verstehst mich von ferne. Unter dem Worte Spieler verstehe' ich keinen, der auf's Spiel ausgeht, oder vielmehr ausläuft. Keinen Virtuoso, sondern einen Dilettante, um es dir deutlicher (das heisst oft uneigentlicher) zu geben. Bei Leuten, die keine Bewegung haben, ersetzt das Spiel diesen Mangel. Es ist Seelenbewegung, die nötiger ist als die körperliche, es ist eine Abwechselung aller Leidenschaften, aller Jahreszeiten hätt' ich bald gesagt; und zur Gesundheit gehört diese Abwechselung.
D e r K ö n i g s p i e l t n i c h t ; kein König sollte spielen. Spiel ist Zeitvertreib, und wer kann des Morgens Karten mischen, ohne das Unschickliche zu fühlen? Ich kenne noch keinen Violonisten, der nicht selbst einem treuen Kenner oder Liebhaber lästig geworden, wenn er vor Mittage gespielt!
König Friedrich hat gern Leute, die Glück haben. Wo Verstand ist, muss auch Wille sein. Ein Entwurf will Ausführung, ein Anfang Vollendung. – – – Man glaubt selbst glücklich zu werden, wenn man Glücklichen so nahe ist, und wer beschäftigt sich nicht am liebsten mit Dingen, wo Glück dabei ist. Darum spielt man Karten, darum setzt man in die Lotterie, darum geht man auf die Jagd, wenn man kein König ist, darum führt man Krieg, wenn man König ist. – – Herr v. G. sagt, alle Könige sind Spieler.
lebe wohl, gib dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist. Fürchte Gott, ehre den König. Lebe wohl!
Aus einem andern väterlichen
Briefe:
Deine Mutter schreibt dir viel, und unfehlbar auch von mir. Ich bin nicht mehr, der ich war. Wenn man einmal in gewissen Jahren ist, so hat man sich so ausprobirt, dass man lange vor Krankheit sicher ist. Da weiss man den verstimmten Clavis überzuspringen, da hält man eine Rede ohne R, wenn man das r nicht aussprechen kann. So gings mir; aber die Jahre traten ein, von denen es heisst: sie gefallen uns nicht. Das erstemal, dass ich klage. Stöhnen erleichtert den Schmerz, so wie der Aufschrei von Schrecken. Was hilft es, dass du früh aufstehst, und lange sitzest, und dein Brod issest mit Sorgen? Seinen Freunden gibt er's im Schlafe, im tod. – Wer nach einer frohen Stunde den Tod schön finden kann, das ist ein Mann. Leben und Tod liegt im Gemenge. Was tun wir im tod? Wir legen bloss das Kleid ab, das jedem zu enge ist. Wir glauben vom tod, so wie die Jünger von ihrem Herrn und Meister, er sei ein Gespenst.
über vierzig Jahre, wer wird von denen sein, die jetzt sind? – Diesen Augenblick kann man deine Seel' abfordern, und was wird es sein, das du an Zeit gesammelt hast? – Ich habe mich lange umgesehen, um
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von hinnen zu ziehen ins Vaterland! ανεχου κα` ι ’ ′ απεχου. "Lebe wohl!"
Das letzte Lebewohl! Der Herr setze ihn über viel, diesen lieben Getreuen über wenig. – Er ist eingegangen zu seines Herrn Freude! Amen! Amen!
Ich kann nicht mehr, als A m e n schreiben, obgleich es schon so lange her ist, dass er mir diess letzte Lebewohl schrieb. – Um es autentisch meinen Lesern mitzuteilen, schrieb ich es aus dem Original aus, das noch da vor mir liegt. Ich weiss es, dass einige meiner Leser dem Herrn v. G. nachsagen werden, die Königin ist weg, das Spiel ist verloren! Der Trefflichste in diesem ist gefallen! – Meine Leser haben ihn gehört und ich! ich hab' ihn gesehen! – Noch sehe' ich diesen Mann. Jede Falte in seinem Antlitz zeigte, wie gut er war! Wahrlich, die beste probe eines guten Alten! – Ist's nicht wahr, dass die Falten sich nach den Lieblingsmienen formen? Ist's nicht wahr, dass sie da reifen, wo jene blüheten? O könnt' ich ihn darstellen!
Ruhe sanft, seltener Mann! Dein Segen war die Wolken- und Feuersäule, die mich geleitete auf meinen Wegen. Deinen Tod feiern heisst: Deinem Beispiel folgen.
Er ging mit der Sonn' unter! Es blieb unentschieden, wer schöner untergegangen