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, zum Beispiel, auf einem Baume das Principium indiscernibilium. Zwar geben sich auch etliche mit Geisterbeschwörungen ab; allein ich halte nichts von der Clavicula Salomonis, und wer weiss es nicht, wie es dem Dr. Faust gegangen?

Der Fuss schläft zuweilen ein, und wer kann alsdann von hinnen? Man nennt diess Besterben; wer sagt aber, dass der Kopf bestirbt, und doch bestirbt er eben so und aus eben der Ursache wie der Fuss. Wir merken nicht so stark auf das, was den Organenbeweger trifft, als auf die Organe. Ungern lassen wir etwas auf den Kopf kommen, den wir zur Schau tragen für jeden, der Lust und Liebe zu sehen hat. Wir tun gegen alle Welt gross damit. Dem mann der Hut, dem weib die Kinder. Den Hut können wir mit leichter Mühe abnehmen, sonst würden wir ihm die Würde eines Ehrenzeichens nicht einräumen. Es gibt Völker, die das Haupt blössen, wenn sie mit Gott reden, und Völker, die es decken. Die es blössen, tun es bei leib nicht, um dem Kopf gegen Gott nichts zu vergeben; sie wollen vielmehr zeigen, dass auch der Kopf ein armer grosser Sünder sei. Völker, die ihr Haupt decken, schöpfen aus der nämlichen Quelle. Sie schämen sich, vor Gott ihr Licht leuchten zu lassen, und kriechen unter die Bäume im Garten. – – –

Sollte hie und da ein Kunstrichter von meinem Kopf zu behaupten für bequem finden, dass er zuweilen besterbeso mag er wissen, wie man der Erde nicht ansehe, dass sie spornstreichs laufe. – Sieh da! – Ich reise Extrapost, und scheine nicht von der Stelle zu kommen! – Fürs Kleinkauen bin ich nicht, guter Freund, so gesund es übrigens deinem schwachen Magen sein mag!

Alles, was ist, hat Geist und Leib. – Ich liebe von allem nur den Geist, vom Buch, vom Trank, vom Essen.

Wie weit, sagte mir einstmals e i n f e i n e r J ü n g l i n g vor der Stunde, wie weit sind noch unsere hohen schulen vom Ziele! wie weit! – Alles ist noch zu tapfer, anstatt dass es verfeinert sein sollte. Je roher die Nation, je tapferer der Bürger! – Je mehr Renommist, je weniger Fleiss!

Aber, fing ein a n d e r e r an, wissen Sie auch, dass ein Knäbchen, Milch und Blut im Gesicht (schon wollte ich Angesicht sagen, das gebührt keinem Knäbchen), wissen Sie auch, dass ein solches Bürschchen mit aller seiner Wissenschaft kein Kerl ist? Ich nahm mich diessmal des a n d e r n an. Der Nutzen ist beim Geschmack nur nebenher, sagte ich. Sobald der Nutzendurst, eigentlich Hunger, zu merken ist, lebe wohl, Geschmack! Fein ist der, der in der Anschauung Vergnügen findet; fest, steif, klug, wer auf Nutzen, wenn der Nutzen gleich nicht zu den sichtbaren Geschöpfen gehört, bedacht ist. Nutzen ist ein Gegenstand des Nachdenkens, Feinheit ist ein Dienst der Sinne. Wenn aber gleich eine silberne Dose weniger gefällt, als eine von zerbrechlichem Porcellan, es sei berlinisch oder aus Dresden; was meinen Sie, hat man denn immer Zeit, eine Dose zu warten? und ist's nicht unangenehm, wenn sie bricht? Hat man denn nicht mehr in der Welt zu tun, als Geschmack und extrafeinen Geschmack zu zeigen? Ein Bauer, der seine milchgebende Kuh verkauft, um sich eine Alonge zu kaufen, oder eine Brabanter Kante, oder einen Rubens (ein Stück von ihm), was meinen Sie?

Wer recht viel vor sich gebracht hat, kann an Verfeinerungen denken; wer sein Feld gebaut, an den Garten, und wer sein Haus in Dach und Fach berichtigt, an Verzierung in seinen Zimmern. Das Menschengeschlecht, in Wahrheit, hat so wenig mehr zu verlieren, dass, wenn es noch lange mit zerbrechlichem Porcellan spielen wird, wenn es nicht bald anfängt sich zu besinnen und eine silberne Dose, die was aushält, zu kaufen, wenn es nicht wieder auf Dauer, Stärke des Leibes und der Seele zu sehen sich entschliesst, nicht viel drum zu geben ist. Wäre das menschliche Geschlecht mehr Renommist, mehr stark, mehr deutsch, man könnte eher was mit anheben.

Ja wohl, sagte Herr v. G., der diessmal in der Stunde war, wer nicht seine drei Tage und Nächte auf der Jagd sein und dem Hirsch den Fänger entgegensetzen kann, ist weder zum Groben noch zum Subtilen aufgelegt. Mehr wollte er nicht anbringen, um es mit dem Jüngling, der, so fein er war, doch wohl Herz haben konnte, nicht zur Jagd anzulegen.

Ein Haus, pflegte mein Vater zu sagen, das lange niemand bewohnt hat, verliert ein gewisses Leben! – Was nur bewohnt ist, lebt, oder ist belebt. Es ist ihm ein Leben eingehaucht. – So geht's mit den Wissenschaften, sagte Herr v. G., da ich bei einer gelegenheit die väterliche Bemerkung mitteilte. Ich freue mich, dass ich auf ihn komme, um noch anführen zu können, dass ich auch in G ö t t i n g e n in seiner Seele studirte. Unser Wirt hatte keinen Taubenschlag, am wenigsten ein geschmackreich gebautes Hühnerhäuschen, keinen Garten; und wie