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Friedrichsd'or erspart. In Russland zehn Rubel, ein paar Schüsseln zu viel. Immer Epakten, immer Ueberschuss! Das, fuhr er fort, liegt im geheimsten Mark des staates. In Petersburg ist zu viel, in Berlin zu wenig Platz, das sehe ich an Gebäuden, die sich sehen lassen. – Man weiss, wie die Engländer sind! Für den König war er wie ich. Ganz gewiss hat er an seinen Vater auch so geschrieben wie ich. – Der Starrkopf! Die Franzosen waren seine Freunde nicht, wie gewöhnlich. D e r K ö n i g v o n P r e u ss e n , sagte mein Engländer, l i e b t d e n f r a n z ö s i s c h e n Verstand, aber nicht den französis c h e n W i l l e n . W i r u n d i h r (Wir voraus, das hiess: England und Deutsche) b l e i b e n b e i der Angel, wenn gleich in einigen Stunden kein fisch kommt. Der Franzose schiesst während der Zeit einen Vogel. Er trägt Gold auf dem H u t ; w i r e i n s e i n e s H e m d e . Viele in Berlin, fuhr er fort, welche den Unterschied von Verstand und Willen nicht so gut wie der König einsehen, sind ganz und gar Franzosen. Man könnte diese, unterbrach ich meinen Engländer, weit eher als die Letten in Curland Undeutsche nennen. Diess war ihm was Neues vom Jahr. Undeutsch! wiederholte er und lächelte. Das Frauenzimmer, bemerkte er, ist in Berlin zum grössten teil vom Haupt bis zu den Füssen französisch. Z u m g r ö ss t e n T h e i l , fiel ihm Junker Gottard ein, u n d d e r k l e i n e r e T h e i l ? ist englisch! – Deutsch! wie Sie wollen, erwiderte der Engländer. Ich dächte, beschloss Junker Gottard, das Frauenzimmer stamme durch die ganze Welt von den Franzosen, oder die Franzosen vom Frauenzimmer. Wir, der Engländer und ich, vereinigten uns wider den Junker Gottard und bewiesen ihm, dass es noch Frauenzimmer deutscher oder englischer Art gebe, und zeigten ihm davon e t l i c h e in Berlin! Ihr kennt sie nur von Ansehen, fuhr Junker Gottard fort. Darf man mehr, wenn vom Frauenzimmer die Rede ist? Da ich dem Junker Gottard die Gewissensfrage tat, ob denn seine T r i n e von französischer Abkunft sei? war er verlegen. Ich richte meine Frage nicht auf Amalien, die einen Argos von dir zum Geschenke zurückbehielt, nicht auf die Brunette mit dem trefflichen Busen, wo ein Ball gegeben wird, und wo zehntausend Liebesgötter schweben! – von T r i n e n , frage ich. – – Gottard trat uns bei.

Der gute Junker Gottard hatte es von seinem Vater, und dieser von dem meinigen, dass man das Volk in der Sprache suchen müsste, und da er sich viel darauf zu gute tat, ein halber Landsmann von Grossbritannien zu sein, so neckte er sich mit dem Engländer, dem es sichtbarlich Vergnügen machte. Schade nur, dass Junker Gottard nicht viel Englisch wusste. Englisch Mann, fing er an, England! Curland, warum denn nicht: curisch Mann? – Und dann wieder: Was solch ein englisch Mann vom kopf macht! Da haben wir doch, Gottlob! Stirne und Scheitel, und er Kopfkron und Vorkopf! – Bruder! erwiderte ich, das Volk kann ein Wort vom Kopf mitreden. Und dann immer i c h s e l b s t , fuhr Gottard fort, das Selbst doch ja nicht zu vergessen! Sieh! sagte ich ihm, Bruder! da ist doch jeder was selbst, im monarchischen Staat ist man alles par Bricole. Diess vom Billard geliehene Kunstwort fiel ihm so auf, dass er als Curländer auch von selbst zu sagen sich berechtiget glaubteobgleich ein Curländer mehr als zwei Herren dient, und niemand kann zwei Herren dienen!

Dass sich die Englischmänner auch in Abwesenheit beehren und dem Namen ein ehrerbietiges Herr vorsetzen, wenn gleich der Herr nicht da ist, und es auch so mit ihren Weibern halten, gehört auf das nämliche Conto! – In der Monarchie ist man Augendiener, fing ich an. Wenn man mit dem Herrn spricht, bückt man sich dazu, und ist er nicht da, heisst er schlechtweg Peter Paul Pompei. Heuchelei ist der Erbfehler der Monarchien. In Curland, wo doch Freiheit herrschen soll, fuhr ich fort, sehen die Leute ein, wie wenig sie bedeuten. – Doch warum eine D o n a t s c h e Stunde! – Ich will sie mit dem Worte Königreich schliessen, auf welches mein Vater aus dem englischen V a t e r u n s e r den Accent legte, und zwar nicht, wie man beim ersten blick glauben sollte, weil mein Vater ein Königscher war, sondern weil er den seligen Zeitpunkt wünschte, das fest aller Heiligen, wie er's zu nennen pflegte, da wir allzusammen eine Heerde sein werden, und Gott unser König, ein königlicher Vater. Ist's Wunder, dass wir uns in einer Residenz, wo unstreitig der e r s t