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. Eine Schlafmütze hat er nie auf seinem königlichen haupt gehabt. Sie sticht überhaupt schlecht mit der Krone ab. Sein Hut steht ihm, als eine Krone! So trägt keiner seinen Hut. Der Hut ist überhaupt ein Hauptkleidungsstück am Könige. Der König von Polen mit einer Mütze, der Sultan mit einem Bund machen keinen Einwand. Den Bischöfen ihr Insul! Wenn der König grüsst, du solltest sehen, Vater, wie er den Hut fasst! – Seine Kleidung? Nichts was neu anschiene. Ein neues Kleid ist nicht königlich! Am Hut, der gewiss nicht neu war, keine Verzierung! Vater, durchweg ein König! Alles so natürlich. – Täten wir es, wär' es die äusserste Affektation.

Aber wieder von der Flöte. Nur die haben seine Triller, seine Läufe gehört, die ihn nicht als König ansehen dürfen. Freunde! Fremde! – Tonkünstler! Ein König, F r e u n d e ? König Friedrich soll einen haben oder ein Paar, und das ist viel! – Ich hätte nicht das Herz, es zu sein; auch du, Vater, so sehr du Monarchenfreund in abstracto bist, hättest du wohl göttlichen Ruf, es in concreto zu sein? Immer gerade, wer kann sich halten? – Nur die so geschnürt sind, und dann tun es nicht sie, sondern das Eisen.

Die Verse, die er macht? Auch das könnt' er bleiben lassen und es dem Voltaire anheim stellen. F r a n z ö s i s c h e , Notabene g e r e i m t e , Verse! hättest du das gedacht, Vater? Gott der Herr hat nie in Versen geredet; Könige tragen sein Bild. Es sind Götter der Erden. – Das schwerste Stück Arbeit eines Dichters ist, wie mich dünkt, Gott den Herrn redend einzuführen. Wenn Gott zu Menschen spricht, ist es Prosa. Den Donner selbst ist wahre Prosa. – Wir Menschen, wenn wir zu Gott sprechen, poetisiren, und das ist nicht ohne

Du pflegtest zu sagen, Vater, jeder grosse Mann hat einen Vers gemacht, es sei im Wachen oder im Schlaf. – N e w t o n so gut wie R o u s s e a u , und ich glaube' es dir aufs Wort, dir, dem einzigen, dem ich aufs Wort glaube und als Sohn zu glauben von Gott und der natur angewiesen bin, wofür ich dem lieben Gott Dank sage für und für. Da, dünkt mich, hab' ich die ganze Pflicht des Sohnes zum Vater gesagt. Christus verlangt selbst nichts mehr, da er uns zu Kindern Gottes berief, erleuchtete und heiligte.

D e s K ö n i g s P o e s i e .2 Gern, lieber Vater, hätt' ich mir den König abmalen lassen, allein da ist er so eigen, wie Alexander, mein Vetter.

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Du hast mir oft und viel, lieber Vater, den Schlüssel zu deiner Monarchenliebe behändigt, und wie viel hab' ich nicht, wie sehr viel, was ich noch weglege, weil du dieses Depositum mit der Ermahnung zu übergeben pflegtest: Wintersaatkommt Zeit kommt Rat! Wenn ich gleich, wie du weisst, das erste Siegel

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von ανεχου κα` απεχου gebrochen; diess Siegel soll mir heilig sein. Es gibt Dinge, die durchaus Jahre erfordern. Leibnitz war zwar im fünfzehnten Jahre Magister; allein als Magister war er nicht Leibnitz, und da er schon Leibnitz war, wie oft fiel er in den Magister! – Ich bescheide mich von selbst, dass ich gewisse Dinge, die du für mich eingepackt hast, noch so anzusehen verpflichtet bin, wie die meisten Menschen einen Folianten. Wenn ich gelegene Zeit habeoder wenn ich volljährig bin; denn wahrlich, ein Foliant in der Hand eines Knaben ist nicht gleich und gleich, das doch allein sich gesellen, sich paaren sollte. Zwar hab' ich oft in meinem Leben Folianten getragen, und stellenweise, durch deine Güte, aus Folianten, die einige Leute, ich weiss nicht warum, geradeweg Quellen heissen, geschöpft. Quellen im gemeinen Leben sind im verhältnis mit andern Gewässern nicht Folianten.

Verzeih, Vater, meine Altklugheit, die in diesem Briefe hie und da hervorflicht. – Der König von Preussen, oder sein blick, gab mir Veniam aetatis. Ist man doch heiter am heitern Tage. Ich müsste mich sehr irren, wenn ich nicht des Dafürhaltens sein sollte, du wärest darum ein Monarchenfreund, weil du ein Menschenfreund bist; der Monarchen wegen ist's nicht. Da dem Herrn Christo, deinem Herrn, eine Münze vorgezeigt ward, was sagt' er? Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Die Monarchen sind unseres Herzens Härtigkeit halber von Gott gegeben, und da nur ein Gott ist, so ist nach deiner Meinung die Monarchie die klügste, die natürlichste Staatsform. Sie ist die Teokratie in höchst fehlerhafter Uebersetzung. O Gott, wenn sie doch einmal Dr. Martin Luter übersetzen wollte, so ins ehrliche Deutsch! Monarchie ist der Freiheit halber da, die dem menschlichen Geschlecht ins Herz geschrieben ist. Der Monarch soll so lange grünen und blühen und leben und hoch leben, bis die Untertanen zu ihm kommen und ihm sagen: nun sind wir alle so, dass