, wenn uns Gott der Herr ins Paradies setzen wollte, wir nicht essen würden von der verbotenen Frucht, Jetzt ist kein Mein und kein Dein mehr zu verzäunen nötig, wir brauchen keine Besatz- und Hypotekenbücher und keinen rotbeschlagenen Richterstuhl weiter. Sei, lieber Herr König, wie unser einer. Sei mit uns, wie Engel Gottes im Himmel, wie Adam vor dem Fall! – –
Hab' ich dich nur von weitem verstanden, so schreibe mir ja, Vater, sonst hilf mir zurecht mit einer autentischen Interpretation.
Die meisten Menschen reden wider den Staat, wider den König. Dergleichen gibt's in Preussen, so wie überall; indessen hilft der König sich mit seinen Augen. Sein Auge ist sein Miniatur. Wenn die Berliner, seine nächsten Nachbarn, politisch kannegiessen – sieht er, und sieht alles rings umher treu und hold, folgsam und gehorsam. – Er hat ein Gesicht, das man sehen muss,. so oft es zu sehen ist. Er komme, wenn er wolle, jedes lässt liegen, was er treibt, sieht, oder will sehen. Es ist, als wenn heraus gerufen würde. Die Mutter hebt ihr Kleines in die Höhe und der Junge bleibt starr! Das Mädchen lächelt! Er ist selten in Berlin. In Potsdam ist er König; in Sanssouci Mensch. Aber, Vater! warum redet alles wider die Obern? Es ist die natürliche Freiheit, welche sich vordrängt, welche das Wort nimmt, pflegtest du zu sagen, und Herr v. G. ist dein unumstösslicher Beleg. Ich hab' indessen Missvergnügte gefunden, die es bloss sind, weil sie den Tyrannen in Kopf und Herz haben. Sie selbst wollen auf den Tron. O der Tyrannen! mit ihrem Freiheitsgeplärr! O der Sünder wider den heiligen Geist! Einige der Missvergnügten sind es, weil sie es sind. Sie wissen nicht, was sie tun. – Das Wort Freiheit ist ihnen nicht ein Deckel der Bosheit, wohl aber ein Deckel des Unverstandes.
In Curland, pflegtest du zu sagen, ist Sklaverei und Freiheit zu haus. Jeder Adelhof ist ein Tron, jeder Turm Sibirien, jeder Stock Scepter. Der Edelmann ist Despot, Tyrann, seine Einwohner, bis auf den Pastor loci und den Hofmeister, welche altioris indaginis sind – Sklaven!
Solch ein König auch König Friedrich ist, getraue ich mir doch (und das ist wieder ein Wunder in seinem Auge) zu ihm zu kommen, und ihm den Antrag zu tun, zu sein, wie unser Einer; es versteht sich, wenn diess Stündlein vorhanden ist. Das Menschengeschlecht sucht alles auf dem unrechten Wege, und das kommt, weil es nicht zusammenhält. Da es nicht Gott treu ist, wie kann es Menschen treu sein? Gott hat alles dabei getan, und den Menschen den Trieb der Geselligkeit so gar tief ins Herz gelegt; allein noch stossen sie sich von einander. Wie sehr in weitem feld liegt nicht alles, und wie nahe könnte es liegen, wenn Gottes Wille geschähe!
Nimm, lieber Vater, mit diesem specimine academico vor den Willen, das ich dir loco testimonii schuldig bin. Ich habe die Kosten dabei gespart, und bin bei einem mann, wie du, eben so weit, wo nicht weiter.
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Meine Leser werden freilich aus diesem Briefstück des mehreren ersehen, dass eine gewisse mir angeborne Königsfreude mich begeistert habe, und eben darum dieses E r an I h n verzeihen, dafür sind auch so viele S i e ' s an I h n (Briefe meiner Mutter an mich) weggefallen, und mit keinem einzigen i c h an S i e , mit keinem einzigen von m e i n e n Briefen a n m e i n e M u t t e r sind meine Leser belästigt. – Ich habe m e i n e n B r i e f a n m e i n e n V a t e r so gelassen, wie er war; warum sollt' ichs nicht?
Im letzten Kriege, nicht in dem Prozess, die Succession von Bayern betreffend, sondern im letzten Kriege, sagte Madame Pompadour, da ihr einer aus dem volk vorwindbeutelte: man würde den König gefangen nach Paris führen, d a w i r d m a n d o c h einen König zu sehen bekommen! Diess, was freilich nur eine Maitresse sagen konnte, so wie das erste nur ein Franzose, ist so schön, als wahr gesagt! – Einem Kreuzzug der Königin aus Saba zum König Salomo sieht es freilich nicht ähnlich, dafür ist auch Pompadour nicht Königin aus Saba, und Friedrich, ist er Salomo, der durch eine Lilie auf dem feld in seiner Herrlichkeit beschämt ward? König Friedrich lässt sich mit keiner Feldlilie in Wettstreit ein.
Der König lacht nur mit seinen Freunden, denn er ist König. Ernst liegt in ihm, und wenn es hoch kommt, Beifall. Er straft durch seine Collegia; den Lohn hat er sich vorbehalten. Danken kann er nicht; durch Taten dankt er. In seinem Danke liegt: ihr seid ein unnützer Knecht, ihr habt getan, was ihr zu tun schuldig waret! Das sagt er, nicht in seinem, sondern im Namen des staates. Er wechselt nicht mit Leuten, auf die er einen königlichen Accent gelegt; allein er hat auch keinen Liebling, ohne den es ihm schwer wäre zu sein